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Es whispert in der Aula — Lesung und Interview mit Autorin Isabel Abedi

16. Juli 2026 8 Mins Read
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von Julia P. und Cara S.

Eine echte Kinder- und Jugendbuchautorin treffen, von ihr vorgelesen bekommen und dann auch noch Fragen stellen und Bücher signieren lassen? Am GymVhh? Genau diese Gelegenheit hatten die 7. und 8. Klassen am vergangenen Dienstag. Denn dort besuchte uns Isabel Abedi, eine international bekannte Autorin. Was sie vorgelesen hat und welche Fragen sie uns im Interview beantwortet hat, könnt ihr genau hier lesen!

Isabel Abedis Mystery-Thriller „Whisper“

Enthält Spoiler:

Der Jugendroman „Whisper“ handelt von der 16-jährigen Noa, die mit ihrer Mutter Kat und deren Freund Gilbert und ihren zwei dicken Katzen die Ferien in einem alten Haus in einem kleinen Kaff verbringt. Schon bald merkt Noa, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Gemeinsam mit David, einem Jungen aus dem Dorf, den sie sehr ansprechend findet, versucht sie das Geheimnis zu lösen. Durch eine Geisterbeschwörung nehmen sie Kontakt zu Eliza auf, einem Mädchen, das vor 30 Jahren in dem Haus ermordet wurde. Noa und David beginnen nachzuforschen und stoßen dabei auf viele Geheimnisse und Lügen. Am Ende gelingt es ihnen, den Mord an Eliza aufzuklären.

Die Lesung

Zu Beginn stellte Isabel Abedi sich vor und erklärte einige Dinge zu ihrem Buch. Dann durften wir alle in die Geschichte eintauchen, während sie uns das erste Kapitel des Buches „Whisper“ vorlas. Zwischendurch hatten die Schüler und Schülerinnen schon die Gelegenheit, Fragen zu stellen, doch sie erzählte auch selbst einige Funfacts und Hintergrundinfos. So erfuhren wir unter anderem, dass die Inspiration, dieses Buch zu schreiben, von einem Haus kommt, welches tatsächlich existiert. Sie selbst hat zu ihrer Jugendzeit in diesem Haus gelebt und auch das Dorf ist genau so, wie es in dem Buch beschrieben wird. Nach einer Zeit lieferte das dann die Grundlage für ihr Buch „Whisper“.

Die Aula ist voll,
wenn Isabell Abedi liest.
Am Ende gab es Zeit, die Bücher signieren zu lassen.

Und wie fanden es die Schüler?

„Mir hat die Lesung von Isabel Abedi richtig gut gefallen. Ich fand es spannend, dass wir eine echte Autorin kennenlernen konnten. Es ist etwas anderes, wenn man die Person trifft, die das Buch geschrieben hat, das man gerade selbst liest.

Ich finde das Buch Whisper selber sehr spannend und lese es gerne. Beim Vorlesen hat Isabel Abedi die Geschichte lebendig erzählt. Dadurch konnte ich mir alles noch besser vorstellen. Nach der Lesung hatte ich noch mehr Lust, weiterzulesen, weil ich wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht. Außerdem war auch cool, dass wir das Buch nach der Lesung signieren lassen konnten.

Ich fand es auch interessant, dass sie erzählt hat, wie sie auf ihre Ideen kommt und wie sie Bücher schreibt. Jetzt weiß ich, dass man viel Fantasie braucht und dass das Schreiben auch viel Zeit kostet. Toll war natürlich auch, wie sie erzählt hat, wie sie auf diese Ideen gekommen ist und es ist auch toll, dass sie eigene Erlebnisse in das Buch bringt.

Am besten fand ich, dass Isabel Abedi so nett war und alle Fragen beantwortet hat. Man hat gemerkt, dass sie Spaß am Schreiben hat. Die Lesung war überhaupt nicht langweilig und die Zeit ist schnell vergangen.
Es war eine schöne Erfahrung und ich werde mich bestimmt noch lange daran erinnern.“

Eleah, 7c

Isabel Abedi im Interview

Wie sind sie auf das Schreiben gekommen?

Unbewusst habe ich mir schon seit meiner Kindheit Geschichten ausgedacht – viele davon entstanden nachts, wenn ich nicht einschlafen konnte. In diesen Geschichten war ich selbst die Hauptfigur.

