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Die Stimme, die Geige und ein Klavier: LinaBó auf dem Stramu – Ein Interview

25. September 2025 9 Mins Read
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3 Comments

von Julia Lange und Hansjörg Rüthel

Sie leben in einem Bus. Als wir uns trafen, kamen sie gerade zu spät aus Österreich. Sie standen im Stau, haben ihre Instrumente und alles Andere im Einkaufswagen durch die Würzburger Innenstadt geschoben, hatten in 6 Stunden drei Konzerte an unterschiedlichen Orten in Würzburg gespielt und dann – dann haben sie quasi direkt nach dem letzten Song noch tiefenentspannt, offen und unfassbar sympathisch gut 20 Minuten mit uns geplaudert. Am nächsten Tag geht es weiter nach Heidelberg. Von wem ist die Rede? Celina von Wrochem und Luca Bo Hansen, besser bekannt als LinaBó!

Das Stramu

Auf einem Konzert ohne Ticket mit viel zu vielen Leuten und keiner Ahnung, was einen erwartet und doch ist die Stimmung 1a oder anders gesagt: das STRAMU oder Straßenmusikfest. Es findet seit 2004 jedes Jahr im September hier in Würzburg statt. Mit bis zu 100.000 Besuchern jährlich ist es eines der größten Festivals für Straßenmusik und Kunst in Europa. Wer hätte gedacht, dass sowas bei uns in Würzburg stattfindet?! Es treten sogar international renommierten Künstler wie z.B. Reuben Stone oder Ben Morgan auf, aber auch regionale Musiker und Nachwuchskünstler bekommen eine Bühne. Tatsächlich erhalten die Künstler keine Gagen, d.h. die Künstler werden durch das Publikum mit ein paar Münzen oder durch den Kauf einer CD belohnt. Daher kommt auch das Motto: „Gefällt’s dir gut, wirf was in‘ Hut!“. Die am STRAMU teilnehmenden Künstler treten meist direkt auf der Straße auf, also ohne trennende Bühnen oder Absperrungen. Auf diese Art und Weise ist der Zugang für jeden einfacher und eine unmittelbare Kommunikation zwischen Künstler und Publikum ist möglich.

Lina und Bó – Zwei besondere Straßenmusiker

Es gab so viele gute Künstler und Auftritte auf dem Stramu, – für uns das Größte war aber ein besonders Duo. Sie versprühen gute Laune und legen eine wahnsinnige Performance hin. Das Publik singt, tanzt und vor allem wippt mit, es ist schlicht hin begeistert. Zwei Straßenmusiker, die für „Frieden und Respekt, gegen Krieg und Intoleranz, für Lebensfreude und Hoffnung“ stehen: Celina und Bó oder auch Lina Bó. Die beiden haben sich beim Musikstudium in Holland kennengelernt, sie sind beide absolut leidenschaftliche Musikprofis und haben dabei kluge, poetische Texte mit Haltung. Die Musik zu beschreiben fällt schwer, weil sie so vielseitig ist, auf ihrer Homepage heißt es dazu: “Südamerikanische Exotik gemischt mit deutschem Folk-Pop erinnern an die besten Zeiten von ZAZ und Manu Chao.” Aha.

Zuerst kannten wir nur ihre Musik, dann lernten wir auch die Musiker kennen und wir haben über alles Mögliche geplaudert.

Unser Interview in voller Länge als Podcast oder gekürzt als Text

Ihr macht Straßenmusik. Seid ihr dann auch das ganze Jahr unterwegs? Straßenmusik bedeutet ja, dass man auftritt und reist. Ist das bei euch so?

LINA: Also, wir haben mit Straßenmusik angefangen und machen es immer noch, aber nicht mehr so viel, weil wir jetzt richtige Konzerte spielen. Das eine führte zum anderen. Aber unabhängig davon reisen wir trotzdem das ganze Jahr, weil wir im Bus wohnen. Wir haben keine feste Wohnung, reisen von Konzert zu Konzert und machen Straßenmusik, wenn wir Zeit haben oder im Urlaub sind.

