Seit vielen Jahren fahren wir nach Taizé, dieses Mal aber war es anders. Wir sind in den Pfingstferien gefahren und waren weniger. Das hat es nicht weniger schön gemacht. Im Folgenden haben viele unterschiedliche Menschen unserer Schule, Schüler und Lehrer, ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen formuliert. Für alle die dabei waren, die nicht dabei waren und die vielleicht im nächsten Jahr dabei sein wollen.
Alle Beteiligten haben einmal am Tag einen kleinen Text verfasst, wie einen Tagebucheintrag. Um den Artikel übersichtlich zu halten, sind die einzelnen Texte jeweils eingeklappt. Klickt auf den Namen, um zu lesen, was die einzelnen geschrieben haben.
Dienstag 02.06.26
Heidi Axmann
Um 9:30 Uhr ging es los nach Taizé. Auf der Busfahrt habe ich mich vor allem mit der Fahrschul-App beschäftigt …
– und viel gegessen. Gegen 19 Uhr sind wir dann pünktlich zum Abendessen angekommen. Glücklicherweise haben wir, obwohl wir unsere Essenskarten noch nicht abgeholt hatten, noch Kartoffelbrei abgekommen. Es war richtig schön, wieder in der Kirche in Taizé zu sein und zu singen. An diesem Abend hat mich „Vieni Spirito creatore“ sehr berührt, „(Gottes) Geist der Zuversicht, Quelle des Trostes“. Nach dem Gottesdienst haben wir am Oyak noch weitergesungen. Mit einer Schulklasse aus Deutschland haben wir zur Gitarrenbegleitung ihrer Lehrerin Lieder wie „Let it be“ oder „Country Roads“ geschmettert. Später bin ich dann in meinem ultrawarmen Grönland – Schlafsack geklettert und habe sehr gut geschlafen.

Jule Fiedrich & Lily Lother
Liebes Tagebuch, heute ging es endlich nach Taizé…
Obwohl die Busfahrt viele Stunden dauerte, verging die Zeit durch Spiele, Gespräche und die gute Stimmung überraschend schnell. Besonders schön war es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, mit denen ich im Schulalltag sonst eher wenig rede. Schon während der Fahrt hatte ich das Gefühl, dass diese Woche etwas Besonderes werden könnte.
Als wir schließlich in Taizé ankamen, fiel ein Teil des Alltagsstresses sofort von mir ab. Nach dem Abendessen besuchten wir den ersten Gottesdienst. Die vertrauten Gesänge, die vielen Menschen und die ruhige Atmosphäre sorgten dafür, dass ich mich sofort wieder angekommen fühlte. Es war, als würde die Zeit dort etwas langsamer vergehen. Obwohl die Woche gerade erst begonnen hatte, freute ich mich schon auf alles, was noch vor uns lag.
Alina Manlig
Da sitze ich also, im Bus, auf dem Weg nach Taizé. Es wird gefragt, wer zum ersten Mal dabei ist. Ich bin eine der ganz wenigen, und das als Reli-Lehrerin… hmmm …
Also: Zeit wird‘s, Taizé mal mit eigenen Augen zu erleben! Was ich wohl in den nächsten Tagen erleben werde? Sorgenfreie Momente? Hoffnungsvolle Menschen? Gelingende Gemeinschaft? Man hört ja so einiges…
Ich bin gespannt. Und freue mich auf eine besondere Zeit! Ich nehme mir vor, in Taizé wirklich mal im Moment zu leben. Präsent zu sein. Stille zuzulassen. Nachzudenken. Und mich von den Menschen hier anstecken zu lassen.
Meine Englisch-Schulaufgaben habe ich deswegen auch daheim gelassen (sorry, liebe 8c und 8d!)…
21:30 Uhr
Das erste Abend-Gebet ist vorbei. In die Taizé-Lieder kommt man schnell rein, das hat sich heute schon richtig schön angefühlt. Aber die 8-minütige Stelle?! Ich weiß nicht, was ich davon halten soll… Mal sehen, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt.
Marie Ratte
Wir sind wieder da! Dies ist nun mein 3.Jahr hier in Taizé …
Es ist jedes Mal irgendwie anders hier, obwohl der Ort an sich fast wie eine Zeitkapsel ist, da er sich von außen betrachtet kaum ändert. Ich glaube, das ist auch eines der Geheimnisse von Taizé, denn dieser konstante Zustand löst bei mir immer ein Gefühl von Sicherheit aus. Nach der ersten Mahlzeit nach der Ankunft, dem Abendessen, ging es dann zum Abendgebet. All diese Menschen, die dort zusammen singen und schweigen in der Stille, rufen bei mir immer dieses „Taizé-Feeling“ hervor. Da dieses Jahr auch weniger Menschen hier sind, war die Stille viel leiser als sonst, besonders die „Zwischenhuster“ haben abgenommen 😉 Ich freu mich jetzt sehr auf die nächsten Tage und bin gespannt, was noch alles so passiert.
Kristin Paulics & Hansjörg Rüthel
Gedanken am Ende des ersten Tages als Videoblog







