Ich liebe dich, ich hasse dich: Der Kontrabass – Auftakt der Theatersaison
von Cara S. und Elisabeth K.
Wie einige von euch sicher schon wissen, bietet Herr Rüthel ab der 10. Jahrgangsstufe Theaterbesuche an. Wir haben gestern den Auftakt gemacht, und haben Der Kontrabass von Patrick Süskind in der Blauen Halle angeschaut. Hier erfahrt ihr worum es ging, und wie es war!



Ein Kontrabass und sein Spieler
Nachdem wir alle angekommen waren und unsere Plätze gefunden hatten (in einem eher mäßig besetzten Theatersaals trotz Premiere), ging es für uns los! Das Besondere an dem Stück ist, dass es nur von einer einzigen Person gespielt wird. Klingt im ersten Moment komisch, wurde aber super umgesetzt. Die Bühne stellte die Wohnung des Kontrabassisten eines Staatsorchesters da; hier ein Schallplattenspieler, da ein Sessel und natürlich: Der Kontrabass. Zu Beginn der Handlung ist der Kontrabass das Beste und Tollste überhaupt, doch schnell fördert der Alkohol die echten Gefühle und Gedanken über den Kontrabasses hervor. Man bekommt keine Frauen, man kann kein Hemd zweimal tragen, man muss das schwere und unhandliche Instrument tragen, und so weiter. Er schwankt zwischen der Liebe und dem Hass zu seinem Instrument und man merkt schnell: Ihm fehlt die Anerkennung. Immer wieder erzählt er von seiner geliebten Sarah.
Die verzweifelte Liebe
Die zwanzigjährige Sarah ist wie er musikalisch, allerdings ist sie Sopransängerin (und viel jünger als er). Natürlich bemerkt sie ihn nicht, denn er spielt ja Kontrabass. Irgendwann fängt er in seiner Art Rausch an einen Plan zu schmieden, wie er an sie rankommen kann, denn er ist verliebt in sie. Während einem Auftritt, den er am selbigen Abend noch hat möchte er kurz vor Beginn wo alle konzentriert sind und der Dirigent schon den Taktstock gehoben hat, ganz laut „Sarah“ schreien. Seiner Theorie nach, bemerkt sie ihn dann und wenn er am nächsten Tag vor ihrer Tür steht wird sie ihn lieben. Ein Stück voller unterdrückter Gefühle, Einsamkeit im eigenen Kopf und der Reflexion der Unsichtbarkeit in der Gesellschaft.



Ein merkwürdiger Autor – Patrick Süskind
Patrick Süskind war ein gesellschaftlicher Ausreißer. Trotz seinem durchschlagenden Erfolgs als Autor gibt er wenig Interviews, tritt nicht in der Öffentlichkeit auf und lehnt den Tukan-Preis, den französischen Literaturpreis für das beste Debüt und den FAZ Literaturpreis ab. Auch zur Weltpremiere seines erfolgreichsten Romans „Das Parfum“ erscheint Süskind nicht. In diesem Stil verfasst er auch seine Stücke. Sie handeln meist von Außenseitern und Antihelden, die am Rand der Gesellschaft leben.

Interview
Wir haben dem Schauspieler Zlatko Maltar für euch noch ein paar Fragen gestellt. Hört doch mal rein was er uns erzählt hat:
Unsere Meinung
Herr Klinke
Das Stück war sehr unterhaltsam mit dem subtilen Humor. Am Anfang fand ich es etwas dröge, allerdings hat sich der Schauspieler sehr gut eingespielt. Insgesamt war es außerdem sehr kurzweilig und hat sich nicht gezogen. Am besten fand ich die Hinführung zum Plan, wie er der Sopranistin auffallen möchte und jede einzelne Beleidigung gegen den Kontrabass.
Vera S.
Für mich war es sehr unerwartet. Ich dachte, dass es einen größeren Zwiespalt zwischen Hass und Liebe zum Kontrabass. Insgesamt fand ich es aber sehr interessant, gut präsentiert und der Schauspieler war sehr gut.
Elisabeth K.
„Der Kontrabass“ hat mich extrem abgeholt! Ich konnte mit dem Protagonisten mitfühlen und habe verstanden was in ihm vorgeht. Auch weil ich selber oft in Orchestern spiele, konnte ich das Gefühl der Unbedeutendheit gut nachvollziehen und besonders sein Fazit hat mir gefallen. Er hasst seinen Job, aber auf die Frage, warum er ihn trotzdem weitermacht antwortet er: Warum Nicht? Du räumst Regale im Supermarkt ein, du sitzt den ganzen Tag im Büro, du bist Jurist und ich bin halt der Kontrabass. Ich finde diese Einstellung sehr erfrischend, da ich oft das Gefühl habe, der Künstlerberuf wird stigmatisiert und unnötig überromantisiert.
Wenn ihr wissen wollt, wie die Mainpost das Ganze fand, klickt hier.
Danke für die Bilder an das Mainfrankentheater.