von Elias V. und Cara S.
Lange haben wir darauf gewartet, uns eingesetzt, Werbung verteilt und Fragen formuliert. Am Dienstag Abend um 19.00 Uhr war es soweit. Unsere Bekanntschaft aus Kloster Banz vom Januar war wirklich gekommen: Generalleutnant André Bodemann stand in unserer Aula. Die war fast vollständig besetzt, viele waren gekommen, Lehrer, Eltern und Schüler, um informiert zu werden über die sicherheitspolitische Lage in Deutschland.

Natürlich musste der hohe Gast ordentlich begrüßt werden und das geschah dann gleich dreimal. Zunächst durch Dr. Bernhard Brunner, dann durch unsere zwei Mammuts Cara Schmeller und Elisabeth Knorr, die André Bodemann als den “Stellvertreter des Befehlshabers des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr und Kommandeur Territoriale Aufgaben” begrüßte. Damit das jeder kapiert, schob sie noch nach, dass er ein “extrem hohes Tier bei der Bundeswehr” sei und hatte damit die ersten Lacher auf ihrer Seite.

Kein Krieg, aber auch kein Frieden
Der Vortrag begann und er war wie erwartet informativ, aber auch betroffen machend. Viele waren gefesselt von dem, was der Generalleutnant zu sagen hatte, aber es waren keine angenehmen Nachrichten.
Nachdem wir schon einen sehr ausführlichen Artikel auch mit Hintergrundinformationen zu dem Thema veröffentlicht haben, wollen wir uns hier etwas kürzer fassen.
André Bodemann machte schon gleich zu Beginn klar, dass er die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa für “herausfordernd wie nie” einschätzt. Selbst zur Zeit des Kalten Krieges habe man immer noch gedacht: “Das macht kein Mensch”. Das, also der große Krieg werde aber wahrscheinlicher in einer Welt, in der “viele verrückte Menschen auf der Welt viel Macht haben.”

Deutschland befindet sich in einer sogenannten hybriden Phase, dies bedeutet, dass wir uns nicht in einem militärischen Konflikt befinden, aber auch nicht mehr im Frieden leben.
Eines der zentralen Mittel ist die Desinformation, vor allem auf Social Media, um Menschen in Deutschland, insbesondere Jugendliche zu beeinflussen. Dass Social Media das Wohlverhalten junger Menschen beeinflusst, lässt sich daran sehen, dass insbesondere Parteien gewählt werden die auf Social Media aktiv sind.
Auch Cyberangriffe sind in Deutschland keine Seltenheit mehr, die Deutsche Telekom zählt pro Tag 950000 Cyberangriffe von denen 2-3 herausfordernd abzuwehren sind.
Immer wieder hört man Nachrichten von Drohnensichtungen bei Kasernen, Truppenübungsplätzen, aber auch bei kritischer Infrastruktur sind Drohnensichtungen keine Seltenheit mehr.
Aber es hört nicht bei Ausspähung auf, immer häufiger werden Anschläge versucht auf kritische- und verteidigungsrelevante Infrastruktur. Beispiele dafür sind Datenkabel, die in der Ostsee durch Schiffe beschädigt wurden, oder Sprengstofffunde in der Nähe von Pumpstationen der sogenannten Nato-Pipeline.
Allerdings lassen sich die Verantwortlichen bei diesen Vorfällen nur selten feststellen, so kann man bei Drohnensichtungen z.B. nicht sagen von wem die Drohne gesteuert wurde. Auch bei vermeintlich linksterroristischen Aktivitäten, wie beispielsweise bei denen der Vulkan-Gruppe, kann man nie sicher sein, ob nicht ausländische Dienste dahinterstehen, vielleicht sogar ohne Wissen der Kriminellen.
Russland baut eine strategische Option auf, um gegen die NATO Krieg führen zu können
Im Februar hatte Russland sein Ziel erreicht, 1,5 Mio Soldaten unter Waffen. Und das trotz der laufenden schweren Verluste in der Ukraine. An der Nato-Ostgrenze werden Militärstandorte errichtet und das Land hat auf Kriegswirtschaft umgestellt, so werden ca. 1000-1500 Panzer jedes Jahr produziert oder in Stand gesetzt. Die russische Kriegswirtschaft wird hauptsächlich durch den Export von Öl finanziert, welches durch den Iran-Krieg deutlich teurer geworden ist.
Wieso ist Deutschland so stark von hybriden Bedrohungen betroffen?
In Deutschland finden deutlich mehr hybride Angriffe als in den Ländern um uns herum statt, warum ist dem so? Dies hat mehrere Gründe, zum einen liegt Deutschland geografisch gesehen im Herzen Europas, dies bedeutet, dass im Falle eines russischen Angriffs, 800000 NATO-Soldaten durch Deutschland an die Nato-Ostflanke müssen, was die deutsche Verkehrsinfrastruktur verteidigungsrelevant macht. Außerdem ist Deutschland das wirtschaftsstärkste Land Europas und stellt mit fast 84 Millionen Einwohnern einen großen Teil der Bevölkerung Europas, was Deutschland eine starke Stimme innerhalb Europas gibt.