Mittwoch 03.06.26
Heidi Axmann
Ich habe mich schon die ganze Zeit auf das Frühstück in Taizé gefreut …
Nach der Kirche am Morgen war ich dann auch wach und konnte das fluffige Brötchen mit Schokolade genießen. Um 10 Uhr startete dann immer die Bibeleinführung. Heute ging es um die Hochzeit zu Kana. Jesus hat also auch gerne gefeiert. Danach war immer ein Kleingruppentreffen. Dort haben wir vor allem Spiele gespielt. Nach einem sehr stressigen Klatschspiel haben wir unsere Beine beim Bench-Twister verrenkt. Nach dem Mittagessen bin ich immer zum Chor gegangen. Das war jedes Mal sehr lustig, weil wir sehr abwechslungsreiche Einsingübungen hatten. Um 15 Uhr gab es dann wieder eine Bibeleinführung und wir waren mit unserer Kleingruppe an einem Bauernhof Eisessen. Das Abendessen war richtig lecker. Es gab Reis mit Chili. Nach dem Abendessen waren wir wieder am Oyak. Mit Gitarren und einem sehr wilden Cajonspieler haben wir gesungen und getanzt. Das Cajonspiel war auf jeden Fall sehr beeindruckend. Dann gab es wieder nur die drei B: Bett, Bad oder Beten. Wir haben uns für die ersten beiden entschieden.


Jule Fiedrich & Lily Lother
Liebes Tagebuch, nach dem Morgengebet und dem Frühstück begann unser erster richtiger Tag in Taizé …
In der Bibelgruppe und den anschließenden Kleingruppen tauschten wir unsere Gedanken aus. Dabei fiel mir auf, wie offen viele Menschen über ihre Ansichten und Erfahrungen sprachen. Es entstand schnell eine Atmosphäre, in der man sich traute, seine Meinung zu sagen, ohne Angst haben zu müssen, bewertet zu werden.
Im Laufe des Tages spielten wir Volleyball, Taizé-Twister und verbrachten viel Zeit miteinander. Nach dem Mittagessen blieb etwas Freizeit, bevor unsere Arbeitseinheit begann. Unsere Gruppe half dabei, die Kirche vorzubereiten. Die Aufgaben waren zwar einfach, aber gerade das gemeinsame Arbeiten zeigte, dass jeder seinen kleinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten konnte.
Am Abend trafen sich viele Menschen im Hof. Es wurde gesungen, musiziert und getanzt. Obwohl viele aus unterschiedlichen Ländern kamen und verschiedene Sprachen sprachen, fühlte sich niemand fremd an. In diesen Momenten hatte ich das Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Man musste niemandem etwas beweisen und konnte einfach man selbst sein. Genau dieses Gefühl machte den Tag für mich besonders.
Jan-Philipp Schramm & Noah Rauch
Die Stille ist sehr laut hier. Um herauszufinden, woher die Stille kommt, …
haben wir am Mittwoch die verschlafene Region rund um Taizé erkundet. Die malerisch entspannte und ruhige Landschaft erstreckte sich endlos bis zum Horizont.