Zum Schreiben bin ich mit dem Wunsch gekommen, einen Teil meiner eigenen Geschichte aufzuarbeiten. Ich bin ohne Vater aufgewachsen und wollte darüber schreiben, ohne eine Autobiografie zu verfassen. Stattdessen wollte ich dieses Gefühl in eine fiktive Geschichte übertragen. Daraus entstand Imago, mein erster Roman.

Damals arbeitete ich noch in einer Werbeagentur und schrieb den Roman parallel zu meiner Berufstätigkeit und dem Familienleben. Meine jüngste Tochter war gerade geboren, und ich benötigte insgesamt sieben Jahre, um das Buch fertigzustellen. Das lag auch daran, dass ich morgens bereits um vier oder fünf Uhr aufstand und von fünf bis sieben Uhr schrieb, um möglichst viel Zeit mit meiner Tochter verbringen zu können.

Das war der erste Roman, der sehr dringend aus mir herauswollte.

Haben sie insgesamt ein größeres Ziel, das sie mit Ihren Büchern erreichen wollen?

Ich weiß nicht, ob es sich eher um ein Ziel oder um einen Wunsch handelt. Wenn ich an ein Ziel denke, habe ich das Gefühl, dort unbedingt ankommen zu müssen. Ein Wunsch hingegen beschreibt für mich eher einen Prozess – den Weg, ihn zu verwirklichen. In diesem Sinne ist der Wunsch der Weg zum Ziel.

Früher geschah das Schreiben weniger bewusst. Geschichten fanden mich oder kamen zu mir, und ich schrieb sie auf. Heute ist mir vieles stärker bewusst. Ein großer Wunsch von mir ist beispielsweise, dass meine Bücher rassismus- und diskriminierungssensibel sind. In diesem Prozess habe ich erkannt, dass ich in früheren Büchern rassistische und diskriminierende Sprache verwendet habe. Deshalb habe ich unter anderem die Lola-Reihe vom Markt genommen und gemeinsam mit einer Sensitivity Readerin überarbeitet. Diskriminierung umfasst schließlich nicht nur Rassismus, sondern viele weitere Formen der Benachteiligung.

Dieser Prozess bedeutete für mich vor allem, meine eigenen Werke noch einmal kritisch zu betrachten. Ich bin heute Ende fünfzig, viele meiner Bücher entstanden zwischen meinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr – in einer anderen Zeit und unter anderen gesellschaftlichen Voraussetzungen. Für mich gibt es daher ein deutliches Davor und Danach.

Beim Schreiben ist es mir heute besonders wichtig, authentisch zu sein. Das bedeutet, die Figuren und ihre Lebensrealitäten möglichst gut zu kennen, bevor ich aus ihrer Perspektive erzähle. Bei der Lola-Reihe fiel mir das leichter, weil mein Exmann Brasilianer ist und ich selbst einen iranischen Hintergrund habe. Unsere beiden Töchter sind mit diesen kulturellen Prägungen aufgewachsen.

Letztlich geht es in meinen Büchern immer um Verbindung – innerhalb von Familien ebenso wie zwischen Freund*innen. Es geht darum, Brücken zu bauen, Zusammenhalt zu fördern und Menschen miteinander in Verbindung zu bringen. Das ist das, was mir beim Schreiben heute besonders wichtig ist.

Sie haben in ihrer Vorlesung davon gesprochen, dass sie beim Schreiben öfter mal Schreibblockaden haben. Was tun sie in solchen Phasen wenn sie feststecken? Haben sie da irgendwelche Tipps und Tricks?

Mein wichtigster Tipp wäre: Schaut, was für euch passt. Mein zweitwichtigster Tipp wäre: Lasst euch von niemandem erzählen, dass sich eine Schreibblockade nur auf eine bestimmte Art überwinden lässt. Daran glaube ich nicht.

Bei mir funktioniert es zum Beispiel nicht, mich einfach hinzusetzen und zu schreiben, auch wenn es nur fünf Minuten sind, wie oft empfohlen wird. Eine Schreibblockade ist für mich häufig ein Zeichen dafür, dass mit der Geschichte etwas nicht stimmt und ich erst verstehen muss, warum. Warum ist da gerade eine Bremse? Warum komme ich an dieser Stelle nicht weiter? Das kann ich selten am Schreibtisch lösen. Dafür brauche ich Abstand.

Mir helfen heißes Baden oder Duschen, Spazierengehen, Fahrradfahren, Gespräche mit anderen Menschen – und auch, die eigene Frustration auszuhalten. Manchmal dauert das eine ganze Weile. Ich habe einen Kreis von Menschen, denen ich vertraue und mit denen ich dann spreche.

