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Schule

Abfragen – Mammut fragt sich: Warum eigentlich?

16. Januar 2026 4 Mins Read
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15 Comments

von Elisabeth Knorr

Der verurteilte Schüler steht alleine vor der Tafel, bewaffnet nur mit einem Stift und einem Kopf, der sich anfühlt, wie mit grauem Rauch gefüllt. Das erwartungsvolle Gesicht des Lehrers blickt auf ihn hinab, hin und her gerissen zwischen der Genugtuung einen Unwissenden erwischt zu haben und der Angst, sein Unterricht habe mal wieder nichts der Unwissenheit entgegenzusetzen gehabt. Dann, die erste Frage, lange Stille, eine gestotterte Antwort – das Gefühl nichts wert zu sein.

Spaß beiseite – denn „Anders lernen Schüler ja nichts“

Was denken Sie, liebe Lehrerinnen und Lehrer? Ist Lernen, wenn sich Schüler 3 Minuten vor der Abfrage auf dem Gang alles von der letzten Stunde reinprügeln? Wenn ja: Weiter so, für dieses Lernen sind Abfragen perfekt! Wenn nein, wäre es Zeit sich über andere Methoden Gedanken zu machen.

„Wenn man Tests und Abfragen ansagt, lernen Schüler auch nicht mehr!“

Die Wissenschaft sagt etwas anderes: In einer Studie, bei der 5 Klassen unangekündigte und 5 Klassen angekündigte Tests schreiben sollten, war die Leistung der Klassen, in der Tests angekündigt wurden, nicht nur größer, die Schüler empfanden auch weniger Angst vor und während der Tests. Dies lässt sich auch auf Abfragen übertragen. Wenn ein Schüler, statt 5 willkürlich gewählte Fragen beantworten zu müssen, eine Präsentation oder einen kurzen Vortrag für das jeweilige Thema vorbereiten müsste, würde ihm und seinen Mitschülern am Ende auch sicher ein wenig vom Thema im Hirn hängen bleiben.

Weniger Leistung DURCH Angst und Stress

Angst und Stress sind nicht nur Motivationskiller und Ursache von psychischen Problemen bei Schülern, sie wirken sich auch nachweislich negativ auf die Leistung der Schüler aus. Erschreckenderweise leiden laut der WHO 63% der Mädchen und 43% der Jungen unter 15 Jahren unter dauerhaftem Stress in der Schule. Dies hat laut einer Studie der Universität Bayreuth direkte Auswirkung auf die Leistungen der Schüler:

“Je weniger das Lernen von Angst begleitet war und je mehr Freude die Schülerinnen und Schüler beim Lernen erlebten, desto bessere Noten konnten sie erzielen. […] Angst ist kein guter Lehrmeister – das ist ja eigentlich eine alte Erkenntnis” – Prof. em. Dr. Ludwig Haag

Der PISA-Schock von 2022 löste in der Bildungspolitik eine heftige Debatte über das deutsche Schulsystem aus, doch statt sich nun mehr auf den Lernerfolg zu konzentrieren, setzten die Schulen noch eins drauf: mehr Tests, Abfragen und Kurzarbeiten als je zuvor. Daraus folgt noch mehr Stress und noch weniger Leistung. Schülerinnen und Schüler brauchen eine klare Abgrenzung von Lern- und Leistungszeiträumen. Nur so können sie die Lerninhalte  in einer vertrauensvollen Atmosphäre aufnehmen und nachhaltig verstehen.

„Abfragen bereiten die Schüler:innen auf das Leben in einer Leistungsgesellschaft vor“

Das beliebteste Argument der bayerischen Staatsregierung! Nur leider gibt es auch hierfür keinen einzigen empirischen Nachweis. Im Gegenteil: Weder in der Uni noch beim Führerschein noch im Arbeitsleben wird man unangekündigt geprüft, schon gar nicht wenn man nicht einmal weiß, worüber. Die Ausnahme sind unsere Lehrer, ihre Unterrichtsbesuche werden auch nicht angekündigt. Mein herzlichstes Beileid!