Die Podiumsdiskussion
Auf den Vortrag des Generalleutnants folgt eine von Jan Mahlke, Cara Schmeller und Elisabeth Knorr moderierte Podiumsdiskussion. Dazu musste der Generalleutnant erst einmal platziert werden. Als er dann so alleine den drei Mammuts gegenübersaß, rückte Jan-Philipp noch schnell das Mammut an seine Seite, dass er sich ein bisschen weniger einsam fühlen müsste.

Die Debatte wurde eingeleitet von Fragen auf der Bühne, aber bald schon verloren auch die Zuschauer die Scheu und nutzen die Gelegenheit, ihrerseits mehr oder weniger kritische Fragen zu stellen. Einige davon und die Antworten des Generalleutnants haben wir wörtlich für euch wiedergegeben.
Viele beklagen ja, dass man eher auf Diplomatie statt auf militärische Mittel setzen sollte. Was denken Sie?
Diplomatie ist grundsätzlich wichtig, man muss erst alle diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen, bevor man zu militärischen Mitteln greift. Die Frage ist ob Putin wirklich bereit ist zu verhandeln. Ich sage nein. Das letzte Angebot von dem ukrainischen Präsidenten zu einem Treffen lehnte Putin ab, da er keine Notwendigkeit zu einem Treffen sehe. Die Forderungen, die Putin stellt, sind relativ einseitig und fordern die Übergabe des Donbass, ein Ergeben der Ukraine und weitere Punkte. Das ist kein Verhandeln miteinander. Momentan sehe ich keine Verhandlungsbereitschafts Putins.
Wie stehen sie zum Thema verpflichtende Wehrdienst?
Fakt ist, wir haben ein Defizit an Menschen in den Streitkräften. Da es aber keine parlamentarische Mehrheit für eine Einführung der verpflichtenden Einberufung gab, hat der Verteidigungsminister den Ansatz eines freiwilligen Wehrdienstes gewählt. So erreichen wir außerdem nicht nur die jungen Männer, sondern auch die Frauen. Dabei bekommen alle einen Fragebogen, nur die Männer müssen ihnen zurückschicken. Die Rückmeldung ist noch nicht ganz klar, aber der Tendenz nach nicht schlecht. Wir müssen schauen, ob der freiwillige, neue Wehrdienst ausreicht, um die Zahlen zu erreichen, die wir benötigen, wenn nicht muss eine erneute politische Diskussion geführt werden, ob wir eine Wehrpflicht oder vielleicht sogar einen Bereitschaftsdienst benötigen, z.B. auch im Umweltschutz, in der Altenpflege, bei der Polizei oder eben auch bei der Bundeswehr.
Ich persönlich würde mir wünschen, dass jeder in Deutschland etwas für dieses Land macht, da wir auch von diesem Land profitieren.
Unsicherheit bei vielen Jugendlichen
Nach dieser Aussage brandete Beifall auf – wie der General selbst anmerkte – vor allem bei den älteren Besuchern. Als später Elisabeth direkt das Wort an ihre Mitschüler richteten, ob sie denn bereit wären, das Land zu verteidigen, meldeten sich zögerlich nicht wenige Schülern, bei der Gegenprobe waren es dann nur noch zwei, die das ablehnten. Die meisten allerdings waren wohl unentschlossen, was vielleicht insgesamt die Stimmung im Land spiegelt. Vielen Jugendlichen aus der Seele sprach eine Schülerin, die forderte, dass mehr mit und weniger über die Jugendlichen gesprochen werden solle. Hier wusste sie sich mit André Bodemann einig, der das ohne weitere Ergänzungen unterstützte.

