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“Unsere Freiheit war noch nie so bedroht” – Steht ein Krieg mit Russland bevor?

6. Februar 2026 9 Mins Read
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von Elisabeth Knorr und Hansjörg Rüthel

Drohnen über Kasernen, Brandanschläge auf Militärfahrzeuge, zerstörte Pipelines, Brandstoffe in Flugzeugen, Spionage, Sabotage in Krankenhäusern und immer wieder Desinformation und Beeinflussung der öffentlichen Meinung: Diese Angriffe auf deutsche Infrastruktur und Öffentlichkeit sind längst Alltag geworden. Wir sollten uns nicht daran gewöhnen und es für “normal” halten.

Gelernt haben wir das eher zufällig bei unserem Seminar in Kloster Banz bei einem Vortrag, der eigentlich für eine andere Gruppe bestimmt war. Manche haben lange überlegt, ob sich das wohl noch lohnt nach einem langen Seminartag. Im Nachhinein waren wir alle mehr als froh, das nicht verpasst zu haben! Und das hat viel mit dem Referenten zu tun gehabt. Generalleutnant André Bodemann ist einer der höchstrangigen Militärs in ganz Deutschland.

Etwas bizarr ist es ja schon. Wir sitzen in einem hell erleuchteten und freundlichen Raum, haben gerade ein herrliches Abendessen genossen, sind alle müde und schläfrig. Und jetzt sollen wir uns anhören, dass ein Krieg vor der Türe steht? Das ist nichts, was man gerne hört.

“Wir befinden uns schon lange nicht mehr im Frieden”

Klingt erstmal total komisch, oder? Es ist doch eigentlich alles so wie immer. Naja, vielleicht nicht ganz.

In den europäischen Nachbarländern, aber auch in Deutschland ist in den letzten Jahren und Monaten so einiges passiert. Kurze Kostprobe?

Zufälle? Nichts als Zufälle?

November 2023: Sprengstoff an der Treibstoff-Pipeline

Im November 2023 fanden Bauarbeiter bei Erdarbeiten nahe Bellheim in Rheinland-Pfalz ein vergrabenes Sprengstoffversteck. Im Boden lagen mehrere hundert Gramm Sprengstoff, Zünder und Handgranaten. Der Fundort lag nur wenige hundert Meter von einer NATO-Pipeline entfernt, die Treibstoff zu Militärstützpunkten transportiert. Wäre der Sprengstoff explodiert, hätten im Ernstfall die Flugzeuge nicht starten können. (Süddeutsche)

Dezember 2024: Durchtrenntes Unterseekabel in Finnland

Im Golf von Finnland wird ein wichtiges Unterseekabel zwischen Finnland und Estland beschädigt. Dieses Kabel ist wichtig für Strom- und Datenverbindungen. Ermittler fanden am Meeresboden eine lange Schleifspur, die von einem Schiffsanker stammte. Im Verdacht stand der Öltanker „Eagle S“, der zuvor aus einem russischen Hafen gekommen war. Zufall oder ein Versehen? (Wikipedia)

Februar 2025: Desinformationskampagne zur Bundestagswahl

Eine Desinformationskampagne „Storm-1516“ startet pünktlich im Vorfeld der Bundestagswahl auf vielen gefälschten Internetseiten, die wie echte deutsche Nachrichtenportale aussahen. Auf diesen Seiten standen erfundene Berichte, zum Beispiel über angebliche geheime Pläne der Bundesregierung, Deutschland in einen Krieg hineinzuziehen, oder über verheimlichte Skandale von Politikern, die es nicht gab. Außerdem wurden falsche Meldungen verbreitet, etwa dass der Staat kurz vor dem Zusammenbruch stehe oder Wahlen manipuliert würden. (Tagesschau)