Es ist eine Art aktives Warten und aktives Zuhören. Ich frage dann: „Hey Geschichte, warum gehst du gerade nicht weiter? Hat das etwas mit mir zu tun? Bin ich gerade verstimmt oder voller Zweifel? Oder stimmt tatsächlich etwas mit der Geschichte nicht?“

Achtung, es folgt ein kleiner Spoiler für Whisper: Beim Schreiben dieses Romans hatte ich genau so eine Blockade. Ich hatte die Geschichte begonnen, in der der Geist eines Mädchens behauptet, in einem Haus ermordet worden zu sein. Die Jugendlichen spielen dieses Spiel, sie meldet sich, und dann werden sie von einem Gewitter unterbrochen. Die logische Fortsetzung wäre gewesen, dass sie versuchen, das Spiel erneut zu spielen. Das wollte ich auch.

Aber was würde eine tote Person als Erstes sagen, wenn sie noch einmal die Möglichkeit hätte, mit Menschen zu sprechen? Natürlich den Namen des Mörders oder der Mörderin. Sie würde wollen, dass diese Person zur Rechenschaft gezogen wird. Da wurde mir klar: Das funktioniert nicht. Sobald sie das Spiel weiterspielen, würde sie sofort verraten, wer es war. An dieser Stelle kam ich nicht weiter.

Ich habe damals viel mit meiner älteren Tochter darüber gesprochen. Irgendwann entstand die Idee, dass genau das zu Elizas Persönlichkeit gehören könnte: dass sie selbst aus dem Jenseits heraus mit den Menschen spielt und sagt: „Das ist mein Ding. Ich spiele mit euch.“ Plötzlich passte alles zu ihrem Charakter – und ich konnte weiterschreiben.

Das war eine Blockade, die ich nicht dadurch hätte lösen können, dass ich mich einfach hinsetze und fünf Minuten schreibe.

Gibts irgendeine Ihrer Figuren, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist und wenn ja, warum?

Viele. Natürlich vor allem die Figuren, aus deren Perspektive ich schreibe. Um bei Whisper zu bleiben: Eliza finde ich tatsächlich besonders faszinierend. Sie kommt nur selten vor und ist für mich trotzdem eine sehr komplexe Figur. Ich habe ein sehr klares und vielschichtiges Bild von ihr, obwohl sie im Buch nur wenig Raum einnimmt.

In Lucian ist es der Englischlehrer Tiger. Er hat eine besondere Geschichte, auf die ich jetzt allerdings nicht näher eingehen kann. Aber er ist eine Figur, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.

Eigentlich gibt es in jedem Roman Figuren, die mir besonders nah sind, und andere, zu denen ich etwas mehr Abstand habe.

Das war für sie die schönste Szene zu schreiben aus Whisper?

Spannend. Über die Jahrzehnte hinweg lese ich bei Lesungen meist immer nur bestimmte Szenen. Den Rest muss ich mir erst wieder ins Gedächtnis rufen. Ich würde sagen, die ersten Liebesszenen zwischen David und Noa waren für mich besonders schön zu schreiben.

Gibt es abschließend irgendwas, das sie wollen, dass Leser besonders aus ihren Büchern mitnehmen?

Es gibt eigentlich nichts, bei dem ich sagen würde: Das möchte ich, dass ihr aus meinen Büchern mitnehmt. Für mich ist vielmehr die Frage: Was nehmt ihr aus den Büchern mit? Gibt es etwas, was ihr aus den Büchern mitnehmt? Das würde ich nicht gerne vorschreiben und es kommt natürlich auf die Lesenden an. 


Ich habe erzählt, dass ich nicht in den Iran einreisen konnte – beziehungsweise dass eine Einreise mit Gefahren verbunden gewesen wäre. Und da hab ich eine Botschaft an die Jugendlichen geschickt und gesagt, dass ich mir für sie wünsche, dass sie für immer die Freiheit im Herzen behalten, dass wir im Herzen frei sind, dass Gedanken frei sind und dass sie das als Kraft für sich nutzen können. Das war ein Wunsch, den ich dahin geschickt habe.

Wie Isabel Abedi selbst ihren Besuch bei uns am Gymnasium fand und vor allem auch unsere Profi-Interviewer vom Mammut, könnt ihr auf ihrer Instagram-Seite nachlesen.

https://www.instagram.com/stories/highlights/17866026657632826/

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One Comment

  1. Elizaisback sagt:
    17. Juli 2026 um 20:59 Uhr

    Toller Artikel! Weiter so!

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    Antworten

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