Mündliche Prüfungen sind die Zukunft – aber wie?

In Zeiten von KI und insbesondere ChatGPT wird die Bewertung von Haus- und Seminararbeiten immer schwieriger und komplizierter. Selbst wenn alle behaupten: „ICH kann einen Text von ChatGPT sofort erkennen“. Tatsache ist, die KI wird immer besser und auch jetzt schon kann man eine KI dazu auffordern, ihren Text so zu gestalten, dass er nicht als von ihr geschrieben identifiziert werden kann. Sogar bei Exen und Schulaufgaben ist das Benutzen von KI längst kein Einzelfall mehr. Fest steht: Mündlichkeit ist die Prüfungsform der Zukunft. Aber die Prüfungen sollten standardisiert und angekündigt sein und in Form von  Präsentationen oder Vorträgen stattfinden, bei denen der Lernprozess und die Reflexion in den Vordergrund rücken.

Was haltet ihr von Abfragen?

Meinung

Ich halte Abfragen prinzipiell für in Ordnung, aber leider gibt es immer wieder Lehrer, die das Bedürfnis haben, Schüler vorne an der Tafel zu zerlegen. Als Schüler fühlt man sich in solcher Situationen unfair behandelt und machtlos. Ich finde, Lehrer sollten sich mehr bewusst werden, welchen Effekt es haben kann, wenn sie ihren Frust an uns auslassen und uns bewusst bloßstellen.

anonyme Meinung aus der Schule

Quellen

https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/ki-und-schule-wie-sich-pruefungsaufgaben-jetzt-veraendern-muessen

https://www.who.int/europe/de/news/item/13-11-2024-rising-school-pressure-and-declining-family-support-especially-among-girls–finds-new-who-europe-report

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0272443

https://www.br.de/nachrichten/wissen/exen-laut-studien-spricht-nichts-fuer-unangekuendigte-tests,UhO6UKG

Bilder: ChatGPT

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15 Comments

  1. Holzner sagt:
    16. Januar 2026 um 15:14 Uhr

    Spitzenartikel!

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    Antworten
  2. Q12 lover sagt:
    16. Januar 2026 um 15:31 Uhr

    [XY] macht das ziemlich oft und bodenlos zugleich, also die Abfragen. Die lieblingsschüler werden gelobt und verschont während die anderen zittern müssen. Nicht cool.

    [Die Beiträge sollen frei formuliert werden können. Hinweise auf Personen werden aber anonymisiert, da sich auch die Schreiber anonym äußern.]

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  3. anonym sagt:
    16. Januar 2026 um 16:24 Uhr

