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🔊Markus Hünemörder im Gespräch- Warum wir den Kontakt in die USA nicht abreißen lassen sollten

28. April 2026 7 Mins Read
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Dr. phil. Markus Hünemörder von der LMU München ist ein deutscher Historiker und USA-Experte. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit amerikanischer Geschichte, Politik und Gesellschaft und ordnet aktuelle Entwicklungen regelmäßig in Vorträgen und Interviews ein.

In dem Interview wird deutlich, dass er versucht, komplizierte Themen verständlich zu machen. Er zeigt, dass die Lage in den USA nicht so einfach ist, wie sie manchmal in den Medien dargestellt werden. Gleichzeitig spricht er auch über Probleme und mögliche Gefahren in der Politik. Hört euch das Interview an oder lest es im Anschluss.

40% der Amerikaner finden Trumps Politik nach wie vor gut. Wie kann das sein?

Also zum einen ist Trump tatsächlich charismatisch. 
Das sieht man in Deutschland vielleicht nicht so, hier würde sein politischer Stil nicht funktionieren. Aber er ist sehr gut an die amerikanische politische Kultur angepasst. 


Spaltung als politisches Werkzeug

Donald Trump ist auch der Politiker in den Vereinigten Staaten, dem es gelungen ist, die politische Spaltung des Landes nicht nur zu befeuern, sondern auch für seine Zwecke zu nutzen. Das heißt, es gelingt ihm durchaus, viele davon zu überzeugen, dass die andere Seite, also die Demokraten, nicht einfach nur Mitbürger mit anderer Meinung sind, sondern einfach eine Bedrohung für den American Way of Life und dass nur er letztlich diesen verteidigen kann. Und ja, ein Großteil seiner Politik ist auch schlicht bei seinen Anhängern populär.

Flag map of the United States, including Alaska and Hawaii

Was können sowohl deutsche Politiker als auch deutsche Wähler aus den Ereignissen in den USA lernen?

Ich denke hauptsächlich, dass man versuchen muss, diese politische Polarisierung zu bekämpfen, die wir zunehmend in Europa und auch in Deutschland erleben. Man sollte sich nicht auf den Gedanken einlassen, dass Leute, die anderer Meinung sind, nicht nur politische Gegner sind, sondern auch Feinde. Das ist in Deutschland nicht so weit fortgeschritten wie in den USA, wo das Zwei-Parteien-System die Polarisierung fördert.

Warum Populismus wächst

Aber der entscheidende Grund, warum rechtspopulistische Bewegungen, nicht nur in den USA und in Deutschland, sondern auch anderorts immer stärker werden, ist, dass die klassischen liberalen, demokratischen Parteien schon seit längerer Zeit darin versagen, die großen Probleme, die in unseren fortgeschrittenen Gesellschaften aufgekommen sind, adäquat zu lösen.

GefĂĽhl der Krise in der Gesellschaft

Jedenfalls können sie die Leute nicht davon überzeugen, dass das eigentlich alles einigermaßen gut läuft. Dagegen haben viele das Gefühl, dass alles den Bach runtergeht. Das ist teilweise Meinungsmache, teilweise haben wir aber auch tatsächlich strukturelle Probleme. 


Was wĂĽrde passieren, wenn Trump ausfallen oder sterben wĂĽrde?

Donald Trump ist kein sehr ideologischer Mensch. Für Donald Trump ist alles verhandelbar. 
JD Vance hingegen ist ein feuerspeiender, rechtsreligiöser Populist. Der träumt wirklich von einer Gesellschaft, in der Frauen am Herd stehen und in der es klare Hierarchien gibt, die auch ethnischer Natur sind. 
Also aus JD Vances Sicht war Ungarn unter Victor Orban eigentlich das Vorbild: illiberale Demokratie. Und JD Vance hasst die europäischen Demokratien noch viel inbrünstiger als Donald Trump das tut. Mit einem Präsidenten JD
Vance wäre zumindest Europa wesentlich schlechter dran.

