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Bye Bye, Herr Hartmann!

30. Juli 2026 7 Mins Read
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von Jan Mahlke und Paula Ort

Herr Hartmann geht nach 26 Jahren am Gymnasium Veitshöchheim in Pension. Damit ist er länger an dieser Schule als wir auf der Welt. Was er so erlebt hat, was ihm besonders gut in Erinnerung geblieben ist und was er mit seiner neugewonnenen Freizeit anfängt, erfahrt ihr hier. Am Ende folgt noch eine persönliche Würdigung.

Nach 26 Jahren: Ab in den Ruhestand!

Herr Hartmann wie man ihn kennt.

Es gibt Menschen an unserer Schule, die gehören einfach zum Gymnasium Veitshöchheim und man kann sich nicht wirklich vorstellen, dass sie plötzlich nicht mehr da sind. Nach 26 Jahren an unserer Schule geht solch eine Person: Herr Hartmann – ein Lehrer, den wahrscheinlich alle als ruhig, freundlich, fair und vor allem sehr kompetent erlebt haben. Seit September 2000 gehörte er fest zum Schulalltag – als Lehrer für Sport und Englisch, als Mitglied der Schulleitung und als jemand, der auch dann gelassen blieb, wenn um ihn herum vermutlich längst das Chaos ausgebrochen war.

Jetzt tauscht er Stundenplan, Klassenkonferenzen und Oberstufenorganisation gegen Reisen, Familie und hoffentlich viele entspannte Tage ein. Und wenn Herr Hartmann für die Schüler meist jemand war, der nicht so im Vordergrund stand, gibt es genug, auf das man zurückblicken kann, wie ein Interview mit ihm gezeigt hat.

Ein ganz besonderes Abitur

Auf die Frage nach dem wichtigsten Moment seiner beruflichen Laufbahn musste er nicht lange überlegen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm, dass er seinen beiden Töchtern in den Jahren 2011 und 2012 persönlich die Abiturzeugnisse überreichen durfte. Das war sicher nicht nur für seine Töchter, sondern auch für ihn selbst ein ganz besonderer Moment. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass man gleichzeitig als Lehrer, Mitglied der Schulleitung und stolzer Vater auf der Bühne steht.

Ein weiteres Erlebnis, das ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist, war das erste Abitur, das er an unserer Schule selbst organisierte. Damals war er für die Oberstufe zuständig, die früher noch Kollegstufe genannt wurde. Dass er dieses Abitur, wie er selbst sagt, „überlebt“ und erfolgreich zu Ende gebracht hat, zählt für ihn zu den wichtigsten Erfahrungen seiner Laufbahn. Aber bestimmt hat sich damals schon gezeigt, was viele mit ihm heute noch verbinden: Gelassenheit, Strukturiertheit und klare Ansagen.

Dirk Nowitzki und Maxi Kleber im Unterricht

Herr Hartmann pfeift für zwei prominente Fußballer, die Stoppuhr darf auch nicht fehlen, sodass sie auch nicht zu lange spielen

Eine eher ungewöhnliche Geschichte aus seiner Karriere hat mit zwei bekannten Basketballspielern zu tun. Noch vor seiner Zeit an unserer Schule unterrichtete er Dirk Nowitzki am Röntgen-Gymnasium. Später war auch Maxi Kleber, der ebenfalls den Sprung in die NBA geschafft hat, sein Schüler an unserer Schule. Da Dirk Nowitzki ein großes Vorbild für Maxi Kleber war, motivierte er ihn damals immer wieder und sagte ihm sinngemäß: Wenn du dich anstrengst, kannst du das auch schaffen.

Ganz so einfach war der Weg in die NBA zwar nicht, aber vielleicht ist man trotzdem irgendwie mit stolz, wenn ein ehemaliger Schüler einen solchen Traum tatsächlich verwirklicht. Und stolz kann er von sich behaupten:  „Zwei deutsche NBA-Spieler? Ja, hatte ich beide im Unterricht.“

Ruhig bleiben, auch wenn es kompliziert wird

Von vielen Schülerinnen und Schülern wurde er als sehr ruhig und fair wahrgenommen. Auch im Kollegium war ihm ein guter Umgang miteinander besonders wichtig. Im Interview wollte er keine einzelne Person als besten Freund hervorheben. Stattdessen erklärte er, dass er immer versucht habe, mit möglichst allen Kolleginnen und Kollegen gut zu kommunizieren.

