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Kultur

Der zerbrochene Krug – Berichte aus der letzten Reihe

12. März 2026 8 Mins Read
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Titelbild: LTT/Tobias Metz

Schweinfurt ist für uns nicht die nächste Adresse, wenn es um Theater geht. Trotzdem sind wir mit 85 Personen mit dem größten Bus, den die Firma Lyst zu bieten hatte, dorthin gefahren. Ziel war eine Inszenierung von Heinrich Kleists “Zerbrochenen Krug.” Das lag sicher ausschließlich an der Erwartung eines exzellenten Theaterabends – und vielleicht als klitzekleines Nebenmotiv auch daran, dass das Stück in den nächsten Jahren im Abitur vorkommen würde.

Und worum geht es in dem Krug?

Das Theaterstück spielt im fiktiven Dorf Husum in den Niederlanden. In dem Stück geht es um eine Gerichtsverhandlung. Dabei soll geklärt werden, wer einen Krug zerbrochen hat. Der Krug gehört Frau Marthe Rull. Sie glaubt, dass Ruprecht, der Freund ihrer Tochter Eve, den Krug kaputt gemacht hat. Er war in der Nacht in Eves Zimmer, deshalb wird er beschuldigt. Eigentlich geht es dabei aber natürlich um deren Jungfräulichkeit und Ehre.

Der Dorfrichter Adam leitet die Verhandlung. Dabei ist er in einer scheußlichen Lage, denn ausgerechnet an diesem Morgen hat sich ein Vorgesetzter eingefunden, um zu prüfen, wie Adam arbeitet. Schon am Anfang wirkt er nervös und verhält sich merkwürdig. Während der Befragung erzählt jeder etwas anderes. Adam verstrickt sich dabei immer mehr in Widersprüche. Nach und nach kommt die Wahrheit heraus: Nicht Ruprecht hat den Krug zerbrochen. Dorfrichter Adam war selbst in der Nacht in Eves Zimmer. Diese hatte ihn dazu auch keineswegs freiwillig eingeladen. Als er schnell durch das Fenster fliehen wollte, hat er den Krug aus Versehen zerbrochen. Am Ende wird Adams Schuld entdeckt.

Die Komik des Stücks liegt daran, dass derjenige, der die Angelegenheit aufklären soll, gleichzeitig versucht, alles zu vertuschen und sich am Ende aber doch selbst entlarvt.

Kritisch beobachtet Frau Gerichtsrätin Walter den Dorfrichter Adam bei der Vernehmung der Konfliktparteien.
Bild: LTT/Tobias Metz

Unsere Erwartungen noch auf der Hinfahrt

Gruppe, die anonym bleiben will

Wir haben keine großen Erwartungen, außer dass das Theaterstück besser sein soll als das Buch. Zudem wäre es schön, wenn man nach der Vorstellung endlich eine visuelle Vorstellung zu der Lektüre hat. Außerdem gibt hohe Erwartungen, was das Thema hotte Schauspieler angeht.

Cara Schmeller

Ich habe noch keinen Bezug zu dem Stück und dementsprechend keine Erwartungen. Ich hoffe aber, dass die schauspielerischen Leistungen überzeugend sind und wir mit den Leuten hier einen schönen Abend haben.

Coralie Quadt

Wir hoffen, dass das Stück nah an der Orginallektüre bleibt und keine moderne Interpretation miteingebaut wird.

Die Spielstätte

Das Theater in Schweinfurt wird gerade umgebaut … scheint ein häufiges Phänomen in Mainfranken zu sein. Wir fuhren daher zur Ersatzspielstätte im evangelischen Gemeindehaus, einer riesigen ca. 100 Jahre alten Halle, die seit nun 4 Jahren das Theater beherbergt. Das Schweinfurter Theater ist ein sogenanntes Bespieltheater, d.h. es hat kein eigenes Ensemble von Schauspielern und lädt dafür auswärtige Theater, diesmal das Landestheater Tübingen, zu Gastinszenierungen. Das hat den Vorteil, dass es dort alle paar Tage etwas Neues zu sehen gibt und den Nachteil, dass es dort alle paar Tage etwas Neues zu sehen gibt. Kleists Werk gab es daher genau einmal in Schweinfurt und so waren fast ausschließlich Schüler anwesend, die meisten vermutlich nicht freiwillig, wie sich noch herausstellen sollte.

Das ersetzt 85 Karten, praktisch oder? Nein.

Es gab zunächst einmal ein ziemliches Durcheinander, was auch dadurch nicht besser wurde, dass es keine Platzkarten gab und stattdessen für uns 85 Theaterbesucher 1 (!) Zettel, auf dem unsere Plätze vermerkt waren. So dauerte es etwas, bis wir Platz nehmen konnten. Die allermeisten dieser Plätze befanden sich dann sehr weit weg von der Bühne auf einem Balkon und dort in den letzten beiden Reihen. Das war nicht gut. Von dort aus sah man wenig und verstand noch weniger. Warum hatten wir diese Platzierung? Rechtzeitig gebucht hatten wir ja!