Geht ihr dann einfach vom Bahnhof oder Parkplatz aus in die Fußgängerzone?

BÓ: Früher haben wir uns oft in die Fußgängerzone gestellt. Heute machen wir das eher im Urlaub, weil man da wunderbar von der Hand in den Mund leben kann. Man kann einfach losziehen und quasi mit Null aus dem Urlaub rausgehen.

LINA: Ja, und Fußgängerzonen sind oft stressig. Normalerweise spielen wir dann ja unverstärkt, also anders als heute, dann musst du gegen Menschen bestehen, die im stressigen Shopping-Modus sind. Bessere Orte sind Promenaden an Flüssen oder Parks. Außerdem gibt es in jeder Stadt Regeln: Da darf man nur von der vollen bis zur halben Stunde und dann muss man 500 Meter weitergehen. Oder es gibt Städte, da darfst du verstärkt spielen und es gibt andere, da darfst du nicht verstärkt spielen.  In München mmuss man sich zum Beispiel jeden Morgen um 5 Uhr beim Amt bewerben – da fahren wir lieber woanders hin, wo es einfacher ist.

Wie setzt ihr eure Ziele?

BÓ: Es ist sehr praktisch, dass es Ziele gibt. Weil ich glaube, dieses Leben so ziellos auf der Straße zu verbringen, ist nicht so schön. Wir haben ja immer ein Ziel, eigentlich die ganze Zeit und das macht es sehr routiniert.

LINA: Wir haben unser Jahr durchgetaktet. Konzerte stehen schon lange im Voraus, sogar für 2026 sind viele Termine geplant. Wir arbeiten vor allem im Sommer, da es saisonal ist. Im Winter sind wir oft im Urlaub, meist in Spanien, im Süden, in der Wärme schreiben Songs, machen Straßenmusik oder entspannen einfach. Von April bis November sind wir auf Tour, geben Konzerte und reisen von Stadt zu Stadt.

Wie ist das mit Freunden und Familie, wenn ihr ständig unterwegs seid?

LINA: Wir reisen viel und besuchen Freunde und Familie, aber die können uns nie besuchen, weil wir nur einen Bus haben. Wir versuchen auf jeden Fall, die oft zu besuchen. Weißt du, du ziehst aus und ab dem Moment siehst du deine Eltern viel, viel, viel weniger als je zuvor. Und das wird sich auch nicht ändern. Also man trifft sich und man sieht sich an Weihnachten und zu den Geburtstagen vielleicht oder irgendwie, wenn man vorbeifährt.

BÓ: Genau, 90 Prozent der Zeit mit den Eltern verbraucht man vor dem 18. Lebensjahr. Danach zieht man aus, und die Zeit ist vorbei.

Was fasziniert euch an Straßenmusik?

BÓ: Das direkte, ehrliche Feedback. Du siehst sofort, ob ein Song funktioniert – entweder die Leute ignorieren dich oder sie bleiben stehen.

LINA: Auf der Straße triffst du alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Bei Konzerten entscheiden oft Tickets, wer kommt. Auf der Straße ist das egal, und Menschen bleiben nur stehen, wenn es ihnen gefällt. Es passiert oft, dass Menschen, die sich sonst nie treffen würden, plötzlich nebeneinanderstehen und die gleiche Musik genießen. Und wir haben die coolsten Sachen schon erlebt, weil Leute kommen auf einen zu und bieten einem an, hier, komm, wir laden dich zum Essen ein oder leihen uns ein Auto, wie diese eine Frau, deren Auto wir zwei Wochen lang benutzen durften.