    Ich habe in meinem Leben schon einige Abfragen hinter mir und ich kann sagen, dass es alles andere als angenehm ist. Wie im Artikel erwähnt, lernt man nur in der Stunde vorher, in der Pause oder noch kurz auf dem Weg ins Klassenzimmer? Sicher sehr effektiv, wenn man möchte, dass die Schüler Spaß am Lernen haben und auch tatsächlich etwas davon mitnehmen. Man geht schon mit Angst in die Schule, direkt keine Motivation. Ist man nicht gut in einem Fach ist es noch schlimmer, denn man weiß schon, dass man auf eventuelle Nachfragen nicht antworten werden kann. Ich persönlich habe auch des Öfteren auf Grund des Drucks und der Angst mich in der Toilette eingeschlossen vor oder nach einer Abfrage und habe geweint. Man sitzt zitternd in der Klasse und betet nur, dass man nicht gewürfelt, gezogen oder ausgewählt wird. Es scheint ja doch immerwieder Lehrer zu geben, die es für nötig halten einen Schüler in einem Halbjahr dreimal abzufragen, während alle andern nur einmal abgefragt werden. Wird man dann aufgerufen hofft man nur noch, dass es schnell vorüber geht, denn die ganze Klasse schaut zu. Wenn man kein gutes Standing in der Klasse hat, ist das der Horror, denn innerlich und oft auch äußerlich spürt man wie alle einen auslachen. Und bitte liebe Lehrer, lassen Sie uns Schüler auf unseren Plätzen sitzen während der Abfrage, da kann man sich wenigstens noch am Tisch festklammern um den Stress zu entlasten. Aber oft wird man dann an die Tafel geholt und dann heißt es „Ja erzähl doch mal, was haben wir letzte Stunde gemacht?“ Fängt man dann an zu reden, kommt oftmals die Nachfrage, sei die Antwort falsch oder richtig, „So ist das denn so?“. Mehr verunsichern kann man eine Schüler der gerade eh schon sein Leben an sich vorbeiziehen sieht nicht. Man schaut in ein fragendes Gesicht, was förmlich sagt „Ha, hab ich’s doch gewusst, endlich mal wieder jemanden zerlegen der nichts weiß“ Enttäuscht geht man dann zurück auf seinen Platz mit dem Wissen, eigentlich hätte ich das viel besser gekonnt, egal ob man gelernt hatte oder nicht. Steht man vorne ist das Gehirn wie leer gelöscht. Nichts ist mehr da, auch wenn man das am Abend vorher doch noch alles konnte. Und dann gibt es natürlich zu dem ganzen Spaß noch die + Note. Denken Sie tatsächlich, dass uns das motiviert? Im Gegenteil, ich fühle mich eher demotiviert und mache dann noch weniger mit dem Gedanken „ja es reicht sowieso nicht“ und bin dann eher sauer. Warum denn nicht die – Note? Es tut nicht weh statt einer 4+ eine 3- zu geben. Und dann gibt es noch die Abfragen die sich ewig ziehen. Die längste die ich erlebt habe ging über fast die kompletten 45 Minuten der Stunde. Was außerdem nicht sinnvoll ist: drei Aufgaben in Exenumfang in fünf Minuten zu bearbeiten (aber eben nur eine oder zwei Personen). Wieso dann nicht einfach eine Ex schreiben mit der ganzen Klasse? Achso ja, wir können ja auch alle in Angst versetzen und unter Druck setzen und das wöchentlich. Bitte lassen Sie uns sitzen und stellen ganz einfache Fragen und zerhacken uns nicht. Wenn wir es nicht wissen heißt es nicht automatisch, dass wir nicht gelernt haben, sondern vielleicht, dass wir gerade extreme unter Druck, Stress und Angst stehen. Denn im Gegensatz zu Ihnen, sind die Noten wichtig für unsere schulische Laufbahn. Nichts was hier steht ist böse gemeint, es ist lediglich eine Meinung was uns Schüler sehr stresst.

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    1. Verständnis sagt:
      16. Januar 2026 um 20:35 Uhr

      Das realste was ich je gelesen hab… man denkt förmlich das es manchen Lehrern Spaß macht Schüler runter zu machen und ihnen dann auch noch vorzuwerfen man hätte nicht im Unterricht aufgepasst oder nicht gelernt. Was sie aber nicht wissen ist, wie Schüler nach der Schule meistens noch bis spät abends am Schreibtisch sitzen und versuchen den Unterrichtsstoff zu verstehen weil man sich in der Schule nicht getraut hat nochmal nachzufragen. Denn wie schon erwähnt, ohne ein gewisses Image in der Klasse macht man sich dadurch zum Affen und bleibt deswegen ruhig. Egal wie viel man lernt, in bestimmten Fächern hat man einfach mehr Schwierigkeiten als in anderen Fächern. Deshalb schreibt man in den ein oder anderen Fächern schlechtere Noten was die Lehrer sofort als „faul“ sehen. Und für uns sind die Noten nicht nur für die Schullaufbahn wichtig, sondern auch für das Berufsleben danach. Aber anstatt individuell auf Schüler und deren Schwächen einzugehen werden sie runtergemacht.

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  4. bitte nie wieder sagt:
    16. Januar 2026 um 16:33 Uhr

    Hmmm komisch in meinem Kopf geistern grausame Erinnerungen an Abfragen bei [XY] herum, Jedes mal gezittert…

    [Die Beiträge sollen frei formuliert werden können. Hinweise auf Personen werden aber anonymisiert, da sich auch die Schreiber anonym äußern.]