Das passt sehr gut zu dem Eindruck, den auch viele Schüler von ihm haben. Er war niemand, der besonders laut werden musste, um ernst genommen zu werden. Meistens reichte eine ruhige Erklärung – und manchmal auch nur ein bestimmter Blick – über die Lesebrille hinweg…

Gerade in einer Schule ist diese Gelassenheit eine besondere Fähigkeit. Schließlich gibt es täglich genug Situationen, in denen Schülerinnen, Schüler oder Lehrkräfte kurz davor sind, wegen vergessener Hausaufgaben, Raumänderungen, Vertretungsplänen oder nicht mehr funktionierender Technik die Nerven zu verlieren. Er dagegen vermittelte meistens den Eindruck: Das Problem lässt sich lösen.

Eine fast never ending Story: fast 200 Klassenkonferenzen

Sicherlich könnte man manche Rekordzahlen nach 26 Jahren anführen, aber eine scheint ihn selbst beeindruckt zu haben: Während seiner Zeit an der Schule leitete er fast 200 Klassenkonferenzen. Diese Zahl muss man erst einmal kurz auf sich wirken lassen. Fast 200 Klassenkonferenzen bedeuten sehr viele Noten, sehr viele Gespräche, sehr viel Verantwortung, da es auch um Laufbahnen und Lebenswege geht, und wahrscheinlich auch sehr viele Sätze wie: „Können wir bitte wieder zum Thema zurückkommen?“

Unterrichten hat ihm immer Spaß gemacht

Trotz seiner vielen organisatorischen Aufgaben stand für ihn der Unterricht immer im Mittelpunkt. Er erklärte im Interview, dass er gerne Wissen und Fähigkeiten weitergegeben habe. In den vergangenen Jahren unterrichtete er vor allem Sport, aber auch Englisch.

Besonders gerne arbeitete er mit jüngeren Schülerinnen und Schülern und mit Klassen aus der Mittelstufe. Ob ihm die Schule im Ruhestand fehlen wird, kann er selbst noch nicht genau sagen. Er möchte erst einmal abwarten, wie groß die „Entzugserscheinungen“ tatsächlich werden.

Nach 26 Jahren dürfte die erste Woche ohne Konferenzen und Unterricht jedenfalls ungewohnt sein. Kein Stundenplan, kein Gong, keine Lehrer im Büro, die irgendetwas auf den letzten Drücker wollen, keine Schüler, die ganz wichtige Gründe haben, warum sie kurzfristig noch die Klasse oder Lerngruppe wechseln müssen.

Vielleicht schaut er morgens trotzdem kurz auf die Uhr und fragt sich, in welchem Raum er eigentlich sein müsste und wo seine Notizen für die erste Konferenz liegen. Die Antwort lautet dann zum ersten Mal: in gar keinem.

Erst einmal vier Wochen Korsika

Für Langeweile dürfte im Ruhestand allerdings keine Zeit bleiben. Zunächst ist eine vierwöchige Reise nach Korsika geplant. Nach vielen Jahren Schule klingt das nach einem ziemlich guten Tausch: Meer statt Mehrarbeit, Strand statt Schreibtisch und Korsika statt Konferenzzimmer.

Außerdem warten vier Enkelkinder auf ihn. Auch für seine pflegebedürftigen Eltern möchte er künftig mehr Zeit haben. Er selbst spricht dabei von verschiedenen „Baustellen“, um die er sich nun intensiver kümmern kann.

Der Ruhestand bedeutet für ihn also nicht, dass er plötzlich nichts mehr zu tun hat. Seine Aufgaben verändern sich nur. Wahrscheinlich werden sie nicht immer weniger anstrengend sein, aber sicher persönlicher und oft auch schöner.

Sportlich bleibt er weiterhin

Auch im Ruhestand möchte er sportlich aktiv bleiben. Früher spielte er viel Handball und probierte verschiedene andere Sportarten aus. Heute spielt er vor allem Volleyball.