BÓ: Wir haben durch Musik im Prinzip ein Auto ausgebaut bekommen. Unseren Tourbus haben wir durch ein Fundraising bekommen, das unsere Fans gesponsert haben. Und dann kam zufällig irgendwann ein Typ um die Ecke und meinte, ich bin Karosserie- und Fahrzeugbaumeister in Rente und ich habe eh nichts vor, also kommt mal zu mir und wir bauen euren Bus aus. Und das, genau so war es, also der hat vier Monate lang mit uns umsonst den Bus ausgebaut. Wir waren aber auch echt needy muss man sagen. Wir haben im Auto gelebt.

LINA: Aber nicht in einem großen Auto, sondern in einem Pkw mit Zelt, direkt nach der Uni. Weil wir unbedingt durch Deutschland reisen wollten, nicht nur in einer Stadt bleiben, Instrumente und Zelt ins Auto und los. Durch Straßenmusik haben wir unser Produzententeam kennengelernt und viele Chancen erhalten. Also es passieren viele Dinge, weil man halt einfach rausgeht und es in die Welt schreit und dann kommen Leute oder nicht.

Wenn ihr so eng zusammenlebt – seid ihr eigentlich ein Paar? (Beide: Ja!) Wie ist das, wenn man sich dann mal so richtig auf die Nerven geht und dann doch wieder zusammen auf die Bühne muss und zusammen performen, klappt das?

LINA: Arbeit, ne? Wir lieben, was wir tun, aber es ist auch unser Beruf und wir haben das ja auch gelernt, professionell, wir waren in der Hochschule und so und dann muss man halt einfach seine Emotionen wegpacken und durchziehen.

BÓ: Das hört sich komisch an.

LINA: Ja, aber wenn jetzt, z.B. ein Anwalt um die Ecke kommt und sagt, meine Frau hat mich gerade verlassen und ich kann nicht arbeiten, das macht der ja auch nicht.

BÓ: Ich würde außerdem sogar sagen, eigentlich ist es, wenn wir uns tatsächlich vorher in die Haare bekommen haben, so, dass die Musik uns dann eher wieder zusammenbringt.

LINA: Ja, das rettet alles.

BÓ: Dann hat man mal so anderthalb Stunden zum Durchatmen gehabt. Und dann sieht man viele Dinge auch wieder anders.

Mir ist eure Energie aufgefallen bei den Auftritten, wie bekommt ihr die?

LINA: Weißt du, singen ist für mich pures Glücksgefühl, so eine Herzmassage. Es ist einfach mega, diesen Klang gemeinsam zu erschaffen und du siehst den Leuten im Gesicht an, dass sie es toll finden oder nicht. Aber man braucht halt dann auch ein Publikum, was einem was gibt. Ich schaukele mich ja dann immer so hoch und ich bin völlig crazy in meinem Solo und vergesse alles und mache die Augen zu und fliege irgendwie durch die Gegend und dann mache ich die Augen auf und denke so, oh, da hören ja Leute zu. Ich schmink mich eigentlich nie, außer wenn ich ein Konzert habe. Das ist für mich so eine Routine. Ich gehe dann ins Auto, hänge meinen Spiegel auf und schmink mich und ziehe mir was Schickes an oder irgendwie was, was jetzt nicht so alltagsmäßig ist. Und das ist voll wichtig. Würde ich jetzt in Jogginghose da stehen, wäre das ganz anders. Also dann würde ich überhaupt nicht das so fühlen, glaube ich. Man übertritt die Schwelle. Das ist jetzt mein Performance-Modus. Ich bin geschminkt, sehe ich gut aus oder nicht oder wie auch immer.

BÓ: Ich bin ein anderer Charakter. Aber ich glaube, es startet alles mit einer guten Intention eigentlich. Energie, die man gibt, kommt im besten Fall zurück.