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  5. anonym sagt:
    16. Januar 2026 um 17:43 Uhr

    Extrem guter Artikel wo man sich als Schüler gesehen und verstanden fühlt !

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  6. Eva sagt:
    16. Januar 2026 um 19:01 Uhr

    besonders schlimm in Mathe oder Physik

    [Die Beiträge sollen frei formuliert werden können. Hinweise auf Personen werden aber anonymisiert, da sich auch die Schreiber anonym äußern.]

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  7. Ted Kaczynski sagt:
    16. Januar 2026 um 21:57 Uhr

    AI slop in der Schülerzeitung?

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    1. Hansjörg Rüthel Hansjörg Rüthel sagt:
      16. Januar 2026 um 23:23 Uhr

      Ich weiß nicht, vielleicht?

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    2. Elisabeth K. sagt:
      17. Januar 2026 um 8:36 Uhr

      Was meinst du damit denn genau?

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    3. KI Haider sagt:
      18. Januar 2026 um 17:53 Uhr

      Es ist so schlimm, es sind immer richtig schöne Artikel, und dann ist überall dieser KI Mist drinnen.
      Mann müsste ja nur eine Google Suche tätigen, um zu wissen, wie schädlich das eigentlich ist…

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  8. Ein Erwachsener sagt:
    19. Januar 2026 um 16:23 Uhr

    Ich fand Abfragen in meiner Schulzeit immer besonders schlimm. Vor allem vor der ganzen Klasse! Egal, ob ich gut vorbereitet war odee nicht, der soziale Druck war nicht hilfreich. Da waren mir Tests deutlich lieber, von mir aus auch unangekündigt. Hauptsache, es bekommt nicht jeder mit, wie ich ins Schwitzen gerade…

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  9. Anonym sagt:
    21. Januar 2026 um 16:11 Uhr

    Eigentlich finde ich den Artikel gut, aber die Begründung, man sich ja vor dem Klassenzimmer den Stoff reinprügeln müsse, ist nicht sehr gut, da man ja ZU HAUSE lernen soll und es dementsprechend nicht am Lehrer liegt, dass man vor dem Unterricht Stress hat.

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    1. Elisabeth K. sagt:
      22. Januar 2026 um 7:40 Uhr

      Lieber Anonym, ich gebe dir völlig Recht, an sich wäre es total natürlich und auch sinnvoll, wenn man weiß, dass am nächsten Tag eine Abfrage kommt, man am Tag vorher lernt. Jedoch ist das in der Praxisbei vielen Schülern schlichtweg nicht so. Egal wie moralisch richtig es wäre, viele (mich eingeschlossen) haben einfach neben allem anderen Abends keine Zeit, keinen Nerv und vor allem keine Lust mehr, sich alle Notizen anzuschauen und zu lernen. An der Studie, die oben verlinkt ist, sieht man ebenfalls, dass Schüler größeren Leistungserfolg haben, wenn sie wissen, dass ein Test geschrieben wird und können sich bewusst darauf vorbereiten. Zwar weiß man auch, wenn eine Abfrage kommt, allerdings ist dann einfach die Menge dieser zu groß, um sich immer darauf vorzubereiten.

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  10. ANONYM sagt:
    23. Januar 2026 um 18:43 Uhr

    Ich finde es blöd das viele aus meiner Klasse öfters bis zu 3 -4 mal abgefragt werden,während andere nur 1 bis gar kein Mal abgefragt werden. Oft war es bei mir so,dass ich mir in den Pausen noch alles reingequetscht habe. Doch ich finde es immer wieder beängstigend wenn dann Lehrer mit Zufallsgenerator kommen und man dann die Ganze Zeit Angst hat das man drankommt. Aber es gibt trotzdem noch ein paar Lehrer die die Abfragen ankündigen vorallem auch wer in der nächsten Stunde drankommt. An die anderen Lehrer bitte seid so nett und kündigt die Abfragen an.

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