Nun könnte man denken, dass dies rasch für Öde und Lethargie sorgt, doch dem ist nicht so. Denn überall gibt es kleine Goldgruben, auf die man stoßen kann: elegante und romantische Blumen, die die kargsten Orte beleben; verwinkelte Straßen mit faszinierenden Läden.




… und „interessante“ Fauna.
Zudem wimmelt es hier geradezu von Kühen. Kaum schweift der Blick über ein Feld, entdeckt man bereits die nächste Herde. Wollte man sie alle zählen, dürfte einen der Schlaf weit früher ereilen als das Ende der Aufgabe.

Um einen solchen Tag voller neuer Eindrücke gut verarbeiten zu können, legt man sich am besten an die Quelle Saint-Étienne und schaut den Schwänen und Enten bei ihrem Treiben zu.

Alina Manlig
9:43 Uhr Brötchen mit 2 Stücken Schokolade als Frühstück? Find ich gut – ich glaub, das merk ich mir für daheim! …

17:46 Mein erster Gemeinschaftsdienst ist erledigt. Wir haben Kerzen für die nächsten Gottesdienste vorbereitet und Liederhefte sortiert. Ich war auch ganz vorne im Altarraum, oben bei den Kerzen! Es fühlt sich gut an, hier mitzuwirken und sich “nützlich” zu machen.






Jetzt sitze ich irgendwo außen vor der Kirche und höre Jugendlichen zu, die gemeinsam jammen – wie schön! Ich glaube, ich bleibe hier noch eine Weile!
Marie Ratte
Heute hatte ich das Gefühl wieder richtig in Taizé angekommen zu sein! …
Der Morgengottesdienst war sehr schön (abgesehen davon, dass er halt relativ früh war, mein Schlafrhythmus ist noch durch die erste Ferienwoche sehr durcheinander…) und auch das Mittagsgebet war auf eine eigene Art sehr erholsam. Mir gefällt in den Gottesdiensten das gemeinsame Singen immer am Besten, weshalb ich Mittag-und Abendgebet meist bevorzuge, da am Morgen meine Stimme leider keine Lust hat mitzumachen. Umso besser fand ich dann beim Mittagsgebet die Lied-Auswahl, mein einziger Kritikpunkt: „Bless the Lord“ würde ich tatsächlich lieber auf Englisch, statt auf Chinesisch singen. Am Nachmittag ging es dann auf ein Eis zu einem Bauernhof in der Nähe und danach habe ich ein wenig gelesen sowie Ruhe gesucht. Für dieses Jahr Taizé habe ich mir nämlich vorgenommen meinen Kopf mal wieder zu sortieren. In meinem Alltag habe ich meist gar keine Zeit dazu, oft auch, weil ich sie mir dafür einfach nicht nehme. Aus diesem Grund ist mein Ziel für die nächsten Tage meine Gedanken zu sortieren und mir aktiv Auszeiten für Ruhepausen zu nehmen.
Kristin Paulics & Hansjörg Rüthel
Die Nacht war sehr kurz, Kaffee hilft. Gedanken am Morgen …





Das Konzert der Nachtigallen
Es sang vor langen Jahren
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall,
Da wir zusammen waren.
Donnerstag 04.06.26
Heidi Axmann
Der Tag begann mit starkem Regen und es war kalt …
Weil ich für dieses Wetter nicht so optimal ausgestattet war, habe ich einfach alle meine Klamotten übereinander angezogen.

