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Moxos – Als der Barock im Regenwald Wurzeln schlug

23. Oktober 2026 7 Mins Read
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Barockmusik aus dem bolivianischen Regenwald in unserer Aula – wie passt das alles zusammen? Das Ensamble Moxos brachte die Antwort am vergangenen Samstag auf die Bühne: mit selbstgebauten Geigen, vollen Stimmen, Trommeln und gewaltigen Panflöten zeugen die Musiker von einer einzigartigen Kolonialgeschichte und der verbindenden Kraft der Musik. Die Musik der Moxos bringt europäischen Barock mit den älteren musikalischen Traditionen ihrer Heimat zusammen und erzählt in Tanz und Schauspiel von ihrer Geschichte. Wir haben zugehört, nach den Ursprüngen dieser Verbindung gefragt und mit dem jungen Ensemblemitglied Pablo gesprochen.

Barockmusik aus dem Regenwald

Das Ensamble Moxos war auf der Durchreise und bezauberte uns am Samstag mit seiner Musik. Der erste Teil war dabei ganz der Barockmusik des 17. und 18. Jahrhunderts gewidmet. Geleitet von Raquel Maldonado sangen zunächst auch einige Schülerinnen und Lehrerinnen unserer Schule das Sacris Solemnis mit. Besonders in Erinnerung blieb das Lied Beatus Vir der Sängerin Jesica Tibusa. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme füllte sie unsere Aula.

Ein ganz besonderer Klang

Musiziert wird ausschließlich mit Barockinstrumenten, diese unterscheiden sich in ihrem eigentümlich verbogenen Bögen und dem dünnem Klang von heutigen. Die Instrumente des Barock waren insgesamt noch weniger kräftig und vielseitig als die heutigen eines Sinfonieorchesters. Doch sie haben ihren ganz eigenen Charme, eine große Leichtigkeit und Einfachheit. Die pure Musik kommt mit dieser Art von Instrumenten und den wundervoll klaren Stimmen zum Strahlen. Genau das steht auch beim Musizieren des Ensamble Moxos im Vordergrund, den Genuss der Musik in ihrer ganzen Reinheit für alle zugänglich zu machen. Die Besonderheit des Ensamble Moxos liegt darin, dass sie diese Art des Musizierens mit der traditionell bolivianischen Musik vereinen. Im Zusammenspiel von Trommeln, Blockflöten, Geigen, Celli, Kontrabässen, einer Orgel und riesigen Panflöten wurde hörbar, wie europäische Barockmusik und bolivianische Traditionen zusammenfinden.

Verschlungene Wege der Überlieferung – eine musikalische Verschmelzung

Doch wie kommen diese Klänge in eine so entlegene Gegend wie das Tiefland von Moxos, eine Provinz im Norden Boliviens, die fast so groß ist wie ganz Franken, aber nur doppelt so viele Einwohner wie Veitshöchheim hat. Im 17. Jahrhundert gründeten europäische Jesuiten tief im Amazonasurwald sogenannte Reduktionen. Die Idee war die einheimische Bevölkerung an einem Ort zusammenzubringen, einmal um ihnen den christlichen Glauben und eine sesshafte Lebensweise zu vermitteln, aber auch um sie vor den spanischen und portugiesischen Sklavenjägern zu schützen, die überall sonst Jagd auf die indigenen Mojos machten.

Musik – was sonst, wenn man sich nicht versteht?

Als ein Hauptmittel der Mission diente die Musik. So fuhren Jesuiten in den Urwald und spielten dort Geige oder sangen geistliche Lieder. Neugierig und oft fasziniert von den ungewohnten Klängen legten die Mojos ihre Scheu vor den Fremden ab und folgten den Jesuiten in die neuen Siedlungen. Die Jesuiten versuchten dabei nicht, die Kultur der Einheimischen völlig zu verdrängen, sondern sie mit dem neuen Glauben zu verbinden. Bald entstanden Musikschulen und die festliche Barockmusik wurde ein alltäglicher Bestandteil des täglichen Lebens in den Reduktionen, in denen die Einheimischen unter Leitung der Jesuiten eine europäisch-indigene Mischkultur entwickelten.

Neue Instrumente

Sehr schnell lernten die Mojos nicht nur die Instrumente der Europäer zu spielen, sondern sie auch auf ihre eigene Art nachzubauen und um eigene traditionelle Instrumente zu ergänzen. Und so wie mit den Instrumenten geschah es auch mit der Musik, bei deren Komposition einheimische Rhythmen und Gesänge mit der barocken Polyphonie verschmolzen.

Als 1767 schließlich die Jesuiten von den Spaniern vertrieben wurden, zerfielen viele der Reduktionen und die Indios wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, andere flohen in die Wälder oder wanderten in die großen Städte an der Küste aus.