April 2025: Flüchtlingsverbringung an die polnische Grenze

Wie schon seit 2021 bringt Belarus gezielt Migranten an die EU-Grenze zu Polen, Litauen und Estland. Menschen aus Ländern wie Irak, Syrien oder afrikanischen Staaten wurden nach Belarus geflogen, oft mit Touristenvisa. Von dort aus begleiteten belarussische Sicherheitskräfte sie bis an die Grenzzäune und drängten sie, die Grenze zur EU zu überqueren. Grenzschützer berichteten, dass belarussische Beamte Migranten nicht zurückließen und teils sogar Zäune beschädigten. (TVP)

Oktober 2025: Drohnensichtungen über Norddeutschland

Besonders im Norden und am Meer, zum Beispiel über Marinestützpunkten oder Bundeswehr-Standorten, sehen Beobachter viele dieser Flugobjekte. Die Spitze der militärischen Aufklärungsbehörde sagte sogar, es sei die höchste Zahl an Drohnen-Sichtungen über Militärbasen, die man jemals registriert hat. Vermutlich sollen sie der Spionage, aber auch der Einschüchterung der Bevölkerung dienen. (Reuters)

Dezember 2025: Cyber-Angriff auf polnische Kraftwerke

Hacker greifen im tiefsten Winter die Computer von Energieanlagen an. Betroffen waren über 30 Kraftwerke und ein großes Fernwärmewerk mit rund 500.000 Kunden sowie ein Industrieunternehmen. Es war genau zu der Zeit als eine Kältewelle und Stürme angekündigt waren. Die Behören können mit Mühe einen großen Blackout verhindern. (Euronews)

Alle diese Vorfälle sind nichts als die Spitze des Eisbergs. Sie stehen für hunderte andere und mit diesen haben sie eines gemeinsam. In der Regel fällt es schwer, die Täter dingfest zu machen. In der Regel weisen die Spuren in eine Richtung – nach Russland.

Hybride Kriegsführung – Krieg im Frieden

Hybride Kriegsführung beschreibt eine Art der Kriegsführung, die ohne alle herkömmlichen Waffen ausgefochten wird. Stattdessen werden Agenten des Geheimdienstes geschickt, um zu spionieren, zu sabotieren und zu manipulieren. Das schwierige in der Verteidigung ist, dass hybride Kriege eine rechtliche Grauzone darstellen. Oft kann die tatsächliche Intention hinter diesen Angriffen nicht festgestellt werden, sodass man wenig gegen sie tun kann. Oft sind unsere Gesetze auch nicht darauf ausgelegt, mit Verbrechen klarzukommen, die die ganze Logistik und die Machtmittel eines feindlichen Staates hinter sich haben und mit absoluter Skrupellosigkeit und Kalkül ausgeführt werden.

Für Generalleutnant Bodemann ist vor allem ein Problem wesentlich. Viel zu viele in Gesellschaft und Politik haben noch nicht begriffen, wie massiv die Angriffe sind und dass wir uns technisch, aber auch in rechtlichen Fragen an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Ein Beispiel dafür: Immer häufiger fliegen potentiell feindliche Drohnen über Deutschland und wir sind derzeit kaum in der Lage, das zu stoppen. Es fehlen Mittel zur Drohnenabwehr, es fehlt aber auch ganz trivial meist die Erlaubnis, sie abzuschießen.

Steht uns ein Krieg bevor?

Russland kämpft unter großen Verlusten in der Ukraine. Gleichzeitig gelingt es dem Land trotzdem, Bestände an Panzern, Kanonen und Munition aufzubauen. Russland will 1,5 Millionen Soldaten mobilisieren. Experten gehen davon aus, dass es bis 2029 in der Lage sein wird, NATO-Mitgliedsländer anzugreifen. “2029 ist übermorgen” meint Bodemann dazu.

Wird Putin dann wirklich seine Truppen marschieren lassen? Das wird ganz entscheidend davon abhängen, ob er glaubt, gewinnen zu können. Besonders gefährdet sind die baltischen NATO-Länder Estland, Lettland und Litauen, auch Polen und Moldawien, das nicht zur NATO zählt. Verteidigungsminister Pistorius hat schon 2024 gesagt: “Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein. Wir müssen Abschreckung leisten, um zu verhindern, dass es zum Äußersten kommt.” In Veitshöchheim wird für Litauen eine Einheit aufgebaut, die Russland von einem Angriff abhalten soll.

