Dänische Delikatessen – das lässt das Blut gefrieren
In einer dänischen Kleinstadt hat gerade eine Metzgerei eine neue Faszination hervorgebracht: „Svends Spezialhühnchen“. Das Fleisch ist zart und würzig und irgendwie … menschlich?
Theater im Keller, Stimmung weit oben
Der Besuch am Mittwoch, 25. März war seit langem der erste in den traditionellen Kellerräumen der Theaterwerkstatt. Alle Plätze waren komplett besetzt, die Hälfte davon von uns aus dem GymVHH. Neben Schülern, nicht wenigen Lehrern auch ein paar Mammuts. Die Stimmung war nicht zuletzt wegen der Enge ein wenig klaustrophobisch – was nicht schlecht zum Thema des Stücks gepasst hat – vor allem aber herzlich und gut gelaunt. Dazu trugen nicht nur wir immer freundlichen Veitshöchheimer bei, sondern auch die Schauspielerriege von den freien Würzburger Theatern unmittelbar vor uns, die mit großer Begeisterung das Treiben auf der Bühne feierte. Das war ansteckend und wir hatten manchmal das Gefühl, dass es mehr Schauspieler vor als auf der Bühne gab.
Ein besonderes Highlight war die Musik bestehend aus einem Akkordeon und einer Art Kontrabass, die von Anfang an eine düstere, aber auch irgendwie skurrile Atmosphäre schuf. “Das war jetzt Jazz” wurde das Publikum gleich nach dem ersten Stück aufgeklärt, nur falls es irgendwer nicht mitbekommen hatte. In entscheidenden Momenten wurde die Combo noch verstärkt durch die fantastische Angelina Gerhardt, die nicht nur auf der Bühne mehrere Rollen spielte, sondern auch immer wieder als Sängerin dänische Lieder vortrug. Solcher Art eingestimmt konnte der Abend nur großartig werden – und er wurde es.

Die Handlung
Die Eröffnung der Metzgerei von Svend und Biane wird mit Live Musik, Luftschlangen und Ballons gefeiert. Es gibt nur ein Problem, die Feier bleibt ohne Kundschaft. Die ganze Stadt ist im Laden von Holger Holgerson und kauft seine berühmten Rothirschwürste.
Warnung! Wer noch in das Stück gehen will, sollte das Folgende überspringen.
Währenddessen ist in Svends Laden der Elektriker dabei, das Licht in der Kühlkammer zu reparieren. Doch er braucht länger als gedacht und im nach wie vor kaputten Licht bemerkt keiner, dass der Elektriker nicht, wie gedacht nach Hause gegangen ist, sondern immer noch mit der Reparatur beschäftigt ist. Die Besitzer haben jetzt Feierabend und die Tür zur Kühlkammer wird geschlossen. Am nächsten Morgen ist vom Elektriker in der -15° kalten Kammer selbstverständlich nichts mehr Lebendiges übrig. Als der Ladenbesitzer Svend das sieht, erholt er sich schnell von dem Schock und tüftelt eine Lösung aus. Zum Glück befindet er sich in einer Metzgerei, hier weiß man, wie man mit toten Lebewesen umzugehen hat. Kurz und gut wird der Elektriker zum legendären Spezialhühnchen in Marinade verarbeitet. Plötzlich steht die ganze Stadt vor dem Laden Schlange und will das „Spezialhühnchen“ kosten. Natürlich muss dieser Erfolg weitergehen und daraufhin werden der Makler, Svends Verlobte und eine Krankenschwester in der Kühlkammer ohne viel Federlesen fachmännisch zu Spezialhühnchen weiterarbeitet. Doch eine Auffälligkeit gibt es: Astrids Onkel hat einen Flugzeug Absturz überlebt und musste anschließend seine eigene tote Frau essen, um auf der einsamen Insel nicht zu verhungern. Seltsamer Weise erinnert ihn Svends Spezialhühnchen an seine Frau … geschmacklich.

Wie hat es euch gefallen?
Nils Klinke
Ich fand die Inszenierung wirklich sehr gelungen. Obwohl die Story so makaber ist, wurde das Ganze wirklich stilvoll mit einigen wenigen, gut platzierten Schockmomenten umgesetzt. Besonders positiv sei neben der durchweg guten Schauspielleistung auch die flotte Live-Musik zu erwähnen, die das Stück deutlich aufgelockert hat. Es war – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Mordsspaß!

Celina Heim

Ich war sehr gespannt auf das Stück, weil ich den Originalfilm schon das ein oder andere Mal gesehen habe. Und es hat mir sehr gefallen. Die Schauspieler und Schauspielerinnen haben mit ihren Leistungen überzeugt und zusammen mit dem Bühnenbild und der Musik wurde das Stück richtig lebendig — wobei “lebendig” vielleicht nicht das beste Wort für die dargestellte Handlung an sich ist. Der morbide Humor ist natürlich Geschmackssache, hat bei mir aber auf jeden Fall seine Zielgruppe erreicht. Alles in allem ein sehr tolles Stück!