Ein musikalisches Archiv im Regenwald

Im heutigen Bolivien konnten sich einige der Missionen halten und erhielten so auch die musikalische Tradition aus der Barockzeit und die prächtigen Holzkirchen, die als Bauwerke bis heute ein Zeugnis der Verschmelzung zweier Kulturen darstellen. Viele Werke des italienischen Jesuiten und Komponisten Domenico Zipoli sind erst in den unzerstörten Archiven von San Ignacio des Moxos wiederentdeckt worden. Über Jahrhunderte abgeschrieben und bewahrt von den Mojos. Längst ist auch die Barockmusik und ihre Weiterentwicklung in ihre kulturelle DNA eingegangen.

Iglesia de San Ignacio de Moxos frontal

Trommeln und Federn

Im zweiten Teil des Konzerts standen dann stärker folkloristische Klänge im Vordergrund. Zu den Streichinstrumenten traten nun immer mehr Trommeln und gewaltige Panflöten. So wurde die Musik noch rhythmischer und vielleicht auch noch ein bisschen großartiger.

Dabei beindruckten nicht nur die bunten Gewänder und Federkronen, sondern auch das Schauspiel und der Tanz. Besonders bewegend war die melancholische Darstellung der eigenen Geschichte, die Sammlung der Mojos durch die Jesuiten und am Ende ihre gewaltsame Vertreibung durch spanische Soldaten.

Unsere Playlist

Interview mit einem der jungen Ensemble-Mitglieder: Pablo

In der Pause ist es Charlotte und Jan gelungen, mit Pablo zu sprechen, einem der jungen Gruppenmitglieder. Vielen Dank an unsere Übersetzer, ohne euch hätten wir das nie hinbekommen!

Wenn ihr hören wollt, wie wir das auf Deutsch und Spanisch hinbekommen haben, klickt hier.

Wer lieber lesen will, was wir besprochen haben, kann das im Folgenden tun!

Welches Instrument spielst du und wie bist du dazu gekommen?

Ich spiele Geige und Schlaginstrumente, nämlich Bombo und Caja. Außerdem singe ich im Ensemble. Das sind die drei Dinge, die ich mache.

Wie bist du zu der Gruppe gekommen?

Ich bin der Sohn der Leiterin der Gruppe. Zuerst musste ich an der Musikschule lernen. Als ich dort durch meine Leistungen auffiel, wurde ich eingeladen, Teil der Gruppe zu werden.

Wie fühlst du dich jetzt vor dem Konzert? Bist du nervös oder ist es für dich schon Routine, weil du öfter auftrittst?

Für mich ist das etwas ganz Alltägliches. Ich gebe Konzerte, seit ich zehn Jahre alt bin, und bin eigentlich immer ruhig. Vor dem Konzert muss ich natürlich meine Sachen vorbereiten. Das ist ein Moment der Konzentration. Aber sobald meine Kostüme bereitliegen, meine Geige gestimmt und meine Stimme aufgewärmt ist, bin ich entspannt.

In der Gruppe gibt es ältere und jüngere Mitglieder. Wie ist der Kontakt zwischen den Älteren und euch Jüngeren?

Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Wir sind alle miteinander befreundet, und es ist wie eine Familie. Die Älteren helfen den Jüngeren und geben ihnen Ratschläge. Sie kümmern sich um uns wie Eltern. Wir Jüngeren sind für sie wie ihre Kinder und hören auf sie. Auch wenn sie nicht die Gruppe leiten, hören wir auf sie, weil sie älter sind und mehr Erfahrung in der Gruppe haben.

Was gefällt dir besonders, wenn du auftrittst? Was waren bisher die besten Momente? Und was gefällt dir weniger?

Es gibt nichts, was mir überhaupt nicht gefällt. Wenn ich singe, werde ich allerdings etwas schneller müde, weil es körperlich anstrengender ist. Beim Singen ermüde ich am meisten. Das Geigenspielen fällt mir leicht, dabei werde ich nicht so müde.

Gibt es etwas, das du besonders gerne magst?

Jetzt verrate ich euch schon etwas über das Konzert: Ich mag besonders unseren Auftritt mit den Schiffen. Das ist ein Tanz, bei dem wir Perücken tragen. Das werdet ihr sehen. Wir stellen Matrosen oder Piraten dar, ungefähr so könnt ihr euch das vorstellen. Ein anderer Moment ist das Theaterspielen. In einem Teil der Aufführung spielen wir auch Theater. Wir stellen die Vertreibung der Jesuiten aus Lateinamerika dar. Und dann sind da noch die Tänze. Ich tanze ebenfalls sehr gerne.

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