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Das Mammut trifft den General – Klare Antworten auf schwierige Fragen

6. Februar 2026 8 Mins Read
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10 Comments

von Elisabeth K. und Cara S.

Wie wird sich ein Krieg auf uns Jugendliche auswirken, was passiert mit unserer Schule, warum sollte ich zur Bundeswehr gehen und was ist, wenn ich ständig mit der Angst vor einem Krieg zu kämpfen habe? Wir haben Generalleutnant André Bodemann für Euch gefragt! Ihr könnt Euch das Gespräch anhören oder lesen, wie ihr wollt!

Wir haben ihn eher zufällig kennengelernt. Er hat vor einer anderen Schülergruppe auf Kloster Banz einen Vortrag über die sicherheitspolitische Lage Deutschlands gehalten und weil wir da auch gerade unser Mammut-Seminar hatten, haben wir uns kurz entschlossen einfach dazu gesetzt. Das war super spannend, wenn ihr mehr darüber lesen wollt, klickt hier.

Das tollste aber war, dass er sich danach noch mit uns ins “Bierstübla” gesetzt hat – so heißt die klostereigene Kneipe in Banz – und wir ihn interviewen durften. Und selbst nach dem Interview waren wir noch lange zusammengesessen und haben intensiv miteinander gesprochen. Wir haben ihn auch in unsere Schule eingeladen und er schien nicht abgeneigt. Aber nun genug der langen Worte, hier kommt das Interview.

Generalleutnant André Bodemann im Interview

(Leider ist die Qualität die ersten 20 Sekunden nicht allzu gut, danach wird es besser.)

Seit diesem Jahr bekommt jeder Jugendliche einen Brief von der Bundeswehr. Wie würden Sie uns motivieren, warum lohnt es sich zur Bundeswehr zu gehen?

Ich will das gar nicht verengen auf den Dienst bei der Bundeswehr oder das Werben um den Dienst als Soldatin oder Soldat bei der Bundeswehr. Ich würde eher dafür werben, dass jeder einsieht, etwas für diese Gesellschaft tun zu müssen. Und das ist in vielerlei Hinsicht möglich. Zum Beispiel im Bereich der ehrenamtlichen Hilfsorganisationen, also im Deutschen Roten Kreuz, bei den Maltesern, beim Technischen Hilfswerk, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder auch im karitativen Bereich, in der Krankenpflege, im Umweltschutz und eben auch bei der Bundeswehr.

Dieser Beruf hat eine Konsequenz

Wenn man jetzt ganz konkret über die Bundeswehr redet, dann halte ich es für sehr, sehr wichtig, dass wir nicht so sagen: “Jo, das ist ein Beruf wie jeder andere. Da bist du erstmal Logistiker und dann auch noch Soldat.” Nein! Man muss ziemlich deutlich machen, was diesen Beruf ausmacht. Dieser Beruf hat eine Konsequenz, die viele anderen Berufe nicht haben. Diese Konsequenz ist, dass man im schlimmsten Fall seine eigene Gesundheit, physisch oder psychisch, aufs Spiel setzt, sogar einsetzen muss, vielleicht sogar stirbt. Aber noch viel schlimmer: Man muss in der Lage sein, Waffengewalt anzuwenden, um andere Menschen zu töten. Das kann nicht jeder und deswegen habe ich auch größtes Verständnis für die Menschen, die sagen, “Ich gehe nicht zur Bundeswehr”. Wir müssen deutlich machen, dass, wenn wir vom Soldatenberuf sprechen, ja sogar für ihn werben, dass das nicht nur schick ist, sondern dass es eine Konsequenz hat am Ende. Die Wahrhaftigkeit dieses gewaltigen Berufs gehört dazu.

Viele Erlebnisse und andere Vorzüge

Der Beruf bringt natürlich vieles Andere mit. Ich habe viele Dinge erlebt und gemacht, die ich sonst nicht erlebt oder gemacht hätte – vom Fallschirmspringen bis zu meiner Zeit in Afghanistan. Wir haben freie Heilfürsorge, wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem, wir werden relativ gut besoldet, wir gehen relativ früh in Pension und wir haben eine gute Pension. Es gibt viele Pros, aber die letzte Konsequenz, da muss jeder mit sich selbst abmachen, ob er dazu bereit ist.