„Wir haben eine Demokratie, für die es sich lohnt zu kämpfen“
In der Fragerunde hielt am Ende der Günterslebener Bürgermeister Michael Freudenberger ein Plädoyer dafür, dass es sich lohnt, sich für Deutschland zu engagieren, da Deutschland trotz aller Missstände immer noch ein wunderbares Land sei, dass uns immer noch sehr viel bietet. Die Frage sei nicht, was kann dieses Land für uns tun, sondern was können wir für dieses Land tun. Auch der General fand, das wir in Deutschland „ziemlich gut sind dieses Land immer schlecht zu reden“, es gebe Missstände in diesem Land, aber es gibt auch sehr viel, was ziemlich gut läuft.
Souveräne Mammuts auf dem Sofa – klare Antworten des Generals
Insgesamt muss man die souveräne Gesprächsführung durch Elisabeth Knorr, Cara Schmeller und Jan Mahlke loben, die sich vor ehrfurchtgebietender Kulisse nicht scheuten, auch kritisch nachzufragen. André Bodemann ging auf alle Fragen ein und war bereit klare Antworten zu geben. Dabei beschönigte er nichts und positionierte sich differenziert:
Erkennbar wollte er den Ernst der Lage zu vermitteln und aufrütteln, andererseits zeigte er sich immer wieder zuversichtlich, dass die Lage zu beherrschen ist, wenn wir nur entschlossen handelten. Bezeichnend daher seine Reaktion auf eine Publikumsumfrage. Als sich auf die Frage, wer denn Angst vor einem Krieg habe, fast alle meldeten, hob auch er seine Hand. Am Ende komme es aber darauf an, wie man mit der Angst umgehe, ob sie einen lähme oder zur Handlung antreibe.
Insgesamt war es eine offene Veranstaltung, bei der jeder zu Wort kommen konnte, der sich getraute etwas beizutragen. Dass das vielleicht gerade bei manchen Jugendlichen nicht immer der Fall war, steht dabei auf einem anderen Blatt.
Besonders schön war das Ende als André Bodemann mit Bocksbeuteln – man muss schon sagen – überladen wurde. Sowohl Bernhard Brunner als auch Cara Schmeller überreichten ihm jeweils ein kleines Kistchen des fränkischen Traditionsgeschenks.