Was bedeutet das alles fĂĽr uns in Deutschland? Und wie kann man sich engagieren?

Grundsätzlich sollte man nicht auf die Versprechen rechtspopulistischer Bewegungen hereinfallen, denn wir sehen, dass sie dort, wo sie an der Macht sind, nicht liefern, was sie ankündigen. Faktisch haben Rechtspopulisten keine besseren Lösungen.

Man kann sich auf mehreren Ebenen engagieren. Erstens: Wenn man wählen darf, sollte man das auch tun – und vorzugsweise eine Partei unterstützen, die auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Zweitens kann man selbst politisch aktiv werden, etwa in einer Jugendorganisation oder in einer Partei seiner Wahl – solange es nicht gerade die Alternative für Deutschland ist. Drittens kann man auch durch gesellschaftliches Engagement außerhalb von Parteien etwas bewirken, etwa in Umweltorganisationen oder in Initiativen, die sich für ein besseres Zusammenleben mit Migranten einsetzen, sei es in der Flüchtlingsarbeit oder auf andere Weise. Da lässt sich durchaus einiges bewegen.

Glauben Sie, dass Donald Trump im Iran eine Bodenoperation beginnen wird, um zum Beispiel das Uran wegzuholen? Und wie wĂĽrde das innenpolitisch ankommen?

Ich kann mir vorstellen, dass Donald Trump eine begrenzte Bodenoperation im Iran autorisiert. Dabei wĂĽrde es um den Einsatz von Spezialeinheiten gehen, die versuchen, das angereicherte Uran unter ihre Kontrolle zu bringen.

Hohes Risiko des Scheiterns

Die Gefahr dabei ist, dass das scheitert. Die iranische Regierung ist ja nicht unfähig. Das Material liegt nicht einfach leicht zugänglich herum. Das wäre eine deutlich größere Aktion als zum Beispiel die Entführung von Maduro in Venezuela. Und wie gesagt: Das Risiko des Scheiterns ist hoch, und es gibt eine Vorgeschichte. Jimmy Carter hat 1979 versucht, amerikanische Geiseln aus dem Iran zu befreien – und das ist furchtbar schiefgegangen. Das war einer der Gründe, warum er nicht wiedergewählt wurde, und zwar deutlich. Trump weiß das sehr genau; er stammt aus dieser Zeit und kennt die Geschichte.

Trotzdem: Kleinere Operationen sind denkbar. Eine große Bodeninvasion mit dem Ziel, das Land zu besetzen – nein.

A joint special forces team moves together out of an Air Force CV-22 Osprey aircraft, Feb. 26, 2018

Würden Sie sagen, dass die USA trotz allem noch ein lebenswertes Land sind? 


Ich war gerade dort, und es war wirklich wunderbar. Ich bin drei Wochen lang durch Texas gereist. Man sollte sich also nicht vorstellen, dass das ein Land am Rande eines Bürgerkriegs ist. Wenn man den nationalen Medien folgt – und auch den sozialen Netzwerken –, könnte man diesen Eindruck bekommen. Im Alltag aber ist alles ganz normal.

Freundliche Menschen und Lebensqualität

Die Leute beklagen sich ein wenig über die hohen Spritpreise. Aus unserer Sicht sind die allerdings immer noch erstaunlich niedrig. Aber das ist natürlich relativ. Unterm Strich ist es ein wunderschönes Land mit sehr, sehr netten Menschen. Auch als Deutscher ist man dort jederzeit willkommen. Man sollte sich auch nicht ausmalen, dass man bei der Einreise direkt in Abschiebehaft landet – das ist Unsinn. Im Gegenteil: Ich würde sogar dazu raten, von deutscher Seite aus wieder stärker den Kontakt zu den USA zu suchen.

