Es gibt keinen PLANet B! – Papier oder Tablet, Streaming und KI
Im letzen Artikel haben wir uns nach unserem sehr leckeren Essen, mit vollem Magen der Frage, ob Papier oder Plastik besser ist, gewidmet. Jetzt geht es wieder um Papier, aber diesmal im Bezug auf Tablets.
Ist es besser statt großen Mengen an Papier ein Tablet zu benutzen?


Das durstige Tablet.
Sowohl bei der Produktion als auch bei der Nutzung von Smartphones, Tablets und Co. entstehen CO2-Emissionen. Hinzu kommt, dass für die Herstellung wertvolle Rohstoffe in Minen abgebaut werden, wodurch wieder Wälder abgeholzt werden, viel Wasser verbraucht wird und Eutrophierung passiert. Leider werden die Geräte sogar oftmals frühzeitig durch neuere Modelle ersetzt.
In einem Tablet sind bis zu 30 g Lithium. Zur Gewinnung eines Kilogramms Lithium werden 400-2000 Liter Wasser benötigt. Das heißt für ein Tablet werden allein für die 30 g Lithium 12.000 – 60.000 Liter Wasser verbraucht.
Papier- oder Onlinezeitung?
Es ist klar, dass, wenn man viele technische Geräte und auch viel unrecyceltes Papier verwendet, es sehr belastend für die Umwelt ist. Ob jetzt aber Papier umweltfreundlicher und klimaschonender ist als Tablets, kommt wie gesagt auf die Menge des Papiers, die Nutzung des Tablets und, ob recycelte Produkte verwendet werden, an. Wenn ihr die Umweltauswirkungen von Papier nochmal genauer nachlesen wollt, dann macht das doch im letzten Artikel. Forschende haben bei einer Analyse, ob Papierzeitungen oder Onlinezeitungen umweltfreundlicher sind, herausgefunden, dass wenn Online-Zeitungen sehr häufig und lange gelesen werden, die Treibhausgas-Emissionen steigen, denn die Datenübertragung und der Betrieb des Geräts benötigen Strom. Im Gegensatz dazu spielt es bei einer Print-Ausgabe keine Rolle, wie oft oder von wie vielen Personen ein Exemplar gelesen wird – die Treibhausgasemissionen fallen lediglich bei der Herstellung und bei der Verteilung an.
Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Print- oder die Online-Zeitung mehr Emissionen verursacht, gibt es nicht. In einer 2015 publizierten Analyse geht Greenpeace davon aus, dass im Durchschnitt die Klimaauswirkungen von Online-Ausgaben geringer sind als die von Print-Ausgaben. Wird aber eine Papierzeitung mehr als eine halbe Stunde lang oder von mehr als drei Personen gelesen, ist sie ökologischer als die elektronische Version.
Wir lesen jetzt wahrscheinlich nicht so viel Onlinezeitung, dafür ist die Generation Z viel in den Sozialen Netzwerken unterwegs. Wir streamen über die zahlreichen Streamingdienste wie Netflix, Disney, Amazon Prime etc. unsere Lieblingsserien oder sind global über die Sozialen Medien vernetzt. Vor meiner Recherche war mir nicht bewusst, was das für die Umwelt bedeutet.
Energiefresser Streaming

Es wird immer mehr gestreamt. Schon heute hat Video-Streaming mit geschätzten 60 bis 70 Prozent den größten Anteil am globalen Internetdatenverkehr. Damit ist klar, dass wir es mit einem massiven Datenvolumen zu tun haben, das von Servern auf unsere Bildschirme geschickt wird. Wie hoch aber sind die CO2-Emissionen des Streamings? Eine Vielzahl von Forschungsprojekten und Studien hat sich bereits mit dieser Frage beschäftigt. Es gibt viele unterschiedliche Annahmen und Ergebnisse: Manche Studien sprechen von bis zu 440 Gramm CO2-Äquivalenten pro Stunde, andere wie die Studie des Hamburger Borderstep Instituts schätzte 2020 die CO2-Emissionen auf 100 bis 175 Gramm pro Stunde Streaming. Das entspricht ungefähr den Emissionen eines Autos bei einem Kilometer Autofahrt. Eine Untersuchung der Englischen Organisation Carbon Trust kam 2021 zu einem weniger alarmierenden Ergebnis. Danach verursacht eine Stunde Streaming in Europa “nur” ungefähr 55 Gramm CO2.
Dieser Wert erscheint erstmal gering. Doch aufgrund des enormen weltweiten Streaming-Konsums ist der CO2-Fußabdruck auch damit erheblich. Auf Grundlage der 55 Gramm CO2 pro Stunde-Hypothese schätzt ein neuerer Artikel die Streaming-Emissionen von Netflix, Amazon Prime Video und Disney+ auf rund 11 Millionen Tonnen weltweit pro Jahr.
