Korallen in Gefahr; Die unbemerkte Klimakrise unter der Meeresoberfläche
von Paula Riedl, Laura Brackmann und Leonie Brüderer
In Rahmen der Wissenschaftswoche der 11. Klassen hat sich die Gruppe von Frau Landeck und Frau Damas mit dem Korallensterben genauer beschäftigt. Paula Riedl, Laura Brackmann und Leonie Brüderer haben für euch geforscht, recherchiert und ein Experiment durchgeführt! Fest steht, wenn wir in 10 Jahren zwischen bunten Fischen und Korallenriffen tauchen wollen, müssen wir dringend etwas verändern.
Was sind Korallen überhaupt?
Korallen sind komplexe Ökosysteme, die mehr als eine Millionen verschiedene Meeresbewohner beherbergen. Sie bedecken mit einer Fläche von ca. 600.000 Quadratkilometern nur 1% des Meeresbodens, dienen aber als Biotop für rund ¼ aller Meeresbewohner. Sie leben in einer Biozönose, das bedeutet als Gemeinschaft und in Abhängigkeit voneinander. Man findet dort eine große Artenvielfalt, zum Beispiel Fische, Algen, Würmer, Weichtiere, Krebstiere und Mikroorganismen.
Welche Arten von Korallenriffen gibt es?
Um unsere Nachforschungen verstehen zu können, unterteilen wir in zwei Arten von Korallenriffen.
Tropische Korallenriffe
Die wohl bekanntesten Korallenriffen sind die tropischen. Wenn man sich ein Korallenriff vorstellt, denkt man vermutlich sofort an knallige Farben, viele kleine Fische und schnorcheln in Küstennähe. Sie stellen ca. 80-90% der Weltweitbekannten Riffe dar und erstrecken sich zwischen 30° nördlicher und 30° südlicher Breite. Das liegt daran, das tropische Korallenriffe eine konstante Temperatur von mindestens 20°C zum überleben benötigen.

Tiefwasserriffe
Korallen in Tiefwasserriffen hingegen können auch bei völliger Dunkelheit und Temperaturen von weit unter 20°C wachsen und gedeien. Man findet sie unteranderem auch in der Nord- und Ostsee, dem Mittelmeer und den norwegischen Fjorden. Sie sind nicht auf Sonnenlicht als Energiequelle angewiesen, sondern ernähren sich durch das Filtrieren von Zooplankton, welche ihnen die benötigte Energie liefern. Sie stellen nur 10-20% aller Korallenriffe dar.

Wie kommt es zu Korallensterben?
Für das Korallensterben gibt es mehrere Gründe. Diese resultieren hauptsächlich aus dem vom Menschen verursachten Klimawandel.
Der Anstieg des Meeresspiegels
Durch den Anstieg des Meeresspiegels wird die Entfernung zwischen den Korallen am Meeresboden und der Wasseroberfläche immer größer. Viele Korallen sind allerdings auf das Sonnenlicht angewiesen, da die Algen in den Korallen das Licht für die Photosynthese und somit für die Energiegewinnung benötigen. Sie verfügen im Zuge dessen über ungenügend Zucker und Sauerstoff, welche essentiell zum Überleben, für den Wachstum und die Fortpflanzung der Korallen sind.
Extreme Wetterbedingungen
Durch Stürme und Sturmfluten wird der Meeresboden stark aufgewühlt, wodurch die Korallenriffe enormen Kräften ausgesetzt sind. Korallen werden verletzt, weshalb sie anfälliger für Krankheiten und Korallenbleiche sind.
Ozeanerwärmung
Durch die Ozeanerwärmung ist der Licht- und Wärmezufluss bei der Photosynthese höher. Das bringt einen Teilprozess der Photosynthese aus dem Gleichgewicht. Dadurch entgehen aggressive Zellgifte, die Zellorganismen, der sich im Koralleninneren befindenden Algen, angreifen. Diese Algen nennt man Zooxanthellen und sie stellen den Hauptenergiezufluss der Korallen dar. Dessen Zellmembranen, Proteine und Erbinformationen werden durch die Zellgifte zerstört und die Koralle stößt sie aus Gründen von Selbstschutz aus. Die Hauptnahrungsquelle fehlt der Koralle somit und sie verliert sowohl Farbe, als auch Immunabwehr. Sie ist also insgesamt geschwächt, kann sich allerdings durch neu wachsende Zooxanthellen wieder erholen.
Die Korallenbleiche findet dem zu Folge nur in flachen Meeresgebieten, also tropischen Korallenriffen statt.