Dazu dient auch der Operationsplan Deutschland, für den Generalleutnant Bodemann die Verantwortung trägt. Gleich zu Beginn des Vortrags hat er betont, dass er hofft, dass dieser Plan niemals benutzt werden muss, dass diese jahrelange Arbeit von vielen Menschen bloß niemals aus der Schublade gezogen werden wird.

Was würde im Ernstfall passieren?

Aber was wäre, wenn es doch zu einem Angriff Russlands käme? Dann müsste die Bundeswehr wohl auch an der Ostflanke der NATO kämpfen. Zum Glück aber wäre unser Land selbst nicht unmittelbares Kampfgebiet. Doch es ist in ganz anderer Weise für Russland interessant: Durch die geopolitische Lage Deutschlands im Herzen Europas ist unser Land strategisch extrem wichtig. Denn über Deutschland würde im Ernstfall der gesamte Nachschub aus dem Westen rollen. Amerikaner, Franzosen, Briten und alle anderen verbündeten Truppen müssten dann mit schweren Waffen über Deutschland nach Polen und weiter gebracht werden. Und das alles, während gleichzeitig der größte Teil der Bundeswehr gar nicht mehr im Inland zur Verfügung stünde.

Panzerverladung am Hauptbahnhof in Sondershausen. © Tobias Nordhausen

Der Operationsplan Deutschland

In dieser Situation greift der Operationsplan Deutschland. Dieser Plan legt fest, wie die Bundeswehr dann vorgeht. Er ist vor allem auf militärische Bedrohungen ausgerichtet. Inzwischen ist aber klar, dass Russland Deutschland vermutlich nicht gleich militärisch angreifen würde, sondern vor allem über Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation. Ziele wären also Energieversorgung, Krankenhäuser, Bahnverkehr, Versorgungseinrichtungen, kurz alles, was den NATO-Aufmarsch stören und den Nachschub unterbrechen könnte.

Für den umfassenden Schutz dieser zivilen Infrastruktur gibt es keinen einheitlichen, öffentlich bekannten Gesamtplan, der mit dem Operationsplan Deutschland vergleichbar wäre. Das ist problematisch. André Bodemann sagte dazu sinngemäß, dass nur etwa ein Drittel möglicher Angriffe militärisch abgewehrt werden kann, während zwei Drittel den zivilen Bereich betreffen und damit außerhalb des klassischen Militärplans liegen. Hier müsse das Innenministerium noch seine Hausaufgaben machen.

Die gute Nachricht ist, anders als in der Politik, bewegt sich auf ziviler bürgerschaftlicher Ebene einiges. Viele wollen einen Beitrag leisten zum Beispiel durch Engagement im Heimatschutz, bei Hilfs- und Sanitätsdiensten oder im Katastrophenschutz, denn auch der wäre nicht gewährleistet, wenn die Bundeswehr nicht mehr helfen kann.

Wird Amerika unter Trump an unserer Seite stehen?

Das war vielleicht die eine Frage, die uns nach dem Vortrag alle am meisten beschäftigt hat. Generalleutnant Bodemann erzählt als Antwort eine Anekdote. “Werdet Ihr denn den Ausbau der Infrastruktur rechtzeitig hinzubekommen?” habe ihn ein ranghoher amerikanischer General gefragt. Bodemann darauf mit einer Gegenfrage: “Werdet Ihr denn dann überhaupt kommen?” Darauf habe ihm der General heftig versichert, dass uns die Amerikaner auf keinen Fall im Stich lassen werden.

Das eine sei die Politik, die alltägliche Zusammenarbeit mit dem Amerikanern habe sich aber seit Trumps Machtantritt nicht verändert, auch nicht im Hinblick auf die Unterstützung der Ukraine.