Nimmt man alle geschätzten 1,8 Milliarden Streaming-Abonnements zusammen, könnten die Gesamtemissionen aller Streaming-Dienste rund 30 Millionen Tonnen CO2 im Jahr betragen. Das entspricht ungefähr 48,1 Millionen Einfachflügen von Paris nach New York. Mit den zugrundliegenden 55 Gramm an CO2-Äquivalenten pro Stunde Videostreaming kommen also alle großen Plattformen zusammen auf schätzungsweise rund 50 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Die Streaming-Angebote der Fernsehsender sind hier übrigens nicht eingerechnet. Da diese Zahlen nur geschätzt sind, könnten die Emissionen auch wesentlich höher sein, wovon viele andere Studien ausgehen. Der Hauptteil der Energie beim Streamen von ca. 70 bis 80 Prozent wird von den Endgeräten der Nutzenden verbraucht. Dabei variiert der Energieverbrauch von verschiedenen Gerätetypen. Wenn man also mehrere Stunden am Tag am Handy hängt, im Internet surft und Serien bingewatched, kommt da schon einiges an CO2 zusammen!
Und dann benutzt man bei den Hausaufgaben sogar noch ChatGPT…
Unser “Chatti”?!
KI verbraucht Unmengen an Strom und trägt so auch zu erheblichen CO2 Verbrauch bei. Außerdem muss sie immer “cool” bleiben. Zur Kühlung der Rechenzentren, die hinter den KI-Anwendungen stehen, werden Unmengen von Wasser benötigt. Dazu nutzt die Bearbeitung nur einer Frage im Chatbot bis zu 50 ml Wasser! Damit KI-Modelle die ihnen zugedachten Aufgaben erfüllen können, müssen sie Berge von Daten verarbeiten, oder besser gesagt: darauf “trainiert” werden. Um zu lernen, ein Bild eines Auto zu erkennen, muss ein Algorithmus Millionen von Bildern von Autos durchforsten. Im Fall von ChatGPT wird er mit riesigen Textdatenbanken aus dem Internet gefüttert, damit er lernt, mit menschlicher Sprache umzugehen. Diese Datenverarbeitung findet in Datenzentren statt. Sie erfordert eine Menge Rechenleistung und ist sehr energieintensiv. Die gesamte Infrastruktur der Rechenzentren und die Netzwerke zur Datenübermittlung sind weltweit für zwei bis vier Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Eine Studie von 2022 schätzt, dass das Training von GPT-3, einem Sprachmodell vom selben Unternehmen wie ChatGPT 1287 MWh Strom und 502 Tonnen CO2-Äquivalenten verbraucht. Das entspricht ganz grob dem CO2-Ausstoß von 50 Deutschen im Jahr 2023. Das Trainig einer KI dauert meist mehrere Wochen an. Aber Modelle, die mit sogenanntem Deep Learning arbeiten, wie beispielsweise Algorithmen, die Inhalte sozialer Medien sorgfältig beleuchten und anordnen, oder eben ChatGPT, benötigen eine erhebliche Menge an Rechenleistung. Eine ChatGPT-Abfrage braucht nach Berechnungen von Goldman Sachs knapp zehn Mal so viel Strom wie eine Google-Suche. Darüber hinaus entstehen weitere Emissionen, wenn das Modell in der realen Welt angewendet wird, was Milliarden Mal am Tag geschehen kann – beispielsweise jedes Mal, wenn ein Online-Übersetzer ein Wort übersetzt oder ein Chatbot eine Frage beantwortet. Denn KI-Programme kann jeder verwenden. Aber selbst wenn große Technologieunternehmen den Energieverbrauch ihrer KI senken, gibt es noch ein anderes Problem.
Künstlicher Konsum

Künstliche Intelligenzen werden so entworfen, dass sie den Konsum steigern. Das wiederum ist sehr schlecht für das Klima. Die KIs beeinflussen das Kaufverhalten, indem sie an den Kunden angepasste Produkte anzeigen, und optimieren Prozesse so, dass die Kundenzufriedenheit steigt. Laut dem Digitalverband Bitkom plant heute bereits jeder sechste Betrieb konkret den Einsatz von KI, weitere 23 Prozent denken darüber nach.
KI verhilft der Öl- und Gasindustrie zu zusätzlichen Gewinnen in Milliardenhöhe, denn der starke Energieverbrauch der künstlichen Intelligenzen kann nicht durch die erneuerbaren Energien gedeckt werden, sodass Tech- und Fossilkonzerne jetzt schon massiv in neue Gaskraftwerke investieren und die fossile Infrastruktur ausgebaut wird.
Leider gibt es noch viel mehr menschengemachte Ursachen des Klimawandels… Aber ich denke, die in den beiden Artikeln aufgezählten Ursachen reichen aus, um deutlich zu machen, dass wir dringend unser Verhalten ändern müssen, damit wir die Umwelt, folglich auch uns selbst und die Generationen nach uns schützen.