Jonathan Werner
Der Besuch in der Theaterwerkstatt von Herrn Lazarus war mal wieder ein voller Erfolg. Obwohl ich überhaupt nicht wusste, was mich erwartet, wurde ich sehr positiv überrascht. Die Schauspieler waren erneut grandios, besonders beeindruckt hat mich, wie einige von ihnen in mehrere Rollen schlüpfen konnten. Alles wurde durch die musikalische Begleitung schön abgerundet, und dank des humorvollen Publikums herrschte insgesamt eine tolle Stimmung. Ich kann einen Besuch nur empfehlen.

Antonia Urner
Das Theaterstück „Dänische Delikatesse“ hat mich überrascht. Als ich die Tickets gekauft hatte, hab ich mir ein gruseliges und düsteres Theaterstück vorgestellt. Doch von der ersten Szene an hat sich das Theaterstück als ein lustiges und ungewöhnliches Comedy-Stück herausgestellt. Vorallem die „Inside“ Witze waren total amüsant, die man nur Verstanden hat wenn man vorher aufgepasst hat.
Auch wenn die Bühne im Gegensatz zu dem Mainfranken-Theater sehr klein war, das Bühnenbild und die Kostüme waren mit viel Liebe zum Detail gestaltet und haben die Atmosphäre des Stücks perfekt unterstützt. Selbst die synthetische Wurst sah lecker und echt aus. Durch die kleine Live-Band links von der Bühne hat man das Gefühl bekommen, wirklich in Dänemark zu sitzen was das Stück nochmals untermalte
Insgesamt war es ein sehr gelungenes Theatererlebnis, eines der besten, was ich je hatte. Ein großes Lob an die Schauspieler und Musiker! Ich empfehle dringend es selbst einmal zu besuchen!

Lauris Schwab, 10a
Ein Meisterwerk von höchster Weltklasse, welches ein bestimmter Typ von Menschen vielleicht so dringend gebrauchen könnte wie die Blumen die Sonne. Wer genau hinhört, erkennt die unglaubliche und doch so einfache Botschaft: Zum Erfolg führt eigentlich nur ein glaubhafter Weg, Selbstvertrauen; zu einem wirklich glücklichen Leben doch praktisch nichts Weiteres als andere so zu behandeln, wie man selbst auch behandelt werden möchte.
Wie ich zu dieser außergewöhnlichen Schlussfolgerung komme? Die Geschichte handelt von zwei zutiefst traumatisierten Männern, die ihren Platz in der Welt in einer eigenen Metzgerei suchen. Doch der extreme Erfolgsdruck und der versehentlich im Gefrierraum eingeschlossene Elektriker stoßen eine erwartbare Kettenreaktion an: Der Meister Svendt legitimiert seine Verbrechen durch eine schwere soziale Bindungsstörung, diese bereut er aber gleichzeitig – ein klarer Schrei nach Hilfe und Verzweiflung. Sein nahezu durchgehend berauschter Mitarbeiter Bjarne verhält sich dabei weitaus moralischer, das kommt jedoch ins Wanken, als sein behinderter Bruder und letzter Verwandter aus dem Koma erwacht, wodurch er auf ein riesiges Erbe verzichten müsste. Und am Ende stellen sie fest, dass alles so viel einfacher hätte gehen können. Meine Interpretation werde ich nun trotz besten Willens nicht weiter ausführen, das würde den Rahmen sprengen, wenn ich das nicht schon ungewollt getan habe.
Hervorheben möchte ich aber noch die exzellente schauspielerische Leistung und die wunderschöne dänische Live-Musik. Es bestätigt meine bisherige Erfahrung, dass die kleinsten Theater die besten sind und es sich wirklich lohnt, solche regelmäßig zu besuchen
Barbara Zeller
Mir hat das Stück sehr gut gefallen. Die beiden Hauptfiguren, Svend und Bjarne, super gespielt von Jörg Holländer und Adrian Lazarus, sind mir richtig ans Herz gewachsen, wie sie versuchen, trotz aller Widrigkeiten ihr Leben zu meistern. Allerdings ist mir das Lachen im Laufe des Stücks immer mehr im Hals stecken geblieben… Ich liebe diese Art von Humor! Insgesamt ein toller Theaterabend!
Hamid Shahnawaz, Q12
Live-Musik, talentierte Schauspieler und ein sehr lachfreudiges Publikum: Die Theaterwerkstatt Würzburg überrascht mich immer wieder aufs Neue, wie viel sie aus einem Stück herausholen kann. Die Inszenierung schuf eine entspannte und amüsante Atmosphäre, was man an der Lautstärke der Gelächter erkennen konnte, und ich kann sie nur weiterempfehlen.
Viel Spaß bei eurem Theaterbesuch!
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