In der Bibeleinführung haben wir uns die Veränderung von dem Pharisäer Nikodemus angeschaut. Er hat Jesus nachts besucht und ihm Fragen gestellt. Dann hat er im Hohen Rat, als Jesus verurteilt werden sollte, sich für Jesus eingesetzt, auch wenn er nur auf das Gesetz verwies, dass man keinen Menschen ohne Nachweis seiner Schuld verurteilen darf. Nach dem Tod von Jesus am Kreuz kümmerte er sich um den Leichnam und legte mit einem anderen Jünger Jesus in ein Grab. – Von einem sehr selbstsicheren Gelehrten, der auf seinen guten Ruf bedacht war, entwickelte Nikodemus sich zu einem Nachfolger Jesu. Wir wissen nicht, wie seine Geschichte weiterging, aber wir können vermuten, dass er als Jünger Jesu weiterlebte.
Weil es immer noch regnete, haben wir in der Kleingruppe Werwolf gespielt, wobei der Flötenspieler am Ende alle beschwor und gewann. Nach dem Mittagessen halfen wir dann mit, die Kirche für den Abendgottesdienst vorzubereiten. Das war richtig interessant. Wir haben die Stühle für die Brüder millimetergenau aufgestellt und die Kabel ihrer Mikros in perfekte Spiralen gelegt. Dann haben wir Zettel und Bücher sortiert. Anschließend habe ich noch mit einem Pfadfinder und einer anderen Frau das „Kinderzimmer“ geputzt und aufgeräumt. Zum Schluss gab es zur Belohnung Kekse und Schokolade. Sara und ich haben auf einem Spaziergang durchs Dorf Kühe und Pferde besucht. In Taizé gibt es sehr viele Tiere, die alle sehr süß sind.


Michael Kerber
Vor dem Abendgebet: Es ist Donnerstag Abend. Gerade war Abendessen …
Viele Schülerinnen und Schüler unserer Gruppe waren zusammen mit uns Lehrkräften in einer Ecke der Essenshalle gesessen und vertilgten grüne Pesto-nudeln. Es ging um verschiedene Dinge: wie geht’s uns momentan, wie haben wir den verregneten Tag verbracht, warum wird unsere Gruppe entlang bestimmter Altersgrenzen programm- und dienstmäßig getrennt …
Alles wichtig und richtig. Und zugleich geht mir diese Überlegung mit großen Schritten durch den Kopf: hier sitzen gerade nicht Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zusammen, sondern Menschen, die zusammen eine gute Zeit haben.
Und das ist einer der Gründe, warum ich diese Fahrt immer wieder anbiete und dann organisiere: hier bekommen wir die Gelegenheit, uns einander fernab unserer Alltagsrollen zu begegnen. Da können sich Gespräche entwickeln, in denen die jungen Menschen zu Lehrenden werden; Gespräche, in denen man sich jeweils besser kennenlernt; Gespräche, die so offen und ehrlich sind, dass sie im Alltag Verweis oder dienstrechtliche Abmahnung nach sich ziehen würden. Ist hier alles egal – und alles ist gut. Und schön! So schön und erfüllend und ergreifend wie die Lieder, die wir gleich wieder singen werden.
Marie Ratte
Der heutige Tag war gezwungenermaßen ein wirklicher „Chillday“ …
Das lag vor allem an dem Wetter, denn es hat fast nur geregnet. Somit lässt sich der Tag eigentlich relativ kurz zusammenfassen. Ich habe die Gottesdienste besucht, gelesen und mit meinen Freunden Zeit verbracht. Generell ist mir noch aufgefallen, dass es für mich in den Schweigeminuten immer einfacher wird wirklich ruhig zu werden. Währenddessen am Dienstagabend tausend verschiedene Gedanke durch meinen Kopf geflogen sind, konnte ich heute Abend die Stille voll genießen.
Alina Manlig
12:25 Ich komme gerade zurück von unserer morgendlichen Gesprächsrunde mit anderen Erwachsenen hier in Taizé.
Ich komme gerade zurück von unserer morgendlichen Gesprächsrunde mit anderen Erwachsenen hier in Taizé. Es tut so gut, sich mit Menschen aus anderen Ländern und mit deutlich mehr Lebenserfahrung über Gott und die Welt auszutauschen. Alleine für diese Gruppe hat sich die Fahrt nach Taizé schon für mich gelohnt! Wo sonst kommt so ein ehrliches, aufrichtiges Gespräch über die Fragen, die uns wirklich beschäftigen, zustande?
Jule Fiedrich & Lily Lother
Liebes Tagebuch, heute war das Wetter deutlich regnerischer …
Die sonst so sonnige und lebendige Stimmung wirkte etwas ruhiger und nachdenklicher. Trotzdem hatte dieser Tag seinen ganz eigenen Charme. Da wir viel Zeit in den Baracken verbrachten, entstanden zahlreiche Gespräche und lustige Momente beim gemeinsamen Spielen. Oft sind es gerade diese kleinen Augenblicke, die einem später besonders in Erinnerung bleiben. Während draußen der Regen fiel, saßen wir zusammen und lachten über die einfachsten Dinge. Auch bei der Arbeitseinheit und den Gebetszeiten spürte ich, wie sehr man sich inzwischen an den besonderen Rhythmus von Taizé gewöhnt hatte. Der Alltag zuhause fühlte sich plötzlich weit entfernt an. Am Abend standen viele Menschen unter den Dächern und suchten Schutz vor dem Regen. Trotzdem wurde geredet, gelacht und gemeinsam Zeit verbracht. Der Tag war ruhiger als der Mittwoch, aber auf eine angenehme Weise. Er gab Raum zum Nachdenken und Innehalten.
Kristin Paulics & Hansjörg Rüthel
Drei Fragen und noch eine …