Weniger persönliche Kontakte als früher

Zu meiner Zeit – zugegeben, das ist schon länger her – war es ganz normal, für ein halbes oder ganzes Jahr in die USA zu gehen. Dadurch entstehen Verständnis und persönliche Kontakte, die eine ganz andere Form von Gemeinschaft ermöglichen. Seit dem 11. September hat das deutlich abgenommen, auch weil viele Europäer Angst hatten, nach Amerika zu reisen – was im Grunde unbegründet war.

Man merkt die Entwicklung auch daran, dass heute viel weniger amerikanische Soldaten in Europa stationiert sind. In Deutschland sind es zwar immer noch etwa 35.000, aber früher waren es deutlich mehr, teils im sechsstelligen Bereich. Entsprechend gibt es auch weniger persönliche Begegnungen.

In den 80er Jahren war es zum Beispiel so: Wenn man in den USA mit einem Mann ab einem bestimmten Alter sprach und sagte, man komme aus Deutschland, hörte man oft: „Deutschland, klasse – da war ich auch stationiert.“ Diese persönliche Verbindung ist schwächer geworden.

Gemeinsame Werte nicht vergessen

Diese Entfremdung auf menschlicher Ebene halte ich für problematisch. Denn letztlich teilen wir mit den Amerikanern einen Wertekanon und, wenn man so will, auch eine gemeinsame Zivilisation. Ich will damit nicht Positionen wie die von Marco Rubio unterstützen, der von einer gemeinsamen Zivilisation spricht, die sich wieder ausbreiten müsse – das hat für mich einen imperialistischen Beigeschmack. Aber klar ist: Es gibt den Westen, und den sollten wir stärken und auch zelebrieren.

Ist die Demokratie in den USA grundsätzlich gefährdet?

Es ist schwer zu beurteilen. Im Moment würde ich eher sagen: nein. Donald Trump stellt zwar eine Gefahr dar, und JD Vance womöglich noch mehr. Aber die entscheidende Frage ist, wie sich die Demokratie auf praktischer Ebene tatsächlich aushebeln ließe.

Starke föderale Strukturen

Die Macht ist in den USA stark föderal verteilt. Ein großer Teil des Regierungshandelns findet gar nicht in Washington statt, sondern in den 50 Bundesstaaten oder sogar auf kommunaler Ebene. Es wurde zwar immer wieder behauptet, man könne etwa die Midterm-Wahlen aussetzen – aber wie sollte das konkret funktionieren? Wir sprechen von rund 10.000 dezentral organisierten Wahlbehörden. So einfach, wie es in manchen dystopischen Vorstellungen wirkt, ist das alles nicht.

United States, administrative divisions - de - colored

Rechtstreues Militär

Das heißt nicht, dass es keine Risiken gibt. Man kann sich durchaus Szenarien vorstellen, in denen Trump versucht, in Richtung eines militärisch gestützten Militärputsch zu gehen. Allerdings sehe ich derzeit nicht, dass das Militär ihm dabei folgen würde. Die US-Streitkräfte gelten als professionell. Sie führen Befehle aus, solange diese zumindest formal legal erscheinen. Wenn es jedoch darum ginge, sich klaren Entscheidungen des obersten Gerichts zu widersetzen, halte ich das für wenig wahrscheinlich.

Auch der Verteidigungsminister Pete Hegseth macht sich innerhalb der Streitkräfte nicht unbedingt beliebt, etwa wenn er wiederholt hohe Offiziere entlässt, die ihm nicht passen. Insofern ist es durchaus möglich, dass der Spuk 2028 einfach endet. Sicher wäre ich mir dabei allerdings nicht.

Glauben Sie, der nächste Präsident wird Demokrat oder ein Republikaner?

Zu früh zu sagen, es wäre reine Kaffeesatzleserei.

Wir danken Herr Hünemörder für das aufschlussreiche Gespräch und den anregenden Vortrag,

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