Generalleutnant André Bodemann spricht sehr konzentriert und reflektiert mit unseren Redakteuren.

Haben Sie das Gefühl, dass die Bundeswehr die Erwartungen von Jugendlichen erfüllt?

Nur in Teilen. Die Flexibilität bei der Ortswahl die Geschwindigkeit im Rahmen der Einstellung – diese Erwartung erfüllen wir nicht. Heute wartet keiner mehr Monate, bis er eingestellt wird oder einen Ausbildungsplatz in der Grundausbildung bekommt. Es wird auch erwartet, dass wir so flexibel sind, dass wir einen Ausbildungsplatz nicht im Bayerischen Wald anbieten, wenn einer aus Rostock kommt, sondern dass man dann natürlich in Norddeutschland einen Platz sucht.

Was aber außerdem erwartet wird und was ein großes Pro ist für viele, die zu uns kommen, das ist zum einen der Umgang mit Technik und zum anderen das Zusammensein mit Menschen, Kameradschaft zu erleben, Menschen zu führen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Erwartungen können wir erfüllen.

Und jetzt seid Ihr dran. Was denkt Ihr über das Thema Dienstpflicht?

Sind wir als iPad-Schule stärker gefährdet für Cyberangriffe?

Grundsätzlich ist jedes technische System jetzt stärker bedroht als zuvor. Allerdings ist die Schule nicht das Zielobjekt von russischer Einflussnahme. Es geht eher um das, was dahintersteckt, nämlich, dass sie mit diesen Geräten ins Internet gehen und auf Social Media die Zielscheibe für Fake-News und Desinformation werden. Diese Betroffenheit ist im Bereich Schule viel größer als die Technik selbst. Die Technik selbst ist eher bei Infrastruktur wie Energieversorgung, Chemiewerken oder Flughäfen, Häfen etc. gefährdet.

Man merkt ihm an, dass es ihm wichtig ist, die Fragen der Schüler klar und präzise zu beantworten.

Was müssen Schulen tun, um vor diesen Gefahren zu schützen? Dass man evtl. konkret darüber informiert?

Bildung ist Aufgabe der Länder und da könnte ich jetzt zunächst einmal einfach sagen, das ist nicht meine Aufgabe. Ich hatte aber ein interessantes Gespräch mit einem Vertreter der Bundesschülerkonferenz, der gesagt hat: “Redet nicht über uns, redet mit uns. Wir wollen über diese Themen, die heute in dem Vortrag besprochen wurden, viel mehr in unseren Schulen hören.” Aber das findet in den meisten Schulen überhaupt nicht in den Lehrplänen statt.

Das heißt nicht, dass jetzt alle begeistert zur Bundeswehr gehen und dann so wie im Ersten Weltkrieg an die Front stürmen. Das heißt das überhaupt nicht. Aber Jugendliche wollen sich mit den Themen auseinandersetzen. Das habe ich in Hamburg in der Schule gehört, das habe ich bei diesem Schülervertreter gehört, der ja viele, viele Schüler vertritt und gespürt habe ich das auch aufgrund Ihrer Fragen heute Abend. Das ist es also, was man machen sollte. Das hängt aber eben ab von dem Land oder dem Direktor der Schule. Das muss dann von denen entschieden werden, aber ich denke, man sollte darauf hören, was die Schülerinnen und Schüler wollen.

Wir sind ja aus Veitshöchheim. Da gibt es eine große Kaserne. Ist die Bundeswehr denn vorbereitet, wenn jetzt immer mehr Soldatinnen und Soldaten geworben werden? Dass die mit Ausrüstung und Unterkunft versorgt werden?

Ja, das ist eine sehr gute Frage, denn es geht dabei nicht nur um die Menschen, sondern immer auch um die Infrastruktur. Entscheidend sind die Fragen: Haben wir genügend Unterkünfte, ausreichend Ausbilder und befinden sich Ausbildung und Unterbringung an den richtigen Standorten? Waffen für die Einzelausbildung und persönliche Ausrüstung sind dabei nicht das Problem. Herausfordernder ist eher das Großgerät für die spätere Ausbildung. Da machen wir im Moment eine ganze Menge, jetzt gerade ist die Woche des Aufwuchses. Der Minister hat dazu gesprochen. Alle sind jetzt darauf angespitzt, dass wir vielmehr für die Infrastruktur tun.