Aber wie genau?🤔 – bis nächsten Montag!
Quellen
Bilder
- Beitragsbild: Photo by Jakub Zerdzicki from Pexels: https://www.pexels.com/photo/smart-devices-and-streaming-apps-in-modern-home-setup-29942709/
- Zeitungen: https://pxhere.com/de/photo/1087721
- Ipads: KA KIT, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
- Computer mit N: Foto von cottonbro studio: https://www.pexels.com/de-de/foto/hand-buro-internet-tisch-5082567/
- ChatGPT: Foto von Matheus Bertelli: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-hande-laptop-internet-16094040/
- Computer mit Einkaufswagen: Foto von Karola G: https://www.pexels.com/de-de/foto/hand-laptop-internet-technologie-5632379/
Websites
- Papier oder Tablet – was ist umweltfreundlicher? – Energie-Experten
- Wie entstehen CO2 Emissionen? | Ørsted
- https://about.netflix.com/de/news/the-true-climate-impact-of-streaming
- https://www.vzhh.de/themen/umwelt-nachhaltigkeit/streaming-social-media-ki-co-was-bedeutet-das-fuer-klima-umwelt
- https://www.schieb.de/streaming-und-klimawandel-wie-umweltschaedlich-sind-netflix-youtube-co-wirklich
- https://www.peta.de/themen/bodendegradation/
- https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/klima/netflix-klimaschaedlich-planetb-streaming-oekologischer-fussabdruck-berechnung-100.html
- https://reset.org/co2-riese-streaming-wir-muessen-wieder-mehr-ueber-netflix-prime-und-co-reden/
- https://www.tagesschau.de/wissen/klima/ki-energieverbrauch-100.html
- https://www.dw.com/de/wie-k%C3%BCnstliche-intelligenz-der-umwelt-schadet/a-66305844
- https://bits-und-baeume.org/blog/ki_und_gas/
- https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/kuenstliche-intelligent-und-die-auswirkungen-auf-den-klimawandel-100.html
Ich bin ein großer Fan dieses Artikels!
Ich finde es wirklich schade wie unbewusst Chat gpt jeden Tag von so vielen Schülern für einfache suchen benutzt wird anstatt einfach mal das Gehirn anzuschalten. Vor allem in Gruppenarbeiten oder wenn sie etwas als ihres ausgeben was nur vorgeschwafelt wurde von der KI. Ich finde das furchtbar vor allem auch wegen dem ökologischen Aspekt!!! Lehrer bitte tut etwas dagegen
gerne, nur wie?
Die meisten kopieren und übernehmen einfach das Layout, alleine da kann der Lehrer schon einmal schauen ob es kopiert wurde weil Chat immer die selben Merkmal zeigt etc. Oder durch eine andere ki Hauen und schauen ob es damit gemacht wurde. Manchmal wird auch in Schulaufgabe Chat gpt benutzt und die Lehrer wissen es nicht einmal. Ja nur so eine Idee 👍
Wir sind uns alle des Problems sehr bewusst. Wenn es uns leicht gemacht wird, merken wir das in der Regel auch.
Wir können als Lehrer aber einfach nur begrenzt parallel zu unseren anderen Aufgaben auch noch KI-Kontrolleure werden. Im Unterricht teilt sich die Aufmerksamkeit auf so viele Dinge auf, dass es einfach nicht möglich ist, immer alles und alle im Blick zuhaben. Wer sich zum Beispiel Hausaufgaben oder Übungsaufsätze von der KI erstellen lässt, sollte sich überlegen, ob er eigentlich weiß, wofür er an einem Gymnasium ist. Das hat auch etwas mit Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu tun.
Was Prüfungssituationen angeht, denke ich, dass wir über kurz oder lang entweder die Formen der Prüfung überdenken werden, zum Beispiel mehr in Richtung Mündlichkeit, oder aber das Arrangement, zum Beispiel eigene abgeschottete Prüfungsräume usw. Die Möglichkeiten des Betrugs sind ins Astronomische gewachsen, die Gegenmaßnahmen sind unverändert. KI-Detektoren sind z.B. einfach nicht zuverlässig.
Ein wesentlicher Gedanke zum Schluss:
Wie entsetzlich ist eine Welt, in der alle ständig mit Betrug rechnen, niemandem geglaubt wird und man unglaublich viel Zeit, Aufwand und Aufmerksamkeit aufwendet, um immer alles zu kontrollieren. Wie soll man sich in einem solchen Umfeld bilden?
Wie schön wäre es in einer Welt zu leben, in der niemand den anderen anlügt oder betrügt aus Angst oder um des eigenen Vorteils willen. Dazu gehört allerdings persönlicher Anstand und, weil wir aus “krummen Holz” gemacht sind, entsprechende Gruppennormen.
In welcher Welt wir leben, entscheiden wir zusammen jeden Tag selbst.