Volleyball sei, so erklärt er, etwas weniger verletzungsanfällig. Ob alle Volleyballspielerinnen und Volleyballspieler dieser Einschätzung zustimmen würden, sei dahingestellt. Im Vergleich zum Handball ist es aber vermutlich tatsächlich etwas entspannter oder zumindest mit weniger Körperkontakt. Solange seine Gesundheit mitmacht, möchte er jedenfalls noch einige Jahre weiterspielen. Ganz ohne Sport wäre der Ruhestand für einen langjährigen Sportlehrer wahrscheinlich auch nur schwer vorstellbar.

Seine Botschaft an die Schülerschaft

Seine Botschaft direkt ans Mammut

Zum Abschluss des Interviews hatte er noch eine Nachricht an alle Schülerinnen und Schüler: Wir sollen Spaß haben, uns aber auch anstrengen, wenn es notwendig ist.

Leistung zu zeigen sei langfristig wichtig. Vor allem sollten die Lücken im Unterricht nicht zu groß werden, weil es sonst irgendwann schwierig werde, sie wieder zu schließen. Jemand, der rund 200 Klassenkonferenzen abgehalten hat, dürfte da genug Kompetenz und Erfahrung haben, dass diese Aussage glaubwürdig ist.

Seine Botschaft ist deshalb klar: Habt Spaß – aber wisst auch, wann es Zeit ist, sich anzustrengen.

Ein Lehrer, der unserer Schule fehlen wird

Mit seinem Ruhestand verliert die Schule nicht nur einen erfahrenen Lehrer und Mitarbeiter der Schulleitung. Es geht auch ein Mensch, der viele Jahre lang für Ruhe, Fairness und Verlässlichkeit stand.

Seine freundliche Art bedeutete nie, dass ihm alles egal war. Im Gegenteil: Er nahm seine Aufgaben ernst, behandelte andere respektvoll und traf Entscheidungen überlegt. Gerade dadurch wurde er von vielen Schülerinnen und Schülern und auch von den Lehrkräften geschätzt.

Noch weiß er selbst nicht, was er an der Schule am meisten vermissen wird. Wir wissen dagegen schon jetzt ziemlich genau, was wir an ihm vermissen werden: seine Gelassenheit, seine Erfahrung und die Sicherheit, dass er auch in stressigen Situationen den Überblick behielt.

Wir wünschen ihm für seinen Ruhestand alles Gute, viel Gesundheit, schöne Reisen, viel Zeit mit seiner Familie und noch viele erfolgreiche Volleyballspiele. Und sollte es bei einem Treffen mit vier Enkelkindern einmal etwas lauter oder chaotischer werden, dürfte ihn das vermutlich kaum aus der Ruhe bringen. Denn wer fast 200 Klassenkonferenzen überstanden hat, ist schließlich auf einiges vorbereitet.

Paula Ort

Dieses Bild war …
für alle am GymVHH …
viele Jahre lang selbstverständlich.
Jürgen Hartmann am Schreibtisch hinter der offenen Tür.

Die offene Tür

Jürgen Hartmann war der erste, den ich am GymVHH getroffen habe, als ich vor gut 10 Jahren das erste Mal hier als Lehrer angefangen habe. Der Tonfall war forschend, warm, humorvoll und wohlwollend. Keine Forderungen, schon gar kein Chefgehabe – einfach erstmal zuhören, was der Neue wohl mitbringt. Und so ist es all die Jahre geblieben.

Jürgen Hartmann war immer da: selbst in turbulenten Zeiten ausgeglichen, kompetent und vor allem zugewandt und freundlich. Den ganzen Betrieb am Laufen zu halten und dabei trotzdem jeden Einzelnen im Blick zu behalten – das war seine Aufgabe.

In einer Schule ist es nicht immer einfach, die Lasten für alle Lehrer gerecht zu verteilen, zu unterschiedlich sind die Herausforderungen und eine Stunde ist nicht immer eine Stunde. Gut, wenn dann da jemand ist, der alles bedenkt, der alle sieht, der fair ist. Jemanden, dem alle vertrauen können. Ihn und die offene Tür – wir werden sie vermissen.

Hansjörg Rüthel

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