Erstmal kein Hotelstandard

Aber wir werden nicht in der Lage sein, Einzelzimmer im Hotelstandard mit Schwimmbad bereitzustellen. Das ist nicht realistisch. Stattdessen wird es für einen gewissen Zeitraum wieder Mehrbettunterkünfte geben, wie ich sie selbst aus meiner Anfangszeit kenne – etwa sechs Personen in einem Zimmer für drei Monate. Das ist nicht immer lustig: Der eine schnarcht, der andere isst nur Knoblauch. Aber für eine begrenzte Zeit ist das auch einmal interessant und gut das zu erleben. Ich habe auch festgestellt, dass viele anderen Dinge viel wichtiger sind. Freies WLAN zum Beispiel. Das was die Ministerin [Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin 2013-19] wollte, also einen Spiegel, Kühlschrank oder Stehlampe war nett, hat aber keiner gewollt. Viele Soldatinnen und Soldaten wünschen sich stattdessen vor allem stabiles W-Lan. Auch hier wieder: Wir müssen auf die Menschen hören.

Konkret: Wir müssen uns anstrengen, die Ausbildungsinfrastruktur zu bekommen Und es müssen gute Ausbilder sein. Es müssen solche sein, wie ich sie erlebt habe: solche, die begeistern und motivieren, sodass man sagt: “Das hat mich überzeugt, hier möchte ich dabeibleiben.”

Die Schulterklappe von André Bodemann. Es zeigt Eichenlaub und drei Sterne. Die goldene Farbe gibt an, dass er als Generalleutnant zur Gruppe der Generäle gehört. Nur ein Dienstgrad steht noch darüber: der General mit 4 Sternen.

Kann die Bundeswehr also damit werben, die Menschen auf das spätere Leben vorzubereiten und wertvolle Erfahrungen zu sammeln?

Also Erfahrungen zu sammeln auf jeden Fall. Beim Begriff „aufs Leben vorbereiten“ bin ich eher zurückhaltend. Als ich Kompaniechef in der Grundausbildung war, kamen Eltern zu mir und sagten: „Bringen Sie meinem Sohn mal Ordnung bei.“ Da habe ich immer gesagt: “Was Sie 18 Jahre lang nicht geschafft haben, werde ich jetzt auch nicht schaffen und ich bin jetzt auch nicht der, der für Sie jetzt die Erziehung vollendet.”

Aber ich glaube schon, dass wir, gerade weil wir politische Bildung intensiv betreiben, etwas vermitteln können. Auch im Bereich der Menschenführung, da haben wir das Prinzip der Inneren Führung. Ich war selbst Kommandeur im Zentrum Innere Führung, und da kann man besonders jungen Soldatinnen und Soldaten etwas mitgeben – etwas das sie heute vielleicht nicht mehr selbstverständlich aus Elternhaus, Schule, Vereinen oder Kirche mitbekommen, weil das heute etwas anders ist als früher.

Auch nach dem eigentlichen Interview sitzt er mit Major Glas und den Mammuts zusammen, um noch lange weiterzureden. Wir haben ihn nach Veitshöchheim eingeladen.

Was würden Sie Jugendlichen sagen, die in Angst vor einem Krieg leben, um ihnen Mut zu machen?

Ich habe Pädagogik studiert, da macht man auch viel Psychologie und von da aus kann ich sagen: Angst ist erst einmal etwas völlig Normales. Angst ist eine nachvollziehbare Reaktion, die den Menschen eigentlich schützen soll. Gleichzeitig ist Angst kein guter Ratgeber. Deshalb ist es wichtig, sich Sorgen und Gedanken machen, daraus aber die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nämlich aktiv etwas dafür zu tun, dass es nicht zu Krieg kommt und dass sich unsere Gesellschaft nicht in eine Richtung entwickelt, wie wir es derzeit in anderen Staaten sehen. Der Schlüssel dafür ist Bildung, insbesondere politische Bildung. Darauf habe ich heute auch bewusst immer wieder hingewiesen, weil ich das für absolut zentral halte.