Die Klogänger – das sind die anderen

Man sollte Jugendliche nicht nötigen, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Tut man es doch, schauen viele viel Zeit auf ihr Handy und immer wieder mal stehen irgendwelche Jungs in Kleingruppen auf, um sich über den knarrenden Boden auf den Weg zum Klo zu machen, gemeinsam haben sie sich wahrscheinlich sicherer gefühlt. Liebe Theaterfreunde vom GymVHH – es ist so schön mit euch! Manchmal braucht man den Kontrast, um das so richtig zu merken! Die Hölle sind die anderen – vor allem, die mit schwacher Blase.

Eve und ihr Verlobter Ruprecht. Bild: LTT/Tobias Metz

Und wie war’s?

Die entscheidende Frage des Abends bleibt natürlich: Wie war die Inszenierung? Die Meinungen dazu könnten unterschiedlicher kaum sein.

Coralie Quadt

Meine Erwartungen, dass das Theaterstück klassisch gehalten wird, wurden erfüllt, jedoch fehlte mir die Spannung, die vorhanden war, als ich die Lektüre gelesen habe. Insgesamt, fand ich das Theaterstück in Ordnung, aber etwas zäh.

Isabella Haas und Maren Hetterich

Uns hat das Theaterstück gut gefallen. Es war zwar eine ausgewogene Mischung aus originalem Text und moderner Inszenierung. Dadurch dass wir zuvor im Deutschunterricht die Lektüre bereits gelesen haben, sind uns natürlich auch eine Änderungen bzw. Kürzungen aufgefallen, die uns an einigen Stellen gestört haben, aber z.B. der Geschlechtertausch vom Gerichtsrat zur Gerichtsrätin Walter ist unserer Meinung nach trotzdem eine positive Aufwertung.
Das Ende wich leider von dem originalen Lustspiel ab, wodurch die Flucht Adams und seine Bestrafung in dem Bühnenstück übergangen wurden und es so wirkt, als haben seine Handlungen gar keine Folgen.
Etwas verwirrend war die Rolle der Frau Brigitte, die zu Beginn noch die Rolle einer Magd übernahm und in der Mitte plötzlich verschwand, nur um am Ende dann in ihrer eigentlichen Rolle als bedeutendste Zeugin wieder aufzutauchen.
Alles in allem war es trotzdem ein schöner, unterhaltsamer Theaterabend.

Paula Ort

Man hat kaum was verstanden, und wenn hätte man sich extrem konzentrieren müssen. Und an sich waren die Schauspieler gut und vielleicht lag es auch einfach nur am Stück, aber bis auf den Schluss wurde absolut keine Stimmung rübergebracht. Aber dafür war der Schluss um so besser, auch wenn man trotzdem immer noch nichts verstanden hat. Die Szene ging richtig unter die Haut, weil der Schauspieler den Richters so bedrohlich aber trotzdem so ruhig gesprochen hat. Aber was mich ziemlich aufgeregt hat, ist, dass alle die Tatsache, dass der Richter die Tochter vergewaltigt hat (wenn ich die Szene richtig interpretiert habe), am Ende einfach unter den Tisch gekehrt haben und so getan haben, als wäre es nie passiert.

Marie Ratte

Die Inszenierung des Schweinfurter Theaters hätte mich glatt zum Heulen gebracht, wenn ich nur nicht damit beschäftigt gewesen wäre, krampfhaft meine Augen offen zu halten. Nun ja, zwischendrin habe ich tatsächlich in den Hörmodus geschaltet, denn das Sehen war bei dem Stück eindeutig überbewertet. Gab schließlich auch nichts zum Anschauen, außer einem fragwürdigen Bühnenbild und den Schauspielern, die sich in ihrem 5-Meterradius bewegten. Die Dialoge, die sich stark am Originaltext orientierten, standen stark im Kontrast zu den Kostümen. Der Schreiber Licht, der in Kleists Werk einen aufgeklärten Mann darstellt, wurde auf der Bühne mit seinem Rädle und den Neon-Klamotten schnell zum „Anzeigenhauptmeister” umfunktioniert. Ein paar Jungs schienen vor dem Typen auf jeden Fall Angst zu haben, denn sie flohen regelrecht in Scharen, gefühlt jede 10 Minuten, aus dem Saal. Meine Erwartungen an die Inszenierung wurden ohne Frage weit untertroffen, was relativ schade ist, wenn man bedenkt, wie großartig man das Ganze hätte aufziehen können!

