America’s Great Disruption – Lässt Trump keinen Stein auf dem anderen?
von Elisabeth Knorr
Jeden Tag gibt es die verrücktesten Neuigkeiten aus den USA, Donald Trump im weißen Haus zettelt Kriege an, zerstört die Weltwirtschaft und fährt eine der erfolgreichsten Demokratien einfach mal so gegen die Wand. Doch was passiert eigentlich wirklich und wie konnte es soweit kommen? Angeregt vom Vortrag von Dr. phil. Markus Hünemörder (LMU München) haben wir die Lage einmal ein bisschen zusammengefasst.
Die USA – politisch eine gespaltene Nation
In den USA gibt es, anders als in den meisten europäischen Ländern nur zwei Parteien, die “Republicans” (rechts, konservativ) und die “Democrats” (links, liberal). Da man nur eine dieser beiden Parteien wählen kann, leuchtet es ein, dass auch die Gesellschaft zweigeteilt ist. Man kann sich nur schwer in der politischen Mitte positionieren, da es dafür keine Partei gibt. In des letzten Jahren hat diese Polarisation allerdings stark zugenommen, beide Parteien werden immer extremer und bewegen sich zunehmend auf die politischen Ränder zu. Besonders viel Streit gibt es rund um die Themen Immigration, LGBTQ-Rechte, Abtreibung Diversität, Feminismus und Klimawandel. Im folgenden Video werden das Problem und die Lösung treffend zusammengefasst:
Der Meister der Verwirrung
Seitdem Trump die Wahlen 2024 zum zweiten Mal gewann, ist seine Stategie vor allem sein Image als kontroverser Regelbrecher zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Denn der Großteil seiner Versprechen bleibt genau das: ein Versprechen. Meist folgen auf seine großspurigen Ankündigung keine Taten. Auch sein Slogan “Make America Great Again” folgt keiner festen Ideologie, sondern kann zum passendem Zeitunkt so umjustiert werden, dass der Gewinn in Trumps eigene Tasche fließt.

Ich will etwas, also macht ihr das!
Wie in allen Demokratien gibt es auch in den USA das Prinzip der Gewaltenteilung. Allerdings hat dort der Präsident, der nicht in einer Koalition, sondern alleine regiert und außerdem Oberhaupt des Staates und der Regierung gleichzeitig ist, etwas mehr Macht als ihm gut tut. Aber das reicht Trump noch nicht aus, er will die gesamte Regierung dazu bringen, seiner Linie zu folgen und alle Macht direkt auf das Weiße Haus konzentrieren. So werden neuerdings Menschen strafrechtlich verfolgt, die etwas an Trumps Art der Regierung auszusetzen haben. Außerdem wurden allein in seiner bisherigen Amtszeit 10% aller Bundesbeamten entlassen und ganze staatliche Organisationen wie das weltweit größte Entwicklungshilfeprogramm “USAid”, abgeschafft.
Ähnlich verhält es sich mit der Freiheit der Medien. Die “New York Times” und das “Wall Street Journal” befinden sich im Moment vor Gericht, weil sie ihre Arbeit machen und unangenehme Wahrheiten über die Trump-Regierung ans Licht gebracht haben. Auch der Sender “ABC”, der Disney gehört und in dem Jimmy Kimmels “Late Night Show” läuft, musste diese Show kurzzeitig unterbrechen aufgrund von Druck aus der Trump Regierung. Eine der eher unterhaltsameren Reaktionen darauf sieht so aus:
Illegale Immigration – Das definitiv größte Problem unsere Zeit
Es ist eines von Trumps wichtigsten Zielen Milllionen von illigalen Immigranten dorthin zurück zu bringen, ‘wo sie hin gehören’. Seit Trumps Amtsantritt im November 2025 wurden 290.000 Migranten deportiert, die größte Massenabschiebung seit 1950. Die Regierung hat außerdem 12.000 neue ICE Beamte angestellt, das ist mehr als eine Verdopplung der früheren Zahl (von 10.000 2025 auf 22.000 2026). Ob man in dieser kurzen Zeit so viele Menschen für diese anspruchsvolle Aufgabe fachgerecht ausbilden kann, sei mal dahingestellt. Allerdings hat sich die Begeisterung für ICE etwas gelegt, als Agenten unter bestenfalls ungeklärten zwei US Staatsbürger erschossen.
Leider doch kein Friedensnobelpreis
Eines seiner unter den MAGA-(Make America Great Again)-Wählern populärsten Wahlversprechen war: Keine militärischen Einsätze, kein Krieg! Nun ja, dann wurde der Präsident von Venezuela entführt, eindeutig ein militärischer Eingriff, aber scheinbar ohne größere negative Folgen. Allerdings mit dem Ergebnis, dass Trump seine Angst vor Angriffskriegen verloren hatte.
Es folgte: Der Iran- Krieg. Offenbar hat sich Trump vom israelischen Präsidenten zusammen mit seinem Ego dazu verleiten lassen, einen Krieg mit einem Land anzuzetteln, dass zwar ein schrecklicher Unrechtsstaat ist, aber auch am direkten Regler von 20% des weltweiten Ölhandels sitzt: der Straße von Hormus. Das hatte Trump nicht einkalkuliert, mit der Folge, dass nicht nur der Ölpreis an allen Tankstellen durch die Decke geht, er büßte auch seine eigene Beliebtheit.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Obwohl man sich praktisch jeden Tag fragt, wie es soweit kommen konnte, sind die USA immer noch eine intakte Demokratie. Im November gibt es die sogenannten “Midterm Elections”, in denen der Kongress und das Repräsentantenhaus neu gewählt werden. Falls wie erwartet und gehofft, dann die Demokraten in der Mehrheit sind, wird es für Trump nicht mehr möglich sein, ohne Rücksicht auf Verluste durchzuregieren.