LINA: Und dann ist es auch voll egal, ob da ein Mensch steht oder tausende. Echt, also weil ich finde, man muss auch bei einem Mensch genau das Gleiche liefern. Weil es einfach egal ist. Es ist eine Seele, die willst du berühren. Also ich finde es sogar schöner, wenn wenig Leute da sind. Bei einem Großkonzert sind die Leute so fern. Das sind so viele Menschen. Du kannst gar nicht greifen, wer da jetzt alles sitzt. Du siehst die Leute nicht. Du kannst nicht deren Gesichter sehen. Du kannst nicht deren Reaktionen sehen, weil die so weit weg sind.

BÓ: Es ist wichtig, die Leute zu hören und zu sehen, auf jeden Fall.

Wenn ihr einen Song aussuchen könntet, den ihr der Welt schenken würdet, welcher wäre das?

LINA: Wahrscheinlich der Publikumsliebling. „Weiblich“. Die Leute lieben ihn immer, und manchmal ist es auch der Song, der mir selbst am meisten gibt. Balladen können besonders berühren, wenn die Stimmung stimmt – still und aufmerksam, dann nimmt man die Zuhörer wirklich mit.

BÓ: Thematisch würde ich „weiblich“ wählen. Der Song hat viele Ebenen, regt zu Gedanken an und hat eine tiefe Bedeutung für mich.

LINA: Musikalisch mag ich besonders Klavier-Songs. Sie haben eine andere Dynamik als Gitarre, geben Tiefe und Vielfalt. In der Straßenmusik nutzen wir oft die Gitarre, weil sie praktisch ist.

Inhaltlich finde ich besonders bemerkenswert, dass eure Musik so integrativ ist. Sei es „Weiblich“ oder auch „Liebe für alle“ Sie sagt nicht: „Wir sind die Guten und müssen zusammenhalten gegen die anderen“, sondern sie nimmt die Menschen mit. Das gibt’s eigentlich nicht oft.

BÓ: Das ist auch schwer. Es geht darum, Botschaften zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken. Gerade beim Thema Feminismus oder Menschenrechte muss man die Perspektive der anderen verstehen. Musik kann Hoffnung geben, auch wenn sie schwere Themen anspricht. Es geht darum, positive Energie zu teilen, nicht nur Frust oder Traurigkeit.

LINA: Genau. Man kann nicht nur mit Negativem kommen. Viele Lieder sprechen schwere Themen an, und das ist wichtig. Aber es sollte immer auch ein Funken Hoffnung dabei sein. Die Leute können noch so gut Musik machen – wenn sie frustriert aus dem Konzert gehen, ist es schade.

Super. Also es ist großartig, dass ihr nach so einem Tag noch ein Gespräch mit uns geführt habt! Vielen Dank dafür.

LINA: Sehr gerne.

Zum Schluss noch eine Stimme zum Stramu

Ich fand es wirklich sehr schön, dass es so viele unterschiedliche Programmpunkte geboten wurden. Auch kulinarisch war einiges dabei – für Groß und Klein war etwas Passendes zu finden. Besonders beeindruckt haben mich die akrobatischen Auftritte, die mit viel Spannung und Eleganz dargeboten wurden. Auch der Sänger (Ben Morgan), den wir gehört haben, hat mir sehr gut gefallen. Er verbreitete eine tolle Stimmung und das Programm war zu jederzeit abwechslungsreich. Insgesamt war es ein abwechslungsreiches und stimmungsvolles Erlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.

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3 Comments

  1. My food is cold sagt:
    25. September 2025 um 8:38 Uhr

    Cooler Artikel! Sehr interessant geschrieben und echt viel Aufwand, wow

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    Antworten
  2. LinaBó-Fan sagt:
    28. September 2025 um 18:51 Uhr

    Das ist ein toller Artikel. Auch die Band gefällt mir gut. Wenn alle Lieder so sind, wie das im Video von „El dia de muertos“, ist das genau mein Geschmack!

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    Antworten
  3. Schüler sagt:
    30. September 2025 um 21:03 Uhr

    Nächstes Mal Interview von Projekt rg6?

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