Freitag 05.06.26
Heidi Axmann
Am Freitagmorgen habe ich mich sehr auf eine warme Dusche gefreut und wurde dann bitter enttäuscht …
Das Wasser war eiskalt und ich bin fast erfroren. Völlig unterkühlt habe ich dann den ganzen Tag gefroren. Am Nachmittag wurde es glücklicherweise aber echt warm und man konnte sogar mit T-Shirt draußen herumlaufen. Wir haben einen Markt besucht und die Sonne genossen. Die Gottesdienste und Chor zwischendurch haben eine entspannte Routine geschaffen.


Alina Manlig
19:05 Wir sind gerade zurück vom Wochenmarkt in Ameugny gekommen.
So besonders der Alltag in Taizé auch ist, hat es doch gut getan, diesem getakteten Alltag mal für ein paar Stunden zu entfliehen und das Leben außerhalb davon zu erkunden.

Jule Fiedrich & Lily Lother
Liebes Tagebuch, heute schien endlich wieder die Sonne.
Gemeinsam mit unserer Gruppe machten wir einen Ausflug in ein Dorf in der Nähe. Dort besichtigten wir ein Schloss und erkundeten ein Labyrinth. Wir verbrachten viel Zeit zusammen, spielten Spiele und genossen einfach die gemeinsame Unternehmung.
Besonders aufgefallen ist mir heute, wie sehr die Gruppe in den letzten Tagen zusammengewachsen war. Mit manchen Menschen hatte ich vor der Fahrt kaum Kontakt. Jetzt fühlte es sich an, als würden wir uns schon viel länger kennen. Die Gespräche waren offen, ehrlich und oft überraschend tiefgründig. Es entstand eine Vertrautheit, die man normalerweise erst nach viel längerer Zeit entwickelt.
Am Abend waren viele von uns erschöpft von dem langen Tag. Trotzdem war die Stimmung sehr angenehm. Beim Gebet bestand die Möglichkeit, zum Kreuz zu gehen. Dieser Moment wirkte auf mich besonders intensiv. Die Stille, die Gesänge und die vielen Menschen, die mit ihren eigenen Gedanken dort saßen, schufen eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist. Man fühlte sich gleichzeitig klein und doch irgendwie verbunden mit allen anderen.
Marie Ratte
Ein weiterer Tag ist vergangen und ich bin sehr froh, dass ich wieder mit nach Taizé gekommen bin!
Ich habe nochmals richtig gemerkt, dass dieser Ort ein Platz der Gemeinschaft ist. Im Nebendorf war heute ein Markt, weshalb wir ein kleines Picknick mit regionalem „Fromage“ und Baguette gemacht haben. Auch das gemeinsame Singen beim Abendgebet war sehr wohltuend. Ich habe tatsächlich auch mit einem Bruder der Communauté gesprochen. Wir haben über die katholische Kirche geredet. Es ist auf jeden Fall sehr spannend, wie das Prinzip dieser Kirche aufgebaut ist. Denn von außen betrachtet, haben wir immer noch ein stark konservativ geprägtes Bild dieser Institution. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Mitglieder der katholischen Kirche meist viel weltoffener sind. Das merkt man auch vor allem in Taizé. Dort sind Menschen, die tolerant sind, die sich auch Veränderungen wünschen und sagen, dass Gott für jeden da ist, unabhängig vom Geschlecht, von der Hautfarbe, von der sexuellen Orientierung und weiteren Dingen. Es ist vielleicht oft schwer eine Institution zu unterstützen, die nicht immer die gleichen Werte vertritt, wie man selbst, aber am Ende kann man sich für seine Themen stark machen. Nur die Menschen, die für eine Veränderung kämpfen, können auch eine erzeugen. Wenn von unten genug Druck kommt, müssen die Leute „oben“ etwas ändern, denn nur durch eine zeitgenössische Anpassung kann sich die katholische Kirche noch weiter halten. Ich hatte auf jeden Fall ein interessante Unterhaltung und freue mich nun auf den morgigen Tag!
Jan-Philipp Schramm & Noah Rauch
Anders als der verregnete Donnerstag war unser Freitag geprägt von guten Momenten und noch besserem Wetter…
So gutem Wetter sogar, dass ich mir einen Sonnenbrand geholt habe! – Nächstes Mal dann vielleicht doch keine Sonnencreme von 2016 verwenden … – Über dieses Missgeschick kann man jedoch getrost hinwegsehen.