Das Mammut im Zentrum der Aufmerksamkeit der Presse
Für uns Mammuts schmeichelhaft war die Anwesenheit sowohl einer Vertreterin der Mainpost als auch einer von Radio Gong bzw. Charivari. Auch Herr Gürz vom Gemeindeblog war da. Am Ende wurden wir dann noch interviewt. Die Beiträge der Kollegen findet ihr hier:
Radio Gong, 15.6.26 (Vorabberichterstattung)
Veitshöchheim News, 17.6.26
Mainpost, 18.6.26
Und wie fanden wir es?
Wir haben in den verschiedenen Jahrgängen nachgefragt. Lest hier exklusive Meinungen:
Ich fand den Vortrag richtig gut gestaltet, ich bin zwar nicht in jedem Detail mitgekommen, aber er hatte auf jeden Fall die richtige Dosis aus Ernsthaftigkeit, Information und Humor. Was ich bei der Podiumsdiskussion vor allem sympathisch fand, war, dass Herr Bodemann auch ehrlich gesagt hat, wenn er eine Frage nicht beantworten kann. Auf jeden Fall eine einmalige Gelegenheit!
Ein Schüler aus der 11b
Am Dienstag waren wir und unsere Freunde ebenfalls bei dem Vortrag von André Bodemann zum Thema Operationsplan Deutschland. Wir fanden es sehr interessant, da auch das Thema Wehrpflicht oft angesprochen wurde. Diese Thematik betrifft uns als die junge Generation sehr, weshalb wir es schön fanden, einen professionellen und rein informierenden Einblick bekommen zu haben. Man hat eine gute Grundlage bekommen, um selbstständig für sich eine fundierte Meinung zu bilden, da er beide Seiten von der Arbeit bei der Bundeswehr beleuchtet hat. Zudem kam er sehr authentisch rüber, da er alle Fragen ausgiebig beantwortet hat. Problematisch daran war jedoch, dass man irgendwann den Faden verloren hat und den Kontext nicht mehr wusste. Außerdem ging das gesamte Event ziemlich lang, weshalb eine Zwischenpause sinnvoll gewesen wäre. Dennoch fanden wir den Vortrag insgesamt abwechslungsreich und ansprechend gestaltet, weshalb wir froh waren, daran teilgenommen zu haben.
Maryna & Clara, 10c & 10b
Meine Eindrücke:
Generalleutnant Bodemann versteht es, komplizierte Sachverhalte sehr gut verständlich zu vermitteln. Ich bin froh, dort gewesen zu sein. Es war sehr spannend.
Gleichzeitig bin ich froh, schon so alt und im kalten Krieg groß geworden zu sein. Denn ich bin das Denken in “Bedrohungslagen” irgendwie gewohnt … ok, damals wurden wir nicht im gefühlten Minutentakt mit potentiell angstmachenden Infos geflutet, wie es die modernen Medien tun. Gleichzeitig hatten wir (un)bewusst immer im Hinterkopf: “Was, wenn die im Kreml jetzt den Knopf drücken?” Ja, und das mit den digitalen Angriffen auf kritische Infrastruktur gab’s damals nicht. Drohnen auch nicht.
Wenn mal wieder jemand sagt: “Man darf ja gar nichts mehr sagen”, dann habe ich mindestens ein Gegenbeispiel. Es durfte – so meine Wahrnehmung – alles gesagt werden, da alle Beiträge wertschätzend, konstruktiv und auf Erkenntnisgewinn ausgerichtet waren. SO darf (und sollte, denke ich) alles gesagt werden. Herzlichen Dank an das Mammut, das diesen Abend eingefädelt hat.
P.S.: Dass sich Herr Bodemann in seiner Rolle als Soldat sehr ernst, aber als Person auch mal ein bisschen selbst auf die Schippe nehmen kann, zeigt diese Szene: Nach dem Vortrag nahmen drei Mammuts und Herr Bodemann auf jeweils verschiedenen Sofas Platz. Er beklagte, sich ein wenig einsam zu fühlen. Spontan wurde ihm das große Mammut zur Seite gesetzt. Das hätte er als albern auch ablehnen können … hat er aber nicht. Respekt!Michael Kerber

Und was ist eure Meinung zu dem Abend? Schreibt es in die Kommentare!
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Fand das bisschen was über den Wehrdienst geredet wurde leider sehr einseitig zugunsten von Militär und Wehrdienst, die sicht von den Leuten die dann da tatsächlich hin müssten wenn es soweit kommt wurde kaum berücksichtigt und dann am ende noch vom Deutschhaus Schulleiter kritisiert. Bin da etwas enttäuscht, hätte mehr von uns erwartet auch mal ein paar unangenehmere/ diskutierende fragen zu stellen
Ich finde das unfair. Fast verzweifelt haben die Mammuts auf dem Sofa um Stimmen der Jüngeren gebeten. Aber es kam bis auf von ein paar mutigen vor allem Schweigen. Wenn du unangenehme Fragen vermisst hast, warum hast du sie nicht gestellt?
Berechtigte frage, simple antwort: Ich traue mich sowas nicht, hab da angst vor. Sonst hätte ich das selbstverständlich gemacht
Schade, aber ehrliche Antwort, finde ich gut.