https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/au
Ozeanversauerung
Durch den vom Menschen geschaffenen Treibhauseffekt gelangt mehr CO2 in die Luft. Etwa 1/3 des vom Menschen verursachten CO2 wird vom Meereswasser aufgenommen und löst sich darin. Durch eine chemische Reaktion sinkt der pH-Wert des Meerwassers. Es wird saurer. Dies stellt ein drastisches Problem dar, da der saure Charakter des Wassers die Korallen am Aufbau, beziehungsweise beim Erhalten ihres Kalkskelettes hindert. Sie werden brüchiger, sind anfälliger für Krankheiten und können ausbleichen.
Im kalten Wasser löst sich CO2 schneller, weshalb der pH-Wert dort niedriger ist. Meeresversauerung findet also hauptsächlich in kalten Regionen und somit auch Tiefwasserriffen statt.
Für das Problem der Übersauerung haben wir einen Versuch durchgeführt. Wir haben Salz in Wasser gelößt, um Meerwasser zu Simulieren. Wir haben dann CO2 hinzugefügt, um die Veränderung des pH-Werts beobachten zu können. Aufgezeichnet haben wir dies mit dem Programm „Graphical“. Wir können eine klar, abfallende Kurve erkennen. Diese Erkenntnis beweist unsere Recherche und zeigt, welchen Einfluss CO2 auf das Meerwasser hat. Der pH-Wert sinkt von ca. 7,5 auf ca. 6,4.

Welche Auswirkungen hat das Korallensterben für uns Menschen in Europa?
Der Verlust von Korallenriffen hat nicht nur das Artensterben vieler Meeresbewohner und das damit verbundene Zusammenbrechen der natürlichen Nahrungskette zur Folge, denn auch für uns Menschen ergeben sich drastische Probleme.
Zum einen dienen gesunde Korallenriffe als natürliche Wellenbrecher und als Barriere für starke Meeresströmungen. Das bedeutet, sie schützen die Meeresküste vor gewaltigen Sturmfluten, Tsunamis und Bodenerosionen. Mit ihrem Verlust entsteht ein großes Überschwemmungs- und Zerstörungsrisiko von Küstendörfern und der Infrastruktur.
Durch das Absterben von Korallenriffen, wird der Lebensraum von vielen Tierarten zerstört, der teilweise essenziell für ihr Überleben ist. Das Sterben vieler Fischarten hat nicht nur den Rückgang einer wichtigen Nahrungsquelle für uns Menschen zur Folge, sondern auch den Verlust der marinen Biodiversität (also der Artenvielfalt im Meer).
Kleine Fischerdörfer, die auf den Fischfang angewiesen sind, verlieren durch das Artensterben ihren Lebensunterhalt und somit auch ihre Lebensgrundlage.
Weltweit sind über eine halbe Milliarde Menschen von Korallenriffen für Ernährung, Einkommen und Schutz abhängig.
Was können wir tun?
Nun stellt sich die Frage: Wie können wir, auch wenn wir nicht in einer Umgebung mit Korallenriffen leben, dazu beitragen, dass diese mehr vom Aussterben bewahrt werden?
Mit diesen einfachen Schritten kann jeder von uns ein kleines Stück dabei helfen:
Das Klima so weit es geht, schützen
Weniger Auto fahren, stattdessen Bus, Bahn oder Fahrrad nutzen, Strom sparen und Ökostrom beziehen sowie den Fleischkonsum reduzieren – all das hilft, den CO₂-Ausstoß zu senken. Der Klimawandel verursacht die gefährliche Korallenbleiche und bedroht viele Riffe weltweit.
Die Meere sauber halten
Neben dem Klimaschutz sollten wir auch unsere Meere vor Verschmutzung wahren: Weniger Plastik kaufen, Medikamente und Chemikalien niemals über den Abfluss entsorgen und umweltfreundliche Produkte verwenden. Viele Schadstoffe aus Europa gelangen über Flüsse zu den Riffen.
Projekte und Organisationen unterstützen
Wer möchte, kann außerdem seriöse Meeresschutz-Organisationen finanziell oder durch Crowdfunding unterstützen. Projekte zur Korallenaufforstung oder zum Schutz der Meere sind oft auf Spenden angewiesen.
Urlaube riffschonend gestalten
Riffgebiete nur mit zertifizierten Anbietern besuchen. Souvenirs wie Korallen, Muscheln oder Riff-Tiere ablehnen, denn das unterstützt illegale Sammlung. Beim Tauchen/Schnorcheln Abstand von den Korallen halten und Sonnenmilch mit „Reef Safe”-Siegel verwenden, damit sie keinen Schadstoffen ausgesetzt werden. Das bewusste Verhalten im Urlaub verhindert direkte Schäden und fördert langfristigen Schutz vor Ort.
Titelbild: CC0 Public Domain von Petr Kratochvil https://www.publicdomainpictures.net/de/view-image.php?image=314254&picture=korallenriff
Herr Dr. Brunner, unser Schulleiter ist ein begeisterter Taucher und hat sich netterweise Zeit für ein kleines Interview mit uns genommen.