Denn es war Markttag im beschaulichen Ameugny: Allerhand Händler boten hier ihre Köstlichkeiten an. Neben Käse, mehr Käse und wirklich zu vielen Milchprodukten gab es Bier, Bücher, Baguettes und Pommes! Letztere sollten so gut sein, dass wir bereitwillig eine gute halbe Stunde Anstehen in der prallen Hitze investierten, um mit gebrochenem Französisch die besten Pommes seit Langem zu bestellen.
So lange sie auf sich warten ließen, so schnell waren die frittierten Kartoffelstäbchen auch wieder verschlungen und verdaut.
Die vergangenen Tage waren nun entspannt genug gewesen, sodass am Oyak ordentlich Stimmung gemacht wurde, um den Tag gebührend ausklingen zu lassen.

Kristin Paulics & Hansjörg Rüthel
Besondere Orte und Singen bis in die Nacht








Samstag 06.06.26
Heidi Axmann
Samstag war schon der letzte Tag in Taizé und das Müdigkeitslevel entsprechend hoch …
In den Bibeleinführungen ging es um Frauen in der Bibel. Wir haben uns die drei Marias, die Jesus nachfolgten, angeschaut. Die Bibel erzählt zu etwa fünf Prozent von Frauen. Das ist für uns heute nicht gerade viel, aber für die damalige Zeit war das ziemlich revolutionär. – Wir waren länger im Park der Stille und haben dort gechillt. Dann mussten wir noch packen. Es ging alles voll gut in die Koffer und wir haben nichts vergessen. Das Abendessen war mein absolutes Highlight: Nudeln mit Tomatensoße. Erst waren wir sehr verzweifelt, weil wir nur so wenig Nudeln bekamen. Doch dann war am Ende noch so viel Essen übrig, dass man ohne Prügelei richtig satt wurde. In der Kirche wurde das Licht Jesu als Kerze weitergegeben und es war sehr schön in der Gemeinschaft zu singen. Um 23 Uhr packten wir dann alles in den Bus und es ging ab nach Hause. Die Busfahrt ging zügig voran.

Verschiedene Sitzpositionen in der Kirche:






Alina Manlig
23:05 Heim geht’s! Verrückt, wie schnell vier Tage doch vergehen können! Ich nehme mit …
- dass es sich auf jeden Fall lohnt, nach Taizé zu kommen… egal, ob mit einer Schulgruppe oder ganz privat
- ganz viele lustige Momente und inspirierende Gespräche mit den anderen Lehrkräften, (ehemaligen) Schülerinnen und Schülern und den Mitgliedern meiner morgendlichen Gesprächsrunde
- -dass ich mir immer noch schwer damit tue, 8 Minuten Stille zu ertragen, wenn ich dazu “gezwungen” werde und es nicht auf eigenen Wunsch mache (– aber was gerade noch nicht so gut klappt, kann ja noch werden!)
- -einige Ohrwürmer von Taizé-Liedern
- -das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, an dem ich immer wieder zurückkommen kann, wenn ich Ruhe, Beistand, Trost, Positivität, Hoffnung brauche… oder einfach nur den Glauben daran, dass das Christentum nichts Eingestaubtes ist, sondern junge wie alte Menschen begeistern kann.
DANKE für diese einmalige Erfahrung!
Jule Fiedrich & Lily Lother
Liebes Tagebuch, heute war bereits unser letzter voller Tag in Taizé…
Die Woche war unglaublich schnell vergangen.
Zwischen Volleyball, Gesprächen und den letzten gemeinsamen Stunden merkte man vielen an, dass sie den Abschied bereits vor Augen hatten. Immer wieder dachte ich daran, wie selbstverständlich diese Gemeinschaft innerhalb weniger Tage entstanden war. Menschen, die sich vorher kaum kannten, waren zusammengewachsen und hatten viele Erinnerungen miteinander geschaffen.
Am Abend fand schließlich das Lichtergebet statt. Jeder erhielt eine Kerze, und nach und nach wurde die gesamte Kirche von unzähligen kleinen Lichtern erhellt. Dieser Anblick war wunderschön. Die Dunkelheit, die Gesänge und das warme Licht sorgten für eine ganz besondere Stimmung. Für mich war es einer der eindrucksvollsten Momente der ganzen Woche. Spät am Abend stiegen wir in den Bus und traten die Heimreise an. Während der Fahrt dachte ich noch lange über die vergangenen Tage nach. Taizé hat mir nicht nur viele schöne Erinnerungen geschenkt, sondern auch gezeigt, wie wichtig Gemeinschaft, Offenheit und gegenseitiger Respekt sein können.
Jan-Philipp Schramm & Noah Rauch
„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden.“ …
Getreu diesem Motto sollte unser Samstag das entspannte Ende einer erlebnisreichen Erholungs- und Besinnungsfahrt werden. Um diese Stille finden zu können besuchten wir die Krypta der Kirche.

Im ersten Moment wirkt dieser Ort erschlagend: erschlagend von Stille und Leere. Anders als auf den endlosen Feldern und in der Weite der Wälder, welche ebenso von Ruhe geprägt waren, konnte man in diesem Keller sogar seinen eigenen Puls hören. Dies war zunächst sehr unheimlich, doch alsbald erfüllten Lieder den Raum und die Furcht war dahin.
Das Ende des Tages läuteten wie so oft die Kirchenglocken ein: Sie luden zum Gottesdienst. Dieser war besonders. Nach den obligatorischen acht Minuten Stille durfte jeder seine Kerze entzünden. Dies sorgte für eine atemberaubende Atmosphäre. Alles wurde hell, alles war erleuchtet, alles war warm. So fand unsere Reise in der Wärme von Taizé ein Ende.
Marie Ratte
Der letzte Tag war heute besonders schön…
Wir haben nochmals alle zusammen das wundervolle Wetter genossen und Zeit miteinander verbracht. Der Abendgottesdienst mit den Kerzen, die alle das gleiche Licht der Osterkerze teilen und die Kirche erstrahlen lassen, ist immer einer meiner Lieblingsmomente. Für mich persönlich wird das jetzt auch erstmal das letzte Mal Taizé sein, da nächstes Jahr die Abiturprüfungen auf die Woche fallen, was sehr schade ist. Umso dankbarer bin ich aber für die schöne Zeit, die ich in den vergangenen Tagen mit wundervollen Menschen hier verbringen durfte! Ich werde die Ruhe, die ich hier mal wieder gefunden habe auf jeden Fall versuchen in meinen Alltag mit einzubauen (ob, das dann klappt, mal schauen, aber man muss die Dinge wenigstens mal versuchen). Vielen Dank an alle, die diese Fahrt zu dem gemacht haben, was sie ist! Ich freue mich schon darauf, als Ehemalige dann eines Tages mal wieder mitzufahren 🙂



