Schon vor einigen Wochen fand sich das Plakat des Theaters in unserem Aktuellen, denn Nils Klinke, der dieses Jahr im Rahmen der Lehrwerkstatt bei uns an der Schule ist, spielte in diesem Stück die Hauptrolle McMurphy. Wird er als Schauspieler ebenso performen wie als Lehrer?
Worum geht es?
Das ganze Stück spielt in einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Durch den Neuankömmling McMurphy, einen Spieler und Gewaltverbrecher, der die Ordnung in Frage stellt, gerät diese dann außer Kontrolle.
McMurphy als Zocker
Denn McMurphy ist gar nicht psychisch krank: Er täuscht eine Erkrankung nur vor, damit er im Gefängnis nicht zwangsarbeiten muss. Schnell aber wird im klar, dass in der Anstalt Oberschwester Ratched ein sadistisches System etabliert hat, mit dem sie die Patienten gegeneinander aufhetzt. Sie spielt mit den Traumata und Psychosen der Patienten und erreicht immer wieder, dass die Gruppe sich auf Einzelne stürzt, sobald diese ein bisschen Selbstbewusstsein oder Unabhängigkeit zeigen. Schon früh wird klar gemacht, dass, wer sich dem aktiv widersetzt, mit Medikamenten und sogar Elektroschocks gefügig gemacht wird.
McMurphy mit dem ArztMcMurphy mit Schwester Ratched
MCMurphy wagt den Aufstand
McMurphey lässt sich nicht abschrecken und animiert seine Mitinsassen, sich auch nicht alles gefallen zu lassen. Nach und nach gelingt es ihm die Gruppe zu einen und dadurch gemeinsame Aktivitäten wie Basketball und ein Fernsehabend durchzusetzen. Besonders ein Patient, ein riesiger, schwer traumatisierter Indianer, der nie spricht und dadurch als taubstumm gilt, wird zu seinem Schützling.
Intensive und merkwürdig realistisch wirkende Liebesszene zwischen McMurphy und Candy Star.
Nachdem er erfährt, dass alle außer ihm freiwillig in der psychiatrischen Einrichtung sind, plant er seine Flucht. Doch zuvor soll noch eine Abschlussparty steigen, zu der auch Candy und Rose, zwei Freundinnen von McMurphy, reingeschmuggelt werden. Die beiden bringen auch reichlich Alkohol mit und schließlich verschwindet einer der Insassen mit Rose im Zimmer.
Die Insassen feiern die Abschiedsparty.
Ekstase und Untergang
Am nächsten Morgen findet die Schwester Ratched dann den verwüsteten Raum und schlafende Insassen vor. Sie droht einer Patientin an ihrer Mutter zu erzählen, was diese Nacht passiert ist, worauf sich diese sich die Kehle durchschneidet. Die Schwester ordnet an mit dem Tagesablauf fortzufahren und macht McMurphy verantwortlich. Als dieser auf sie losgeht, wird eine Lobotomie an ihm vorgenommen, d.h. dass sein Gehirn verstümmelt wird, so dass er zu leeren Hülle ohne Bewusstsein wird. Um ihn von diesem Leid zu erlösen erstickt der Häuptling ihn mit einem Kissen und flieht dann selbst aus der Anstalt in ein neues Leben
Häuptling erlöst McMurphy von dem Leid, indem er ihn erstickt.
Die Bühne im Publikum und wir mitten im Spiel
von Milla, Elena, Finja, Cara
Wir fanden es total super. Dadurch, dass ein Teil der Bühne „im“ Publikum stand hatte man eine Art rundum Blick und man hatte das Gefühl sehr nah dran am Geschehen zu sein. Auch das Bühnenbild war sehr schön gestaltet, mit vielen kleinen und liebevollen Details. Auch die schauspielerische Leistung war top. In dem Stück werden doch sehr starke und heftige Emotionen durchlebt, die die Schauspieler aber sehr gut rübergebracht haben.
Das eindrucksvolle Bühnenbild
Ein Zocker als Erlöser
von Hansjörg Rüthel
Das KHG -Theater ist durchaus eine Institution in Würzburg. Mit dem Stück haben sich die Studenten aber noch einmal selbst übertroffen. Das ging schon mit der Bühne selbst los, die in den Raum hineinreichte und mit ihrem technischen Hintergrund eher an ein Atomkraftwerk als an eine Nervenheilanstalt erinnerte. Und das war ja auch durchaus passend für diese spezielle Einrichtung. Man kann sich kaum vorstellen, welchen Aufwand allein für die Technik und das Bühnenbild getrieben wurde.
Das Stück selbst ist ein moderner Klassiker und handelt davon, wie Menschen klein gehalten und systematisch fertig gemacht werden, und zwar ausgerechnet von denen, die ihnen helfen sollten. Da braucht es dann erst einen Verbrecher, einen Zocker, um dieses System zu durchbrechen und die Menschen wieder aufzurichten.
Ganz stark waren die Schauspieler der Patienten, die es alle schafften, ihre jeweiligen Begrenzungen überzeugend darzustellen. In dem Stück gibt es keine Wunderheilungen, aber es wird im Lauf der Handlung deutlich, dass Menschen eben nicht nur ihre Krankheit sind, sondern damit leben und sogar glücklich werden können. Das gilt besonders für den Häuptling, der am Anfang völlig in sich verschlossen, sich nach und nach entfaltet. Den Kontrast dazu bildeten die Klinikmitarbeiter in ihrer frivolen Empathielosigkeit, der überforderte Arzt und vor allem die immer kalt und glatt agierende Ratched. Unvergesslich sind auch die beiden vor Sinnlichkeit sprühenden Damen, die die Patienten besuchen kommen.
Besonders hervorzuheben ist aber Nils Klinke als McMurphy. Alles andere als ein besonders sympathischer oder hilfsbereiter Typ entwickelt er sich im Lauf der Handlung zum Befreier der anderen. Getrieben wirkt er am Anfang dabei gar nicht so sehr von Empathie, eher von Abscheu angesichts der Passivität der Patienten und der kalten berechnenden Grausamkeit Ratcheds. Sein Aufstand entspringt dabei genauso seiner Spielernatur, seinem unbändigen Selbstbehauptungswillen wie dem Verantwortungsgefühl, das er nach und nach für seine Mitinsassen entwickelt.
Genau diese Mischung zwischen Lebemann, Rebell und Erlöser verkörpert Nils Klinke perfekt. Wir können nur hoffen, dass er sich trotz der in greifbarer Nähe stehenden Karriere als Schauspielstar für den Lehrerberuf entscheiden wird, auch wenn das Publikum anders als in der KHG wohl nicht jeden Auftritt mit frenetischem Jubel quittieren wird
Wir bedanken uns bei Rebekka Dietz, die uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat!
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2 Comments
Vielen Dank für die überaus positive Kritik und den Besuch bei mir im Theater! Wir sehen uns nächste Woche wieder auf der “Bühne” des Gym VHH 😉
Vielen Dank für die überaus positive Kritik und den Besuch bei mir im Theater! Wir sehen uns nächste Woche wieder auf der “Bühne” des Gym VHH 😉
… und wenn Hr. Klinke schlau ist, macht er was Cooles und wird Schauspieler, nicht Lehrer.