Luka

Als Schüler der Kernzielgruppe, die das Original schon im Voraus gelesen hat, bin ich zutiefst ernüchtert. Während ganze 15 Minuten des Stücks praktisch nur mit „eindrucksvoller“ Stille gefüllt waren, schaffte die Inszenierung es trotzdem, wichtige Schlüsselelemente, die den Prozess der Verdachtsverdichtung bei Zuhörern und Figuren vorantreiben, schlichtweg wegzulassen, wobei das drastisch verkürzte Ende, das hier im übrigen positiv für den Richter ausfällt, den Höhepunkt der Enttäuschung markiert. Den Zweck dieser Umschreibung sucht man in der Aufführung vergebens, wird jedoch zum Glück in der Broschüre schnell fündig. Doch macht es dieser nicht besser. Das Patriarchat soll hier kritisiert werden, was im Original sogar eine ziemlich eindeutige moderne Interpretationsmöglichkeit ist, hier nur völlig auseinanderfällt, weil für den Gerichtsrat eine Frau gewählt wurde, wodurch die patriarchale Struktur, unter der das Opfer Eve leidet, plötzlich ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis aufweist. Leider wird dieser Kernfehler durchgängig nur weiter durch Unverständlichkeit, unschlüssiges Schauspiel und unnötige Flachwitze sowie anstößigen „Jugendhumor“ in seinem Effekt unterstützt.

Frau Paulics und Frau Hartmann

Nichts gehört, wenig verstanden, nicht alles gesehen… Zwar gab es keinen zerbrochenen Krug, so doch jede Menge zerbrochene Hoffnungen auf einen schönen Theaterabend. In die rote Mülltüte, welche den zerbrochenen Krug ersetzte, hätte man getrost weite Teile der Inszenierung stecken können. Akustisch kaum verständliche Schauspieler, die grundlegende Bühnenregeln missachten, Regiearbeit, die nicht immer nachvollziehbar war und ein unvollständiges Bühnenbild. Der traurige Tiefpunkt: Die Transformation eines gesellschaftskritischen und durchaus humorvollen Stückes in Langeweile und Banalität. Eine Inszenierung, die statt zum Lachen zum Gähnen einlädt. Lediglich die Schlussszene konnte, trotz der unnötigen Länge, den Theaterbesucher etwas versöhnlich in die Nacht entlassen. Was bleibt? Eine unterhaltsame Hin-und Rückreise, die Rechtfertigung, Dramentexte zu lesen und sich nicht auf die Inszenierung zu verlassen, die Erkenntnis, dass Theaterbesuche einen Beitrag zur Meinungsbildung, Meinungspluralität und kritischen Reflexion leisten.

Bereits von Theater Geschädigter

Theaterstücke sind wie Filme, nie so wie man es vom Buch ausgehend erwartet. Nachdem mein erster Theaterbesuch ja in dem diesjährigen Romeo und Julia war, sind meine Standards aktuell bodenständig. Auch wenn das Stück sich etwas gezogen hat, war es eine merkliche Steigerung! Mir hat besonders das Bühnenbild gefallen. In Summe ein schöner Abend mit guter Inszenierung. 👍

Elisabeth Knorr

Am Anfang wusste ich noch nicht so ganz, was ich von dem Stück halten sollte: modernes Bühnenbild, grelle Kostüme und im Gegensatz dazu die alte Originalsprache. Doch als die Handlung weiterging und immer interessanter wurde, hat mich die Geschichte immer mehr in ihren Bann gezogen. Allerdings sollte ich erwähnen, dass gewisse Jungs, die im 10 Minuten Takt in Grüppchen aufs Klo gingen und sich keine Mühe machten, besonders leise oder unauffällig zu sein, mich doch etwas abgelenkt haben. Die Schlussszene, mit ihren gefühlvollen Monologen hat mich sehr beeindruckt, insgesamt eine gute, wenn auch nicht eine „mich vom Hocker hauende“ Theatererfahrung!

Lauris Schwab

Insgesamt würde ich meine Impression des Theaterstückes als durchmischt bezeichnen. Es war für mich schon früh klar zu erkennen, dass es sich bei „Der zerbrochene Krug“ um ein Drama handelt, das in der Kolonialzeit spielt. Die moderne Gestaltung der Aufführung hat mich daher etwas irritiert, jedoch gab es dabei humorvolle und passende (z.B. die LED-Tafel), aber auch meiner Ansicht nach misslungene Szenen (etwa Nackenmassagen vom Richter am Angeklagten…). Die Botschaft ist glücklicherweise klar bei mir angekommen: Richter oder andere einflussreiche Persönlichkeiten stehen nicht über dem Gesetz – dieses Thema erhält durch die Diskussion um die Epstein-Akten eine bemerkenswerte Aktualität… Insgesamt aber bereue ich den Abend kein bisschen, zumal auch die Busfahrt nach Schweinfurt und zurück entspannt war.

In einer Prozesspause wird gefeiert – “Prostata” Bild: LTT/Tobias Metz

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