Michael Kerber
kurz vor der Heimfahrt: Gelegentlich berennt (denn er beschleicht mich nicht; dafür ist er zu heftig und kraftvoll) mich noch ein anderer Gedanke …
… nämlich der an die kommende Fahrt 2027. Sie wird gewissermaßen ein Taizé-Neustart (oder wie die Jungleuts sagen: reload) sein, ähnlich wie 2022 nach den Wegen-Corona-ausgesetzten-Fahrten.
Denn wegen des diesjährigen Ferienfahrttermins sind heuer vor allem Jugendliche aus der Q12 dabei, die 2027 im Abitur sein werden und deren Teilnahme daher fraglich ist. Aus der 11ten Jahrgangsstufe sind zwei Schülerinnen dabei, die auch 2025 mit in Taizé waren. Ich hoffe 2027 auf sie und die aus der 11ten, die 2025 diesen wunderbaren Ort kennengelernt haben, diesmal aber aus verschiedensten Gründen (Familienurlaub; Ferientermin; kein Unterrichtsausfall … 😉) sich nicht angemeldet haben. Aus der jetzigen 10ten ist jedoch niemand dabei und aus der künftigen 10ten (= jetzige 9te) logischerweise auch nicht. Wir werden also 2027 mit zwei Teilnehmenden aus zwei Jahrgängen die Taizéfahrt durchführen, die alle Neulinge sein werden … Mir fällt das Lied „Nada te turbe“ ein – nichts soll dich erschrecken / beunruhigen – jep, passt! Wird schon werden. Ist jedes Mal wieder geworden!
Es ist schön. Es war schön. Vielen Dank euch allen für alles!
Kristin Paulics & Hansjörg Rüthel
Der letzte Abend und die Vorfreude …


Die Schönheit in Taizé ist atemberaubend








Die Glasmalereien in der Kirche








Sonntag 07.06.26
Heidi Axmann
Relativ pünktlich sind wir um sieben Uhr wieder an der Schule angekommen …
Ich habe eigentlich ganz gut auf der Busfahrt geschlafen oder geruht und sogar den Sonnenaufgang mitbekommen. Es war auf jeden Fall sehr schön in Taizé und ich habe die Zeit wieder sehr genossen.


Danke an den Möglichmacher Michael Kerber! Als Zeichen hat er dann auch noch ein von uns allen bekrakeltes T-Shirt bekommen 😉 Wann immer wir ihn darin sehen, werden wir an die Zeit denken.

Montag 08.06.26
Kristin Paulics & Hansjörg Rüthel
Ein paar Gedanken am Montag Mittag wieder zuhause …
Michael Kerber
zurück am heimischen Schreibtisch. Es wäre sehr schön, wenn die diesjährigen Teilnehmenden ihre Gedanken zur Taizéfahrt in die Kommentare schreiben:
- Was darf ich, wenn ich mit nach Taizé fahre, erwarten?
- Was sollte ich dazu beitragen, damit meine Teilnahme „gut“ wird?
- Warum war ich dieses Mal dabei? Werde ich nochmal hinfahren, wenn es sich ergibt?
… denn wenn ihr beschreibt, was die Taizéfahrt sein kann, dann wirkt das für zukünftige Interessierte vielleicht glaubwürdiger, als wenn ich davon erzähle … Vielen Dank allen, die uns an ihren Überlegungen teilhaben lassen (evtl. sogar unter ihrem wirklichen Namen … 😉).

Konnte dieses Jahr leider nicht mitkommen….deshalb besonders herzlichen Dank für diesen lebendigen vielstimmigen Artikel in dem so persönliche Eindrücke auch für uns Zuhausegebliebene Taize wunderbar erlebbar gemacht haben….ich bin voller Vorfreude auf das nächste Mal….
Vielen Dank ans Mammut für den sehr schönen Artikel. Und zugleich vertiefe ich meine Bitte um eure kurzen Rückmeldungen zu den am Artikelende gestellten Fragen.
Nada te turbe! 😊
Wen es interessiert und für eure Planungen:
Taizé 2027 findet vom 04. Mai (Abfahrt 13.10 Uhr) bis 09. Mai (Rückkunft gegen 07.02 Uhr) statt.