All das ist nichts, was man gerne hört oder was einem das Herz leicht macht. Im Gegenteil es macht Angst und vielleicht hat man den Impuls, lieber die Decke über den Kopf zu ziehen und den Kopf in den Sand zu stecken. Aber das ist natürlich nicht die Lösung. Noch haben wir alle Möglichkeiten, einen Krieg zu verhindern, wenn wir klug und entschlossen handeln. 
Einer der Seminarleiter verabschiedete Generalleutnant Bodemann mit den etwas pathetischen, in diesem Moment aber gefühlt sehr passenden Worten: "Bei Ihnen ist Deutschland in guten Händen."
Man glaubt Bodemann, wenn er sagt, dass er den Krieg in Afghanistan gesehen hat und alles tun will, um das hier zu verhindern.

Nach dem Vortrag hatten wir die Gelegenheit, noch ein Interview mit Generalleutnant Bodemann zu führen. Ihr findet es hier.

Cara Schmeller: Eine einmalige Erfahrung für mich

Am Anfang habe ich gezögert, zu dem Vortrag zu gehen, da ich weiß, dass mich solche Themen im Nachhinein noch beschäftigen. Doch nun bin ich so froh darüber, mich dazu entschlossen zu haben, denn es war eine einmalige Erfahrung. Ich meine, wann bekommt man schon die Chance, einen Generalleutnant zu interviewen?

Direkt die ersten paar Sätze, die André Bodemann zu Beginn seines Vortrags sagte, holten mich komplett ab. Er sagte, dass sein entwickelter Plan „Operation Deutschland“ außer in Übungen nicht zu Stande kommen soll und er Krieg verhindern will.

Was ich beeindruckend fand, war seine Vortragsweise. Er sprach so ruhig über die doch heiklen Themen und fand in jedem Satz absolut die passenden Worte. Natürlich hält er solche Vorträge öfters, aber auch die Fragen, die das Publikum ihm am Ende stellte, beantwortete er mit einer solchen Souveränität, Gelassenheit und Klarheit. Er hat uns die doch komplexen Themen so nahe gebracht und Fachbegriffe erklärt, sodass ich überhaupt keine Probleme hatte, ihm zu folgen.

Des Öfteren erwähnte er auch die Zeit, in der er in Afghanistan stationiert war. Er meinte „Wir haben Krieg erlebt(…)“ und sagte, dass diese Jahre die prägendsten seines Lebens waren. Er erzählte uns, wie er dort in kurzer Zeit Entscheidungen über Leben und Tod treffen musste, was ich einfach eindrucksvoll finde.

Auch im Interview war André Bodemann total sympathisch, allein schon, dass er sich an seinem “Feierabend” darauf eingelassen hat. Auch da erklärte und beantwortete er uns alles, was wir wissen wollten, und man fühlte sich von ihm in voller Gänze ernst genommen — nicht das typische „Ihr seid Kinder, ihr versteht das nicht“, was man sonst so oft von Erwachsenen hört.

Auch nach unserem Interview saßen wir noch mindestens eine Stunde mit ihm im Bierstübla im Kloster Banz und haben uns einfach mit ihm unterhalten über viel Verschiedenes. Ich weiß noch, dass ich noch den ganzen restlichen Abend darüber geredet habe, wie er und der Vortrag mich abgeholt und geflasht haben. Insgesamt kann ich sagen, dass ich einen riesigen Respekt vor André Bodemann habe und nicht nur seinen Vortrag mitreißend, spannend und informativ fand, sondern auch ihn selbst total inspirierend und eindrucksvoll. Ein einmaliges Erlebnis und Gespräch, was mir definitiv lange in Erinnerung bleiben wird, obwohl es mehr durch Zufall zu Stande kam.

Titelbild: Péter Kövesi https://www.pexels.com/de-de/foto/landschaft-natur-feld-horizont-15211414/

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One Comment

  1. Mammutfan sagt:
    6. Februar 2026 um 9:32 Uhr

    Hört sich alles nicht besonders gut an, aber sehr schön gemachter und informativer Artikel. Da habt ihr was gelernt in Banz!

    8
    0
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