Das zeigt sich auch am Beispiel Afghanistan. Dort haben wir am Ende nicht alle Ziele erreicht, die wir erreichen wollten, aber wir haben es geschafft, dass 20 Jahre lang junge Menschen – vor allem Mädchen – Zugang zu Bildung hatten. Das war meine große Hoffnung, dass man über mehrere Generationen hinweg, über Bildung und Jugend, einen nachhaltigen Wandel erreicht und die Menschen sagen: Wir wollen diesen Krieg nicht mehr. Viele waren bereits auf diesem Weg, und es ist sehr traurig, dass dieser Prozess gestoppt wurde. Der Zugang zu Bildung, zu Schulen und Universitäten, Berufe ergreifen zu können, hat den Menschen viel bedeutet, dafür waren sie sehr dankbar. Daher bin ich wirklich traurig, dass das geendet hat.

Wenn Ihr wissen wollt, welchen Eindruck das Gespräch auf uns gemacht habt, lest hier weiter. Am Ende des Artikels kommt Caras Statement.

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10 Comments

  1. Interessent sagt:
    6. Februar 2026 um 16:21 Uhr

    Hey Mammut Team, ich weiß das Thema ist sehr kritisch aber auch sehr notwendig darüber zu sprechen. Man findet es überall in den Medien und wird stark diskutiert und ich weiß nicht, ob ihr einen Artikel darüber verfassen könntet, aber das Thema über die Epstein-Files ist in aller Munde. Liebe Grüße

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    Antworten
    1. Skeptisch ... sagt:
      6. Februar 2026 um 19:08 Uhr

      Ich hoffe sehr, dass die Epstein-Files nichts mit dem Leben an unserer Schule zu tun haben … drum denke ich, dass die nicht auch noch ins Mammut müssen

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      Antworten
      1. Der große Stein sagt:
        6. Februar 2026 um 21:27 Uhr

        Da wäre ich mir nicht so sicher

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        Antworten
  2. Bundeswehrkritiker sagt:
    6. Februar 2026 um 19:44 Uhr

    Beeindruckender Mensch.
    Beeindruckendes Interview.

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    Antworten
  3. Deserteur no. 1 sagt:
    6. Februar 2026 um 20:57 Uhr

    Wenn der mir 4k Netto drückt stell ich mich mit Herz in den Schützengraben

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    Antworten
    1. Anonym sagt:
      6. Februar 2026 um 21:11 Uhr

      In Afghanistan gabs schon als steuerfreien Zuschlag um die 100 Euro am Tag. Zusätzlich zum Gehalt. Das biste locker bei 4k. Willkommen beim Bund!

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      Antworten
      1. wehrpflicht hater sagt:
        11. Februar 2026 um 7:29 Uhr

        Das Mammut verbreitet jetzt also schon Bundeswehrpropaganda??

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        Antworten
        1. Hansjörg Rüthel Hansjörg Rüthel sagt:
          11. Februar 2026 um 7:45 Uhr

          Das darfst du gerne meinen, wirkungsvoller wäre es aber, wenn du eine Begründung für deine Kritik äußern könntest oder konkret mitteilen würdest, wo du hier Fehlinformationen (=mein Verständnis des Begriffs “Propaganda”) siehst.

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          Antworten
  4. Holzner sagt:
    7. Februar 2026 um 18:51 Uhr

    Konfliktlösungsstrategien lernen… Graswurzelbemühungen… Wahrscheinlich kann die Kriegslogik nur so überwunden werden, wenn konfliktfähigere Menschen heranwachsen. Deshalb sehe ich die Streitschlichtungs-Ausbildung als politische Bildung an. Denn es gilt immer noch, was Leonard Frank in “Die Mutter” in Reaktion auf den 1. Weltkrieg schrieb: „Das Vaterland war in Gefahr? Nun und jetzt? Eine größere Gefahr für das Vaterland ist überhaupt nicht möglich. Jetzt ist das ganze Volk in Gefahr.“

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    Antworten
    1. Hansjörg Rüthel Hansjörg Rüthel sagt:
      7. Februar 2026 um 19:56 Uhr

      Guter Punkt. Eine Voraussetzung von alldem ist Freiheit. Die muss man verteidigen können.

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      Antworten

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